Drogensucht: Wie gesundheitsgefährdend ist Crystal Meth in Wirklichkeit?

Die Droge gehört zu den schlimmsten in der illegalen Drogenszene. Bild: Monkey Business - fotolia
Sebastian
Ein neuer Drogen-Skandal erschüttert die Berliner Polit-Szene. Wie verschiedene Medien berichten, wurde der Grünen-Bundestagsabgeordnete Volker Beck offenbar bei einer Polizeikontrolle in Berlin mit harten Drogen erwischt. Dabei solle es sich um Crystal Meth handeln, eine der gefährlichsten Drogen auf dem Markt. Dennoch scheint der Konsum der Substanz kein Einzelfall zu sein. Stattdessen verbreitet sich das Gift zusehends und wird quer durch die Gesellschaft von immer mehr Menschen genommen. Erst vor knapp zwei Jahren hatte der Bundestagsabgeordnete Michael Hartmann (SPD) zugegeben, Crystal Meth gekauft und konsumiert zu haben.
Droge führt schnell zu psychischer Abhängigkeit
Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Volker Beck wurde bei einer Polizeikontrolle in Berlin mit Drogen erwischt. Laut unbestätigten Berichten soll es sich dabei um Crystal Meth handeln – eine Droge, die offenbar immer mehr an Bedeutung gewinnt. Der synthetisch hergestellte Stoff zählt zu der Substanzklasse der Amphetamine, welcher auch Speed angehört. Doch im Vergleich zu diesem wirkt Crystal wesentlich stärker und länger und führt sehr schnell zu einer schweren psychischen Abhängigkeit. Die Droge kann in ihrer kristallinen Form geraucht werden („Ice“), in den meisten Fällen wird es jedoch als Pulver geschnupft oder als Tablette geschluckt. In diesen Fällen ist der Rausch zwar weniger intensiv, hält dafür aber länger an. Eine weitere Möglichkeit ist das Spritzen des aufgelösten Stoffs, wodurch sich die Suchtgefahr im Vergleich zu den anderen Varianten extrem erhöht.

Die Droge gehört zu den schlimmsten in der illegalen Drogenszene. Bild: Monkey Business - fotolia
Die Droge gehört zu den schlimmsten in der illegalen Drogenszene. Bild: Monkey Business – fotolia

Das Methamphetamin wird durch die chemische Reduktion von Ephedrin gewonnen, welches z.B. in Hustensäften und Schnupfenmitteln enthalten ist. Da die „Zutaten“ frei verkäuflich und damit für jedermann zugänglich sind, ist die Herstellung vergleichsweise billig. Um Crystal Meth zu produzieren, wird das Ephedrin häufig mit Jodwasserstoff oder mit Jod und Phosphor reduziert, wobei die Wirkung durch unterschiedliche Mischungsverhältnisses der Stoffe verändert werden kann. Die in der Szene auch als „Yaba“, „Piko“oder „Hard Pep“ bekannte Droge hat normalerweise einen sehr hohen Reinheitsgrad, doch es finden sich auch verschiedene Streck- bzw. Verschnittstoffe wie z.B. Koffein oder Milchzucker.

Stärkere Dopamin-Ausschüttung im Gehirn als bei anderen Stoffen
Obwohl Crystal Meth von vielen Experten als die gefährlichste Droge der Welt eingestuft wird, scheint sie unter Konsumenten immer beliebter zu werden. Der Grund liegt auf der Hand, denn sie wirkt extrem aufputschend und leistungsfördernd. „Methamphetamin führt zu einer starken Dopamin-Ausschüttung im Gehirn, die kaum eine andere Droge erreicht“, erklärte Rafael Riera, Chefarzt der Bezirksklinik Hochstadt, in einem Gespräch mit „Zeit Online“. Bei Dopamin handelt es sich um einen wichtigen Botenstoff des Nervensystems, welcher als so genannter „Neurotransmitter“ Signale zwischen Neuronen weiterleitet und dadurch für die Steuerung körperlicher und geistiger Aktivitäten sorgt. Crystal-Abhängige würden den Rausch demnach wie einen „Glücksstrudel“ erleben, zum Teil tagelang nicht schlafen und keinen Appetit mehr verspüren, so der Experte. Der Stoff löst eine starke Euphorie aus und führt unter anderem zu einem übersteigerten Selbstbewusstsein, Luststeigerung, erhöhter Kontaktbereitschaft und Allmachtsgefühlen.

Ist der Rausch vorüber, folgen jedoch Antriebslosigkeit, Schlafstörungen, Angstgefühle und Lethargie. Und das ist nicht alles, denn der Preis für den kurzen Höhenflug ist hoch und die Folgen eines dauerhaften Konsums können gravierend sein. Zu den möglichen Nebenwirkungen zählen unter anderem Herzrasen, Schweißausbrüche, Muskelkrämpfe, Schwindel und Hautjucken, hinzu können körperliche Langzeitwirkungen wie z.B. Hirnschädigungen, Kreislaufstörungen, Zahnausfall, chronische Hautentzündungen („Crystal Akne“) oder Nieren- und Leberschäden kommen. Besonders gefährlich ist außerdem die psychische Abhängigkeit, welche zu Angstzuständen und Panikattacken, Halluzinationen, Essstörungen sowie einem erhöhten Suizidrisiko führen kann. Der körperliche Verfall lässt sich z.B. an den erschreckenden Bildern von Crystal-Konsumenten aus der Kampagne „Faces of Meth“ nachvollziehen, mit welcher die US-Regierung auf die Gefährlichkeit der Droge aufmerksam machen will.

Steigerung der Leistungsfähigkeit und Spaß haben sind die zentralen Motive
Denn anders als häufig angenommen ist Crystal keine „Unterschichten-Droge“, sondern wird heute in allen Milieus konsumiert. Ob Studenten, Handwerker, Top-Manager oder – wie im aktuellen Fall – Politiker: Die Droge ist überall präsent und wird laut einer Studie des Zentrums für Interdisziplinäre Suchtforschung (ZIS) in Hamburg vor allem zur Steigerung der Leistungsfähigkeit und zum Spaß haben genommen. Dabei ist die Substanz an sich nicht neu, sondern wurde erstmals 1893 von dem japanischer Chemiker Nagayoshi Nagai hergestellt. Ende der 1930er Jahre wurde das Methamphetamin schließlich unter der Marke „Pervitin“ in den Handel gebracht und fand vor allem während der Blitzkriege gegen Polen und Frankreich (1939/40) verstärkt Verwendung, um die Angst der Soldaten zu unterdrücken und diese skrupelloser und leistungsfähiger zu machen. Das Fertigarzneimittel Pervitin blieb sogar bis 1988 im Handel. Heute unterliegt Methamphetamin allerdings dem Betäubungsmittelgesetz (BtMG, Anlage III), dementsprechend handelt es sich bei der Herstellung, dem Handel, Erwerb, Besitz sowie der Abgabe von Crystal um strafbare Handlungen. (nr)

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