Drohende Wechselwirkungen bei Medikamenten

Fabian Peters

Wechselwirkungen von Arzneimitteln oft unterschätzt

17.01.2012

Wechselwirkungen zwischen Arzneimitteln sind keine Seltenheit und können lebensbedrohliche gesundheitliche Folgen für die Betroffenen mit sich bringen. Das Risiko der Wechselwirkungen wird laut Aussage der Bayerischen Apothekerkammer jedoch oftmals sträflich unterschätzt.

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Die Bayerische Apothekerkammer hat unter Berufung auf eine Studie der Bayerischen Akademie für Klinische Pharmazie aus dem Sommer 2011 mitgeteilt, dass bei jedem sechsten bayerischen Apothekenkunde Wechselwirkungen zwischen seinen Medikamenten auftreten. Jeder 200. Kunde erleide sogar lebensbedrohliche Wechselwirkungen, erklärte die Bayerischen Landesapothekerkammer am Montag in München.

Unerwünschte Wirkung durch Interaktion von Medikamenten
Im Rahmen der Studie zur Art und Häufigkeit von Wechselwirkungen zwischen Arzneimitteln hatte die Bayerische Akademie für Klinische Pharmazie im Juli 2011 je 100 aufeinanderfolgende Kundenkontakte in 96 bayerische Apotheken dokumentiert. Gemeinsam mit den Apotheken wurden insgesamt rund 24.000 Daten von fast 21.000 Apothekenkunden erfasst, so die Mitteilung der Bayerischen Apothekerkammer. Dabei wurde nicht nur festgehalten, welche Präparate die Kunden einnehmen, sondern auch welche möglichen Reaktionen bei einzelne Wirkstoffe mit anderen Medikamenten, Nahrungsergänzungsmitteln oder Lebensmitteln auftraten. „Bei einer Interaktion können die Medikamente ihre Wirkungen oder Nebenwirkungen wechselseitig verstärken, aber auch abschwächen“, erläuterte Dr. Sonja Mayer, Geschäftsführerin der Bayerischen Akademie für Klinische Pharmazie und Wissenschaftliche Leiterin der Studie.

Wechselwirkungen bei jedem sechsten Apothekenkunden
Den Ergebnissen der Studie zufolge traten bei jedem sechste Apothekenkunden in Bayern Wechselwirkungen zwischen seinen Medikamenten auf und bei jedem achten Betroffenen waren Arzneimittel der Selbstmedikation beteiligt. Die meisten Schwierigkeiten bereiteten Antidepressiva, Blutdruckmittel, Mineralstoffpräparate und Schmerzmittel. Dem Vizepräsident der Bayrischen Apothekerkammer, Ulrich Koczian, zufolge ist dabei vor allem der sorglose Umgang mit frei verkäuflichen Präparaten kritisch zu bewerten. Als Beispiel für Wechselwirkungen bei nicht rezeptpflichtigen Wirkstoffen nennt die Studie Johanniskraut, dass als natürliches Arzneimittel zur Behandlung von Stimmungsschwankungen und Depressionen eingesetzt wird, jedoch gleichzeitig die Wirkung der Anti-Baby-Pille vermindern könne. Mineralstoffpräparate heben indes unter Umständen die Wirkung bestimmter Antibiotika auf, so die Aussage der Experten im Rahmen ihrer Untersuchung. Diese Abschwächung der Wirkung einzelner Arzneimittel ist jedoch nur die harmlose Variante möglicher Wechselwirkungen. Deutlich schlimmer kann es Patienten treffen, die parallel unterschiedliche Wirkstoffe verwenden, deren Einnahme kontraindiziert ist – „sich also ausschließt“, erklärte Dr. Sonja Mayer. In solchen Fällen können die Wechselwirkungen für die „Patienten lebensbedrohlich sein“, warnte die Expertin.

Gespräch mit Apotheker bringt Aufklärung
Ein weiteres Ergebnis der Untersuchung war, dass „das Risiko einer Wechselwirkung mit der Zahl gleichzeitig eingenommener Medikamente, dem Alter der Patienten und der Zahl der beteiligten Ärzte und Apotheker“ steigt, erklärte die Geschäftsführerin der Bayerischen Akademie für Klinische Pharmazie. Die Studie habe jedoch auch gezeigt, dass 82 Prozent der Wechselwirkungen bereits „durch ein persönliches Gespräch direkt in der Apotheke gelöst werden“ konnten, betonte Dr. Sonja Mayer. In acht Prozent der Fälle konnten die Wechselwirkungen durch eine Rücksprache der Apotheker mit dem behandelnden Arzt geklärt werden und die übrigen zehn Prozent der Betroffenen seien an ihren Arzt zurückverwiesen worden. Statistisch gesehen habe jede Apotheke in Bayern einmal pro Tag eine potenziell gesundheitsschädliche Wechselwirkung zwischen Arzneimitteln aufgedeckt.

Patienten brauchen Informationen zur drohenden Wechselwirkungen
Dem Vizepräsidenten der Bayerischen Apothekerkammer, Ulrich Koczian, zufolge macht „die Studie deutlich, wie wichtig die persönliche Beratung beim Arzneimittelkauf ist.“ Offenbar glauben immer noch viele Patienten, dass nicht verschreibungspflichtige Präparate harmlos sind und brauchen daher Informationen zu den drohende Wechselwirkungen, erklärte Koczian. Gerade bei erstmaliger Anwendung eines bestimmten Arzneimittels, sollten sich die Patienten „in der Apotheke informieren, ob besondere Vorsichtsmaßnahmen zu beachten sind“, betonte der Experte. Laut Aussage von Koczian nehmen Bayerns Apotheke die Ergebnisse der Studie „sehr ernst“ und führen im Januar und Februar hierzu eine Aufklärungsaktion durch. (fp)