Hohes Sterberisiko durch Wodka

Fabian Peters

Hoher Wodka-Konsum in Russland verkürzt die Lebenserwartung

31.01.2014

Wodka verkürzt das Leben vieler Russen. Der übermäßige Alkoholkonsum in der russischen Bevölkerung führt dazu, dass insbesondere die Lebenserwartung der Männer drastisch verkürzt wird. Während in vielen westeuropäischen Staaten knapp 90 Prozent der Männer das 55. Lebensjahr erreichen, sind es in Russland lediglich rund 75 Prozent. Eine aktuelle Studie hat hier den Zusammenhang zwischen der reduzierten Lebenserwartung und dem Wodka-Konsum der Männer überprüft.

Das Forscherteam um Professor David Zaridze vom Russian Cancer Research Centre in Moskau berichtet im Fachmagazin „The Lancet“ von einer groß angelegten Studie mit 151.000 Teilnehmern, die den Wodka-Konsum der Bevölkerung und mögliche Zusammenhänge mit der Lebenserwartung untersucht. „Diese große prospektive Studie liefert weitere Beweise dafür, dass Wodka eine der Hauptursachen für das hohe Risiko eines vorzeitigen Todes russischer Erwachsener ist“, schreiben Zaridze und Kollegen. Das Problem ist allerdings durchaus bereits bekannt, doch fehlt es bisher an effizienten Maßnahmen zur Eindämmung des Alkoholkonsums in Russland. Weiterhin gehört hier Wodka quasi zum Alltag und wird dabei meist aus normalen Trinkgläsern (0,2 Liter) konsumiert.

Mit dem Wodka-Konsum erhöht sich vorzeitige Sterberisiko
Die russischen Wissenschaftler haben im Rahmen ihrer Studie eine gesonderte Auswertung für 57.361 männliche Probanden vorgenommen, die allesamt Raucher waren und keine Vorerkrankungen aufwiesen. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie im Alter von 35 bis 54 Jahren versterben, lag bei denjenigen, die weniger als eine Flasche Wodka pro Woche tranken, bei rund 16 Prozent, berichten Zaridze und Kollegen. Für die Probanden mit einem Wodka-Konsum von ein bis zwei Flaschen pro Woche sei ein vorzeitiges Sterberisiko von 20 Prozent ermittelt worden und ab einem Konsum von mehr als drei Flaschen Wodka pro Woche habe dieses bei 35 Prozent gelegen. Demnach habe der Alkoholkonsum einen wesentlichen Anteil an der geringen Lebenserwartung russischer Männer, von denen auch heute noch lediglich rund 25 Prozent das 55. Lebensjahr erreichen. Ihre Lebenserwartung liegt bei knapp 65 Jahren, was im internationalen Vergleich erschreckend niedrig ist. In Deutschland werden Männer im Schnitt immerhin rund 77 Jahre alt.

Gegenmaßnahmen von Seiten der Politik gefordert
Anhand der Zahlen wird die Reichweite des übermäßigen Wodka-Konsums in Russland deutlich, doch bleibt die Frage nach geeigneten Gegenmaßnahmen. Bisher eingeführte Gesetzte, haben hier nur begrenzt Wirkung gezeigt. Wodka erfreut sich als russisches Nationalgetränk weiterhin hoher Beliebtheit. Auch die bereits 2006 durchgesetzten verschärften Alkoholkontrollen konnten hier lediglich einen geringfügigen Effekt erzeugen. Die Forscher sprachen sich daher für ein deutlich umfassenderes Maßnahmenpaket und weitere restriktive Ansätze aus, um den Wodka-Konsum zu reduzieren und damit die Lebenserwartung der Bevölkerung deutlich zu erhöhen. Zu Zeiten Michail Gorbatschows sei es auf diese Weise gelungen, den Alkoholkonsum um 25 Prozent zu senken, doch in den kommenden Jahren schnellte der Wodka-Konsum wieder in die Höhe. Mit der Folge, dass auch die Todesfälle junger Männer sich wieder nach oben bewegten. Mehrfach haben wissenschaftlich Studien nun bereits auf die eindeutigen Zusammenhänge hingewiesen, wobei davon ausgegangen wird, dass knapp 50 Prozent der Todesfälle der Männer im Alter unter 55 Jahren im Zusammenhang mit übermäßigem Alkoholkonsum stehen könnten. Nun ist die Politik gefordert, hier Gegenmaßnahmen zu ergreifen. (fp)

Bild: Jerzy Sawluk / pixelio.de