Ernährung: Bürgerbefragung gestartet

uwe-knop
Thorsten Fischer

02.03.2011

Der Autor und Ernährungsexperte Uwe Knop hat zum Thema Ernährung eine Bürgerbefragung gestartet. Auf der Internetseite Echte Esser.de sollen Bürger aus Deutschland, Österreich und der Schweiz Fragen beantworten, die zum Ziel haben, zu ergründen, ob Menschen in Industrieländern noch ein gesundes Hungergefühl besitzen.

Knop, der Autor des, bei Vito von Eichborns BoD, erschienen Buches „Hunger und Lust– Das erste Buch zur kulinarischen Körperintelligenz“, vertritt die Ansicht, dass Menschen bei der Ernährung auf ihr Gefühl „des echten, körperlich- biologischen“ Hungers hören sollten. Dazu hat er in seinem Buch in einem Zeitraum von drei Jahren an die 500 Studien zum Thema Ernährung hinterfragt. Am Ende stellte sich heraus, dass wissenschaftlich abgesicherte Fakten für Ernährungsleitlinien und Diätversprechen nicht existent sind.

Ernährungsexperten kritisierten in der Vergangenheit Uwe Knop und seine Thesen der nicht mehr verstandesgemäss geprägten Ernährung. So weist Knop in seinem Buch daraufhin, dass beispielsweise „Professor Andreas Pfeiffer von der Berliner Charité der Ansicht ist, dass der Mensch überhaupt nicht mehr wirklich entscheiden kann, was sein Körper braucht.“

Unter anderem deswegen hat Knop die jetzige Umfrage ins Leben gerufen, um die dringliche Frage zu klären: „Warum essen wir?“. Er hält die Annahme, die beispielsweise auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) vertritt, dass Menschen in den industrialisierten Ländern aufgrund des großen Nahrungsmittelangebotes nicht mehr ihr echtes Hungerfühl spüren können, für abwegig. Denn dies ist eines der Hauptargumente von vielen Ernährungsexperten, warum sie meinen, weiter Empfehlungen oder Anweisungen in punkto Ernährung aussprechen zu müssen.

Knop gibt zu bedenken, dass derzeit keinerlei gesicherte Daten vorlägen, die diese Argumente stützen würden.Generell wird in vielen Lebensbereichen verstärkt auf Eigenverantwortung und Mündigkeit gesetzt. Knop, der im Jahre 2010 für sein Buch den BoD Autoren Award verliehen bekam, und seine Kulinarische Körperintelligenz könnten innerhalb der Ernährungswissenschaften denselben Weg beschreiten, wie ihn schon in den 1930ern Carl Rogers (1902- 1987) mit seiner „Klientenzentrierten Gesprächsführung“in der Psychotherapie einschlug. Zuerst angefeindet, sind heute selbst beispielsweise in der Seelsorge oder in der Unternehmensberatung die Thesen von Rogers nicht mehr wegzudenken. Neben den Ansätzen von Knop ist im manualtherapeutischen Bereich das Fasziendistorsionsmodell als artverwandt anzusehen, dass die subjektiven Aussagen des Patienten und die Körpersprache zur spezifischen Behandlung nutzt. Es bleibt zu hoffen, dass sich viele Menschen an der Drei- Länder- Umfrage beteiligen und Antworten und neue Erkenntnisse zum „echten biologischen Hunger“ liefern. (tf)

Advertising