Fasziendistorsionsmodell (FDM)

Thorsten Fischer

Fasziendistorsionsmodell

(30.07.2010) Das Fasziendistorsionsmodell (FDM) ist ein neuartiges Prinzip in der manuellen Behandlung und Diagnostik von Beschwerden. Begründet wurde es 1991 von dem us- amerikanischen Osteopathen und Notfallmediziner Dr. Stephen Typaldos D.O. (1957- 2006). Er hatte entdeckt, dass die Patienten ihre Beschwerden jeweils spezifisch zeigen und aus dieser Körpersprache die entsprechende Behandlung gefunden. Insofern ist es eine völlig neuartige Idee der Behandlung und Diagnostik, weil nicht nach der Anatomie oder Physiologie, sondern nach den Angaben des Patienten behandelt wird. Typaldos hat 6 verschiedene Ausdrücke von Beschwerden gefunden und zu diesen 6 Ausdrücken, die er später „Distorsionen“ nannte, die Behandlungen entwickelt, die sich weniger nach Techniken, als vielmehr nach Prizipien richten.

Fasziendistorsionsmodell:
Kritik am Fasziendistorsionsmodell
Derzeitige Entwicklung des FDM

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Kritik am Fasziendistorsionsmodell

Manuelle Therapeuten, Chirurgen, Kinderärzte und Orthopäden tun sich noch schwer, dieses System zu akzeptieren, weil das Denken in anatomischen und physiologischen Kategorien in den meisten Köpfen zu manifest ist. Doch die zum Teil unglaubliche Effektivität, die meist sofort sichtbar ist, sorgen stetig für eine weitere Verbreitung.

Kritiker werfen der Methode vor, dass die Behandlung oftmals zu schmerzhaft ist. Vor allem in der Osteopathie, in der das FDM an manchen Schulen in Deutschland und Österreich mit zum Ausbildungsstandard gehört, gibt es viele Kritiker. Da in der Osteopathie gerade das Erkennen und Herstellen von Verbindungen und Zusammenhängen eine wichtige Rolle spielt, werfen Kritiker dem FDM vor, hier zu reduktionistisch zu sein.

Derzeitige Entwicklung des FDM

Zur Zeit ist in Europa das FDM auf dem Vormarsch. Als einer der Hauptverantwortlichen kann hier Dr. Georg Harrer, ein Osteopath und Arzt für Allgemeinmedizin, Facharzt für Anästhesie und Intensivmedizin aus Wien, gesehen werden. Er hat durch eine umfangreiche Dozententätigkeit und Aufbau der europäischen FDM- Organisation (EFDMA) das FDM mehr in die Osteopathie und in die Ärzteschaft hineingetragen.

Mittlerweile gibt es neben seinen Kursen auch die Typaldos- Akademie, unter anderem von Christoph Rossmy D.O. DROM aus Haltern am See, die europaweit Kurse im FDM gibt. Neben Österreich und Deutschland soll es nun kontinuierlich Kurse in Italien und Polen geben. Dr. Harrer hat Anfang 2010 auch einen Kurs in Burkina Faso gegeben, der zum Aufbau von Strukturen in Form eines afrikanischen Verbandes geführt hat.

Gerade in ärmeren Ländern bietet das FDM eine sinnvolle Alternative, da die Körpersprache weltweit gleich ist und eine Sprachbarriere für die Behandlung so gut wie nicht existiert. Daneben ist es eine kostengünstige und effektive Form der Behandlung.

Neben der europäischen Organisation EFDMA gibt es im Ursprungsland des FDM den us- amerikanischen Verband (AFDMA) und den japanischen (asiatischen) Verband (FAA) – die auch beide sehr aktiv sind. In einem Interview mit der „DO- Deutsche Zeitschrift für Osteopathie“ vom Juli 2010, sieht Dr. Harrer mehr den Aufbau von Strukturen und die Integration in den normalen Medizin- und Osteopathiebetrieb förderlich und notwendig für das FDM, als das eventuelle Entdecken einer 7. Fasziendistorsion. Im September 2011 wird in Wien der 5. Internationale FDM- Kongress stattfinden. (tf)