Existenzen nach dem Sterben: Erste große Untersuchung soll die Geheimnisse lüften

Fabian Peters

Moderne Antworten auf eine uralte Frage

Seit Jahrhunderten beschäftigen wir uns mit dem Thema: „Was passiert, wenn und nachdem ich sterbe?“. Hierzu haben Menschen weltweit, vom Priester bis zum Wissenschaftler, sehr unterschiedliche Theorien, doch die Begeisterung für diese Thematik einigt alle Gruppierungen und Religionen.

Nahtoderfahrungen, himmlische Reiche, Wiedergeburt oder das Nichts – was ist möglich? US Wissenschaftler von der New York University Langone School of Medicine unter der Leitung von Dr. Sam Parnia probieren in einer aktuellen Studie dieses Mysterium mit modernen Methoden zu lüften. Die ersten Ergebnisse sind sehr erstaunlich, denn die Wahrnehmung der meisten untersuchten Patienten endete nicht mit dem Tod.

Größte Studie ihrer Art soll die Mysterien des Todes lüften. (Bild: Spectral-Design/fotolia.com)

Den Tod studieren

In der besagten Studie wurden verschiedene Methoden zur Überwachung des Gehirns nach dem Eintreten des Herzstillstandes angewendet. Denn der Eintritt des Todes sei genau der Moment, an dem das Herz stehen bleibt, erläutert Dr. Parnia gegenüber dem Magazin „Live Science“. In diesem Moment werde das Gehirn nicht mehr versorgt und man verliere sämliche Stammhirn-, Würg- und Pupillenreflexe, so Dr. Parnia. Die Großhirnrinde, der sogenannte „Denkapparat“, verlangsame augenblicklich in dem Moment des Herzstillstandes seine Funktion drastisch, so dass keine Gehirnströme mehr gemessen werden können, betont der Mediziner. Ab diesem Zeitpunkt beginnen die Gehirnzellen abzusterben. Doch dieser Vorgang könne laut Dr. Parnia mehrere Stunden dauern.

Der Tod ist nicht das Ende

Der Mediziner berichtet weiter, dass Reanimationsmaßnahmen Blut zum Gehirn senden. Bereits 15 Prozent der normalen Blutmenge reichen laut Dr. Parnia aus, um das Sterben der Gehirnzellen zu verlangsamen. So können Patienten in den ersten Minuten nach Eintreten des Todes noch eine Art Bewußtsein erfahren. In Interviews mit Patienten, die erfolgreich reanimiert wurden, beschreiben die Betroffenen, dass sie die Doktoren und Schwestern bei der Arbeit beobachten und sogar Gesprächen zuhören konnten. So wussten die wiederbelebten Patienten Dinge, die sie eigentlich nicht hätten wissen können, da sie zu einem Zeitpunkt stattfanden, an dem sie bereits klinisch Tod waren, erläutert Dr. Parnia.

Neue Technik um den Tod zu ergründen

Dr. Parnia und seine Kollegen untersuchen zur Zeit in der größten Studie ihrer Art, wie und in welcher Art das Bewußtsein nach dem Tod vorhanden bleibt. Hierzu werden eine große Anzahl von Patienten aus Europa und Amerika untersucht, die einen Herzstillstand erlitten. Der nächste wichtige Schritt, um tiefergehende Erkenntnisse zu erlangen, sei nun, bessere Methoden zur Überwachung des Gehirns nach Eintritt des klinischen Todes zu entwickeln, berichtet das Magazin „Live Science“ in einem Beitrag zu der Studie. (fp)