Forscher: Erste Grippe im Leben beeinflusst das spätere Gripperisiko aus

Eine Grippeerkrankung ist meist sehr unangenehm und kann Betroffene einige Tage außer Gefecht setzen. Mediziner fanden jetzt heraus, dass die erste Grippe im Leben beeinflusst gegen welche Formen der Grippe wir im späteren Leben besonders anfällig sind. (Bild: Viacheslav Iakobchuk/fotolia.com)
Alexander Stindt
Erste Grippeerkrankung in der Kindheit hat Folgen für das ganze Leben
Die Wahrscheinlichkeit an einer neuen Form von Grippe zu erkranken, hängt teilweise von der Kindheit ab. Forscher fanden jetzt heraus, dass die erste Grippe im Leben sich auf das Risiko für verschiedene Arten von späteren Grippeerkrankungen auswirkt.

Die Wissenschaftler der University of Arizona in Tucson und der University of California, Los Angeles stellten bei einer Studie fest, dass die erste erlittene Grippe im Leben sich auf die Wahrscheinlichkeit auswirkt, ob wir im späteren Leben an neuen Formen von Grippe erkranken. Die Mediziner veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in der Fachzeitschrift „Science“.

Eine Grippeerkrankung ist meist sehr unangenehm und kann Betroffene einige Tage außer Gefecht setzen. Mediziner fanden jetzt heraus, dass die erste Grippe im Leben beeinflusst, für welche Formen der Grippe wir im späteren Leben besonders anfällig sind. (Bild: Viacheslav Iakobchuk/fotolia.com)
Eine Grippeerkrankung ist meist sehr unangenehm und kann Betroffene einige Tage außer Gefecht setzen. Mediziner fanden jetzt heraus, dass die erste Grippe im Leben beeinflusst, für welche Formen der Grippe wir im späteren Leben besonders anfällig sind. (Bild: Viacheslav Iakobchuk/fotolia.com)

Mediziner untersuchen 18 Stämme von Influenza A
Die Forscher untersuchten für ihre Studie 18 verschiedene Stämme von Influenza A und das Hämagglutinin-Protein auf seiner Oberfläche. Dabei stellten sie fest, dass die Wahrscheinlichkeit an einer neuen Form von Grippe zu erkranken teilweise davon abhängt, an welcher Form der Grippe wir als erstes in unserem Leben erkrankt sind. Es gibt nur zwei Arten von Hämagglutinin-Protein, erklären die Experten. Der Körper ist geschützt vor dem ersten Protein, welches durch eine Grippe in unseren Körper gelangt. Allerdings mit dem erheblichen Nachteil, dass wir durch das zweite Protein besonders gefährdet sind.

Immunsystem produziert durch Grippe Antikörper
Die aktuelle Entdeckung könnte erklären, warum einige Grippeausbrüche mehr Todesfälle und ernste Erkrankungen bei jüngeren Leuten verursachen, sagen die Autoren. Wenn das Immunsystem eines Menschen zum ersten Mal auf ein Grippevirus trifft, werden dadurch Antikörper produziert, erläutern die Wissenschaftler. Diese sogenannten Rezeptorproteine sind unter der Bezeichnung Hämagglutinin bekannt und haften an der Oberfläche des Virus.

Es gibt nur blaue oder orange Lutscher
Wenn man die Proteine mit Lutschern vergleichen würde, gäbe es nur zwei verschiedene Sorten. Beispielsweise gäbe es dann nur blaue und orange Lutscher, erläutert Professor Michael Worobey von der University of Arizona. Menschen die vor den späten sechziger Jahren geboren wurden, waren als Kinder den Grippeviren H1 oder H2 ausgesetzt. Diese Grippeviren betrachten wir in unserem Beispiel als blaue Lutscher, fügt der Experte hinzu.

Menschen die vor den späten sechziger Jahren geboren wurden sind anfälliger für H7N9
Im späteren Leben erkrankten solche Menschen seltener an anderen Grippen, welche auf den Viren H1 oder H2 aufbauen, erklären die Mediziner. Aber sie erkrankten beispielsweise schneller an H7N9 und verstarben sogar daran. Man könnte auch mit anderen Worten sagen, dass wir die blauen Lutscher vertragen, aber empfindlich auf orange Lutscher reagieren, erläutern die Wissenschaftler.

Protein bietet Schutz gegen bestimmte Erkrankungen
Das Forscherteam betrachtete verschiedene Fälle von H5N1 und H7N1 (zwei Formen der sogenannten Vogelgrippe). Diese Formen der Erkrankung haben hunderte von Menschen betroffen, sich aber glücklicherweise nicht zu einer Pandemie entwickelt. Die Mediziner fanden heraus, dass Menschen eine etwa 75 prozentige Schutzrate gegen schwere Erkrankungen und einen Schutz von etwa 80 Prozent gegen die tödlichen Folgen der Erkrankungen haben, wenn die Patienten in der Kindheit einem Virus mit dem gleichen Protein ausgesetzt waren.

Gründe für die „Spanische Grippe“ festgestellt?
Die aktuelle Entdeckung könnte die ungewöhnliche Auswirkung der sogenannten „Spanischen Grippe“ im Jahr 1918 erklären. Diese war besonders tödlich bei jungen Erwachsenen, erläutert Professor Worobey. Diese jungen Erwachsenen starben an einem H1-Virus. Die analysierten Blutzellen aus vielen Jahrzehnten ergaben, dass die Betroffenen in der Kindheit nicht übereinstimmenden H3-Viren ausgesetzt waren. Dadurch waren sie allerdings nicht gegen das H1-Virus geschützt.

Erklärung warum die Bevölkerung anfällig für die Vogelgrippe ist
Das gleiche Muster ist heutzutage bei aktuellen H5N1 und H7N9 Fällen zu beobachten. Das deutet darauf hin, dass die gleichen grundlegenden Prozesse, welche 1918 die Pandemie auslösten, auch die nächste große Grippe-Pandemie erzeugen könnten, erklären die Autoren. Die neue Studie liefert nun Gründe, warum die menschliche Bevölkerung anfällig für verschiedene Stämme der Vogelgrippe ist. Derzeit ist leider ein erneutes Auftreten der Vogelgrippe in Deutschland zu beobachten. (as)

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