Forscher: Scheidungen in Freundschaften ansteckend

Alfred Domke

Scheidungen laut Studie sozial ansteckend

02.11.2013

Laut einer Studie sind Scheidungen hoch ansteckend. Lässt sich etwa im Freundeskreis wer scheiden, erhöhe dies das eigene Risiko um 75 Prozent. Verheiratete Freunde könnten die Gefahr aber wieder ausbalancieren.

Hoch ansteckende Scheidungen
Seit langem bekannt ist, dass Scheidungen und der damit verbundene Stress zu enormen gesundheitlichen Problemen führen können. Auch der Freundeskreis ist in der Regel in die Probleme involviert. Wie eine demnächst im Fachjournal „Social Forces“ erscheinende Studie nun jedoch zeige, seien Scheidungen darüber hinaus auch hochansteckend. Wissenschaftler um Rose McDermott von der Brown University in Providence im US-Bundesstaat Rhode Island hätten dies anhand von Langzeitdaten der seit 1948 laufenden Framingham-Herz-Studie heraus gefunden.

Scheidungen von Freunden lassen das Risiko enorm steigen
Die Forscher analysierten die Daten von insgesamt mehr als 10.000 Amerikanern, die über zwei Generationen erhoben wurden. Wenn sich gute Freunde scheiden ließen, so erhöhe sich laut der Studie das eigene Risiko um 75 Prozent. Bei Scheidungen im Bekanntenkreis liege die erhöhte Gefahr immerhin noch bei 33 Prozent. Und das, obwohl es unerheblich sei, wie weit die Freunde voneinander entfernt wohnten. Für den Effekt entscheidend sei, ob die Freundschaft als relativ eng empfunden werde.

Soziale Ansteckung
Mit den Daten ließe sich sogar zeigen, dass eine Scheidung auch die Freunde der Freunde beeinflusse, auch wenn diese das Scheidungspaar oft gar nicht kannten. Allerdings sind solche Thesen der „sozialen Ansteckung“ nicht wirklich neu. Auch in anderen Untersuchungen habe sich ergeben, dass etwa das Gewicht der Freunde auch das eigene beeinflusse, Babys von Geschwistern zu einem eigenen motivieren können und sich Scheidungskinder später statistisch selbst häufiger scheiden lassen würden.

Geringere Ansteckungsgefahr mit Kindern
Die Wissenschaftler relativierten ihre Ergebnisse jedoch ein wenig, indem sie darauf hinwiesen, dass der Ansteckungseffekt für diejenigen deutlich geringer ausfallen würde, die Kinder haben. Und zwar seien sie umso weniger anfällig, je mehr Kinder in der Familie sind. Außerdem senke ein hoher Beliebtheitsgrad das Risiko sich scheiden zu lassen, wenn es andere tun, ebenfalls.

Verheiratete Freunde balancieren Risiko aus
Es sei jedoch falsch, aus Ansteckungs-Angst Freundschaften zu Geschiedenen zu beenden. Wie McDermott meinte, könnten Freunde dabei helfen, eine gefährdete Beziehung zu retten. Und es sei tröstlich zu wissen, dass das beschriebene Phänomen auch andersherum funktioniere. So würde das Risiko durch genügend verheiratete Freunde wieder ausbalanciert werden. (ad)

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