Forscher wiesen nach: Durch Schlafprobleme ADHS

Alexander Stindt
Mediziner finden Verbindung zwischen Schlafproblemen und ADHS
Nachts ausreichend zu schlafen, ist wichtig für unsere Gesundheit. Jetzt gibt es einen weiteren Grund, warum wir unserer Nachtruhe in Zukunft mehr Aufmerksamkeit zukommen lassen sollten. Forscher fanden heraus, dass ein kompromittierter Schlaf mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit für die Entstehung einer sogenannten Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) verknüpft ist.

Die Wissenschaftler der VU University in den Niederlanden stellten bei ihrer Untersuchung fest, dass schlechter nächtlicher Schlaf mit der Entstehung einer Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung zusammenhängt. Die Mediziner veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie beim diesjährigen 30. ECNP Congress in Paris.

Schlafstörungen wirken sich negativ auf Körper und Geist aus. Mediziner fanden jetzt einen Zusammenhang zwischen ADHS und einem gestörten Schlaf. (Bild: Doreen Salcher)

75 Prozent der Menschen mit ADHS leiden auch unter Schlafproblemen
Immer mehr Menschen wohnen in der heutigen Zeit in einer städtischen Umgebung. Der Lebensstil der Betroffenen in einer solchen Umgebung kann zu einer Störung unser Schlafgewohnheiten führen. Die Folgen davon können zur Entwicklung einer Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) beitragen. Etwa 75 Prozent der Kinder und Erwachsenen mit ADHS leiden auch unter Schlafproblemen, sagen die Experten.

ADHS scheint mit vielen verschiedenen Schlafstörungen zusammenzuhängen
Eine Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung ist ein chronischer Zustand, welcher Aufmerksamkeitsschwierigkeiten, Hyperaktivität und gesteigerte Impulsivität umfasst. Den aktuellen Untersuchungsergebnissen zufolge könnte ADHS eine Assoziation mit vielen Störungen des Schlafes haben, wie beispielsweise dem sogenannten Restless-Leg-Syndrom, Schlafapnoe, zirkadianen Rhythmusstörungen und dem verzögerten Schlafphasensyndrom, erläutern die Mediziner.

Störungen des Schlafrhythmus wirken sich auch auf bestimmte Prozesse im Körper aus
Es gibt umfangreiche Untersuchungen, welche bereits festgestellt haben, dass Menschen mit ADHS auch häufig zu Schlafprobleme neigen, erläutert Professorin Sandra Kooij vom VU University Medical Center in den Niederlanden. Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass ADHS und zirkadiane Probleme bei einer Mehrheit von Patienten miteinander verbunden sind. Ihr Tage-Nacht-Rhythmus werde gestört und als Folge davon sei das Timing von mehreren Prozessen beeinträchtigt. Davon ist nicht nur der Schlaf betroffen, sondern beispielsweise auch die Körpertemperatur, das Bewegungsmuster und der Zeitplan der Mahlzeiten.

So können Sie den zirkadianen Rhythmus Ihres Schlafes zurücksetzen
Die Ergebnisse der Studie weisen darauf hin, dass bei etwa 75 Prozent der ADHS-Patienten die physiologische Schlafphase, in der bei Menschen beispielsweise Veränderungen der Konzentrationen des Schlafhormons Melatonin und Veränderungen der auf den Schlaf bezogenen Bewegung auftreten, um etwa 1,5 Stunden verzögert auftrat. Eine helle Lichtquelle am Morgen oder die Einnahme von Melatonin am Abend konnte vielen Betroffenen dabei helfen, ihren zirkadianen Rhythmus zurückzusetzen, fügte Kooij hinzu.

Ist ADHS durch nicht-pharmakologische Methoden zu behandeln?
„Wir arbeiten jetzt daran, diese körperlich-geistige Beziehung zu bestätigen, indem wir Biomarker wie den Vitamin D-Spiegel, Blutglukose, Cortisolspiegel, 24-Stunden-Blutdruck und Herzfrequenzvariabilität bestimmen“, berichtet Professorin Sandra Kooij. Wenn solch eine Verbindung festgestellt werden kann, stelle sich die Frage, ob ADHS zu Schlafproblemen führt oder Schlafprobleme ADHS auslösen. „Wenn ADHS Schlafprobleme auslöst, könnten wir in der Lage sein, ADHS durch nicht-pharmakologische Methoden zu behandeln“, so Prof. Kooij.

Gestörter Schlaf kann sogar zu Depressionen führen
Wir sagen nicht, dass alle Fälle von ADHS mit diesen zirkadianen Mustern verbunden sind. Es ist aber sehr wahrscheinlich, dass dies ein wichtiger Zusammenhang ist, erläutert die Expertin. Schwierigkeiten beim Einschlafen würden oft von Müdigkeit, Mangel an Energie und Reizbarkeit am Tage begleitet. Der gestörte Schlaf kann sich auch auf die Psyche auswirken und so zu Depressionen führen, sagen die Autoren. (as)