Forschung: Macht erhöhter TV-Konsum Menschen dumm?

Wer viel fernsieht gefährdet nicht nur seine Gesundheit, sondern ist auch anfälliger für Alltagsmythen und Vorurteile. (Bild: Focus Pocus LTD/fotolia.com)
Alfred Domke
Menschen die viel fernsehen unterliegen leichter Alltagsmythen
Wer viel fernsieht, gefährdet nicht nur seine Gesundheit, sondern unterliegt auch öfter Alltagsmythen. Das zeigte eine Untersuchung österreichischer Wissenschaftler. Ein hoher TV-Konsum kann womöglich auch mit Vorurteilen und falschem Informationsstand zu gesundheitsbezogenen Themen in Zusammenhang stehen.

Langes Sitzen ist ungesund
Wer jeden Tag lange vor dem Fernseher sitzt, gefährdet seine Gesundheit. Erst kürzlich berichteten niederländische Wissenschaftler, dass langes Sitzen das Typ-2-Diabetes-Risiko erhöht. Außerdem kann stundenlanges Verweilen vor dem TV eine Lungenembolie auslösen. Frühere Untersuchungen zeigten zudem, dass viel Sitzen die Darmkrebs-Gefahr erhöht. Und es wird oft mit einer falschen Körperhaltung und daraus folgenden Beschwerden wie Rückenschmerzen in Verbindung gebracht.

Wer viel fernsieht gefährdet nicht nur seine Gesundheit, sondern ist auch anfälliger für Alltagsmythen und Vorurteile. (Bild: Focus Pocus LTD/fotolia.com)
Wer viel fernsieht gefährdet nicht nur seine Gesundheit, sondern ist auch anfälliger für Alltagsmythen und Vorurteile. (Bild: Focus Pocus LTD/fotolia.com)

Hoher TV-Konsum fördert Vorurteile
Ein hoher TV-Konsum ist aber nicht nur wegen des langen Sitzens problematisch. Er fördert offenbar auch Vorurteile und führt zu einem falschen Informationsstand. Wie die MedUni Wien in einer aktuellen Mitteilung berichtet, unterliegen Menschen, die viel fernsehen, öfter und leichter Alltagsmythen – und das unabhängig von Alter, Bildung und Geschlecht. Zu diesem Ergebnis kam eine Medienstudie am Zentrum für Public Health der MedUni Wien unter der Leitung von Benedikt Till und Thomas Niederkrotenthaler. Die Forscher veröffentlichten ihre Ergebnisse nun im Fachjournal „Death Studies“.

Fast zwölf Prozent glauben dass die Todesstrafe in Österreich existiert
Im Rahmen der Studie wurden 322 Personen zu ihrem TV-Konsum befragt und gleichzeitig, ob sie glauben, dass es in Österreich noch immer die Todesstrafe gibt und wie viele Personen in einem Todestrakt sitzen. Laut der Mitteilung waren 11,6 Prozent der Befragten der falschen Meinung, dass die Todesstrafe noch immer existiert. Diese Annahme war umso verbreiteter, je höher der Fernsehkonsum war.

Die Hochschule erläutert in ihrer Presseinformation, dass die Todesstrafe in der Alpenrepublik im Februar 1968 abgeschafft wurde und die letzte Hinrichtung in Österreich im März 1950 stattfand.

Einfluss von US-amerikanischen Serien
„Der Effekt, dass mehr als jeder Zehnte zu wissen glaubt, dass es in Österreich noch immer die Todesstrafe gibt, ist vermutlich durch den hohen Anteil an amerikanischen Filmen und TV-Serien im österreichischen Fernsehen zu erklären“, meinte Benedikt Till. „Insbesondere in den Krimis wird kontinuierlich das amerikanische Justizsystem, in dem die Todesstrafe einen zentralen Stellenwert einnimmt, porträtiert.“

In anderen Bereichen scheinen US-amerikanische Produktionen ein eher positive Rolle einzunehmen. So kritisierten Mediziner vor einigen Jahren die heile Welt deutscher Arztserien und hoben Formate wie „Dr. House“, eine Serie aus den USA, in der es um seltene Erkrankungen geht, positiv hervor.

Verzerrte Darstellung der Welt
Aus der sogenannten Kultivierungsforschung ist bekannt, dass die verzerrte Darstellung der Welt im TV auch zu einer verzerrten Wahrnehmung der Welt beim Zuschauer führen kann. „So überschätzen zum Beispiel insbesondere Personen mit hohem TV-Konsum häufig die Zahl von Personen in jenen Berufsgruppen, die oft im Fernsehen porträtiert werden, zum Beispiel Ärzte, Anwälte oder Polizisten. Auch die Wahrscheinlichkeit, Opfer eines Verbrechens zu werden, wird überschätzt“, erklärte Till.

Hoher Fernsehkonsum verändert nicht nur Werte
Wie in der aktuellen Studie erstmals gezeigt werden konnte, verändert der Fernsehkonsum nicht nur Einstellungen und Werte, sondern er kann „auch das Wissen über grundlegende Prinzipien der Gesellschaft, wie zum Beispiel die Todesstrafe, negativ und grundlegend beeinflussen“, so die Forscher.

Aufgrund der Studie lasse sich auch vermuten, dass auch andere Vorurteile, Mythen und falscher Informationsstand zu gesundheitsbezogenen Themen – etwa Mythen zum Thema Suizid, dem Kerngebiet der beiden Sozialmediziner am Zentrum für Public Health der MedUni Wien – mit vermehrtem Medienkonsum im Zusammenhang stehen könnte. (ad)

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