Frühentwicklung: Säuglinge empfinden Kitzeln anders als erwartet

Fabian Peters
Neugeborene verbinden Berührungen nicht mit anderen Sinneseindrücken
Wer ein Baby vorsichtig an den Füßen berührt, erhält normalerweise direkt eine Reaktion des Kindes in Form von Strampeln, Glucksen oder Lächeln. Doch dieses Feedback ist offenbar viel weniger persönlich gemeint als bisher gedacht. Denn wie eine Studie britischer Forscher nun gezeigt hat, verbinden Säuglinge Berührungen nicht mit anderen sinnlichen Wahrnehmungen wie Hören, Sehen oder Riechen.
Kitzeln löst vermeintlich persönlich gemeinte Reaktionen aus
„Na, bist Du etwa kitzelig?“ Millionen Eltern und Großeltern werden beim Anblick eines Babys dazu verlockt, dieses z.B. sanft an den Füßen oder am Bauch zu kitzeln. Meist erfolgt sodann ein Strampeln mit den Beinchen, ein kleines Lächeln oder ein gluckerndes Geräusch – was der Erwachsene normalerweise als persönliche Reaktion des Kindes auf seine Berührung interpretiert.

Babys erleben Kitzeln anders als Erwachsene. (Bild: Christin Lola/fotolia.com)
Babys erleben Kitzeln anders als Erwachsene. (Bild: Christin Lola/fotolia.com)

Doch hier scheint offenbar ein Missverständnis vorzuliegen, denn laut eines Forscher-Teams der Goldsmiths University in London würde der ausgeübte Reiz von dem Säugling nicht mit einer bestimmten Person verknüpft werden. Stattdessen würden menschliche Babys, die jünger als sechs Monate alt sind, „Berührungen nur auf ihrem Körper und nicht nicht in der Außenwelt“ wahrnehmen, so der Studienleiter Andrew Bremner.

Wie die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift „Current Biology“ berichten, hatten sie im Zuge der Beschäftigung mit Fragen zu frühen sensorischen Entwicklung untersuchen wollen, ob Babys erkennen könnten, woher eine spürbare Berührung kommt. Sie prüften dies mithilfe eines bekannten Tests, bei welchem die Arme oder Beine überkreuzt werden und dann eine Berührung erfolgt. Während Erwachsene und sechs Monate alte Kleinkinder in diesem Fall oft Fehler bei der Zuordnung der Reizquelle machen, erkannten die Forscher, dass es sich bei Säuglingen im Alter von bis zu vier Monaten anders verhält. Denn diese konnten die Berührung viel häufiger als die älteren Babys und die Erwachsenen korrekt zuordnen.

Taktile Welt ist getrennt von anderen Sinneswelten
„Wir schließen daraus, dass Babys in ihrer frühen Entwicklungsphase Berührungen ausschließlich als Berührungen wahrnehmen, und diese nicht mit irgendetwas, das sie hören, sehen oder sogar riechen, in Verbindung bringen“, so Bremner laut einer Mitteilung der Goldsmith University. „Sie stehen nicht in Beziehung zu Objekten, die sie visuell wahrnehmen. Für mich hört sich das ganz danach an, eine fremde, sinnliche Welt zu bewohnen – die taktile Welt ist völlig getrennt von den anderen Sinneswelten.“ (nr)