Fukushima: Leben am Rand eines Katastrophengebiets

In Fukushima ist auch fünf Jahre nach der Katastrophe die Strahlenbelastung erhöht und radioktive Belastungen des Grundwassers bilden ein wachsendes Problem. (Bild: lassedesignen/fotolia.com)
Fabian Peters
Bereich des Kraftwerks noch für Jahrzehnte ein Katastrophengebiet
Fünf Jahre nach der Katastrophe von Fukushima ist der Bereich des ehemaligen Atomkraftwerks weiterhin ein gefährliches Katastrophengebiet und die Arbeiter stehen erst am Anfang der komplexen und riskanten Aufgabe der Ortung des Brennstoffs, berichtet das Fachmagazin „Science“. Zwar konnten manche Evakuierte bereits in ihre Häuser zurückkehren, doch werden sie über Jahrzehnte angrenzend an eine verstrahlte Katastrophenzone leben.

Die Arbeiter machen Fortschritte bei der Säuberung des kontaminierten Landes rund um den Reaktor von Fukushima und einige Evakuierte würden gerne in ihre abgedichteten Häuser zurückkehren. Doch sind die Aufräumarbeiten längst nicht abgeschlossen und noch immer wird Strahlung freigesetzt. Hier stellt sich für die Rückkehrer die Frage, welche Strahlenbelastung schädlich ist. Auch müssen sie sich an ein Leben angrenzend an ein verstrahltes Katastrophengebietes gewöhnen, da die Ortung des geschmolzenen Brennstoff erst begonnen hat und noch herauszufinden bleibt, wie sich dieser entfernen lässt.

In Fukushima ist auch fünf Jahre nach der Katastrophe die Strahlenbelastung erhöht und radioktive Belastungen des Grundwassers bilden ein wachsendes Problem. (Bild: lassedesignen/fotolia.com)
In Fukushima ist auch fünf Jahre nach der Katastrophe die Strahlenbelastung erhöht und radioktive Belastungen des Grundwassers bilden ein wachsendes Problem. (Bild: lassedesignen/fotolia.com)

150.000 Menschen evakuiert
Nachdem am 11. März 2011 ein Erdbeben der Stärke 9,0 und eine 40 Meter hohe Tsunami den Nordosten Japans trafen, war in mehreren Reaktoren des Kernkraftwerks Fukushima eine Kernschmelze eingetreten und es wurde massiv Radioaktivität freigesetzt. 150.000 Menschen wurden aus dem Umkreis von 20 Kilometern um das Atomkraftwerk sowie aus den Bereichen, die darüber hinaus stark von dem radioaktiven Fallout betroffen waren, evakuiert. „Nun stehen die nuklearen Flüchtlinge vor einem Dilemma: Wie viel Strahlung in ihren ehemaligen Häuser ist sicher?“, so das Fachmagazin „Science“.

Neun Millionen Kubikmeter kontaminierter Boden entfernt
Seit der Katastrophe haben die Behörden enorme Anstrengung unternommen, um die Außenstrahlenbelastung auf 0,23 Mikrosievert pro Stunde in den verstrahlten Bereichen zu reduzieren. Rund 9 Millionen Kubikmeter kontaminierter Boden wurden beseitigt, Gebäude und Straßen gespült, berichtet „Science“. Im September letzten Jahres habe die Regierung schließlich damit begonnen, innerhalb von 20 Kilometern um die Anlage die Evakuierung für sieben Gemeinden ganz oder teilweise aufzuheben. Angesichts des Voranschreitens der Arbeiten gehen die Behörden davon aus, dass insgesamt 70 Prozent der Evakuierten bis zum Frühjahr 2017 nach Hause zurückkehren können.

Rückkehrer fürchten um ihre Sicherheit
Zwar sind manche Evakuierte durchaus erfreut, in ihr altes Haus zurückzukehren. Doch bei vielen herrschen Zweifel bezüglich der Sicherheit und sie behaupten, dass die Regierung sie zwinge nach Hause zu gehen, obwohl die Strahlenbelastung noch zu hoch sei. Der Bürgermeister der betroffenen Gemeinde Minamisoma, Katsunobu Sakurai, erklärt in dem „Science“-Artikel, dass es für viele Menschen schwierig sei, „die Entscheidung zu treffen, zurückzukehren, ohne zu wissen, was diese Strahlung bedeutet und was sicher ist.“ Zudem beklagen einige Bürgergruppen, dass die nationale Regierung und die Tokyo Electric Power Company (TEPCO; Besitzer der Fukushima-Anlage), Pläne verfolgen, die Ausgleichszahlungen für diejenigen zu beenden, die sich entscheiden, nicht nach Hause zurückzukehren.

Belastetes Wasser ein wachsendes Problem
Erst kürzlich hatte der Betriebsleiter von TEPCO, Akira Ono, gegenüber der Presse erklärt, dass die Bedingungen im Werk „wirklich stabil“ seien und die Radioaktivität und Wärme aus dem Kernbrennstoff in den letzten fünf Jahren deutlich abgenommen habe. Aber die Ortung des Brennstoffs steht erst am Anfang. Die größte Herausforderung bleibt laut Ono derzeit allerdings verunreinigtes Wasser. Denn es werde kontinuierlich Kühlwasser über die geschmolzenen Kerne der Einheiten 1, 2 und 3 gegossen, um den Kraftstoff vor Überhitzung und einer erneuten Schmelzen zu bewahren. Dieses Wasser laufe in die Keller der Gebäude, wo es sich mit dem Grundwasser vermischt. Um die Menge des kontaminierten Wassers zu reduzieren, dass anschließend in den Ozean sickert, werde dies in 10 Meter hohen Stahltanks gespeichert, welche an fast jeder Ecke des Geländes stehen und rund 750.000 Tonnen Wasser enthalten. Aktuell werden durch die Regierung experimentelle Techniken zur Reinigung des Wassers geprüft. Ono betont, dass hier dringend eine Lösung erforderlich sei, da die Kapazitäten zum Auffangen des Wasser begrenzt bleiben. Während die Außenstrahlenbelastung allmählich zurückgeht, stellt die radioaktive Belastung des Grundwassers demnach ein wachsendes Problem dar. (fp)

Advertising