Gewalt im Wohnumfeld hat starken negativen Einfluss auf Heranwachsende

Alexander Stindt

Mediziner untersuchen Auswirkungen von Gewalt auf Sozialverhalten von Kindern

Kinder und Jugendliche werden beim Aufwachsen stark durch ihr soziales Umfeld geprägt. Nicht nur die eigene Familie, sondern auch die Nachbarschaft kann negativen Einfluss auf das Sozialverhalten der betroffenen Kinder haben. Forscher fanden jetzt heraus, dass gerade Gewalt in der Nachbarschaft einen starken negativen Einfluss auf das Sozialverhalten hat.

Gewalt in der Nachbarschaft wirkt negativ auf das Sozialverhalten von Kindern und Jugendlichen. Die Wissenschaftler der Universität Basel stellten bei ihrer Untersuchung fest, dass dieser negative Einfluss auch dann eintritt, wenn zuvor bei den Kindern keine Verhaltensauffälligkeiten diagnostiziert wurden. Die Experten veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in der englischsprachigen Fachzeitschrift „Frontiers of Behavioral Neuroscience“.

Wenn Kinder in ihrer Nachbarschaft viel mit Gewalt konfrontiert werden, steigt dadurch die Gefahr, Störungen des Sozialverhaltens zu entwickeln. (Bild: highwaystarz/fotolia.com)

Gewalt steht in Verbindung mit einem antisozialen Verhalten

Während der Untersuchung konnte von den Medizinern festgestellt werden, dass auch völlig gesunde Kinder und Jugendliche negativ durch Gewalt innerhalb ihrer Wohngegend beeinflusst werden. Das Forscherteam um Linda Kersten und Christina Stadler von der Universität Basel konnte nachweisen, dass eine erhöhte Gewalt in der Wohnumgebung von Kindern und Jugendlichen mit einem antisozialem Verhalten in Verbindung steht.

Viele Kinder leiden unter den Auswirkungen von Schlägereien

Bei erlebten Erfahrungen im Zusammenhang mit Gewalt handelte es sich bei Kindern und Jugendlichen hauptsächlich um selbst erlebte oder auch beobachtete Schlägereien. Des Weiteren wirken Verfolgungen oder Bedrohungen sich negativ auf die Psyche der betroffenen Heranwachsenden aus. Die Studienergebnisse der Untersuchung zeigen außerdem, dass eine die Verbindung zwischen erlebten Gewalterfahrungen und antisozialem Verhalten nicht alleine auf das örtliche Umfeld zurückzuführen ist. Es sei keine ausreichende Erklärung, dass solche sozial gestörten Jugendlichen überwiegend in Gegenden leben, in denen eine erhöhte Gewalt vorherrscht.

Experten untersuchten knapp 1.200 Kinder

Für ihre Studie untersuchten die Wissenschaftler aus Basel insgesamt 1.178 Kinder und Jugendliche. Die Teilnehmer waren zum Zeitpunkt der Untersuchung im Alter zwischen 9 und 18 Jahren. Die Probanden kamen dabei aus sieben verschiedenen Ländern in Europa. Bei 662 der an der Studie teilnehmenden Heranwachsenden konnte keine Störung des Sozialverhaltens diagnostiziert werden.

Gewalterfahrungen lösen einen wahren Teufelskreis aus

Die durch die Studie festgestellten Ergebnisse könnten in Zukunft bei der Entwicklung von Präventionsprogrammen helfen, um betroffene Kinder vor den negativen Auswirkungen auf die Psyche zu schützen. Gerade in Gegenden mit hohen Raten von Gewalt und Kriminalität seien solche Programme äußerst wichtig. Nur so kann der auftretende Teufelskreis von Gewalterfahrung und Gewalttätigkeit unterbrochen werden, erläutern die Autoren.

Auswirkungen von Störungen des Sozialverhaltens im späteren Leben

Auftretende Störungen des Sozialverhaltens sind laut der Studie die häufigsten Ursachen für eine Anmeldung in psychiatrischen Fachstellen für Kinder und Jugendliche. Betroffene Kinder leiden unter einem erhöhten Risiko für einen vorzeitigen Schulabbruch und schlechte spätere berufliche Integration. Solche Kinder und Jugendliche entwickeln im Laufe ihres Lebens auch häufiger psychische Erkrankungen oder sie werden kriminell, fügen die Wissenschaftler hinzu. (as)