Glühwein auf Weihnachtsmärkten oft schlecht

Alfred Domke

Glühwein-Qualität auf Weihnachtsmärkten teilweise mangelhaft

08.12.2013

Bei einem Preis von über drei Euro für eine Tasse Glühwein, sollte man eigentlich von einer guten Qualität ausgehen können. Dass dem nicht so ist, zeigen regelmäßige Glühweinkontrollen, wie sie in Berlin durchgeführt werden. Autofahrer sollten das Heißgetränk ohnehin besser meiden.

Schon bei der zweiten Tasse droht Führerscheinverlust
Schon ein Glas kann zu viel sein. Wie der Thüringer TÜV warnt, könne man bereits nach dem Genuss einer Tasse Glühwein 0,3 Promille im Blut haben. Mit diesem Wert besteht die Gefahr, um wegen Trunkenheit am Steuer angezeigt zu werden, zumindest wenn man in einen Unfall verwickelt wird oder Fahrfehler macht. Ab einem Wert von 0,5 Promille ist der Führerschein auch ohne Unfall für bis zu drei Monate weg, zudem werden eine Geldstrafe und Punkte fällig. Dieser Grenzwert kann bereits beim zweiten Glas erreicht werden. Bei Glühwein sei besonders tückisch, dass nie ganz klar ist, wie hoch der Alkoholgehalt wirklich ist.

Weinrecht legt Standards fest
Die EU hat in ihrem Weinrecht festgehalten, welchen Qualitätsstandards Glühwein entsprechen muss. So dürfe der Alkoholgehalt zwischen mindestens sieben und höchstens 14,5 Prozent liegen. Das Heißgetränk darf aus Rot- oder Weißwein hergestellt werden und Gewürze wie Zimt und Nelken enthalten. Grundsätzlich verboten ist es, Glühwein mit Wasser zu strecken oder ihn auf über 78 Grad zu erhitzen. Werden die jeweiligen Kriterien nicht eingehalten, dürfen die Getränke nur als „aromatisierte alkoholische Getränke“ verkauft werden, sonst drohen Strafen bis zu 1.000 Euro.

Rund 90 Prozent aus dem Großhandel
„Da kann man nicht meckern.“ Dieser bei Berlinern so beliebte Satz ist leider oft bei Glühwein nicht angebracht. Dies kann auch Peter Scheib immer wieder feststellen. Er ist Weinkontrolleur für verschiedene Bezirksämter in Berlin und kontrolliert jedes Jahr Glühweine auf Weihnachtsmärkten der Hauptstadt. „Teilweise bin ich froh, den Wein wieder ausspucken zu dürfen, so wie Chemikalien beim Zahnarzt“, sagte er dem Berliner Tagesspiegel. Rund 90 Prozent der auf den Märkten angebotenen Getränke stamme aus dem Großhandel. „Es gibt aber auch einige Winzer, die ausgezeichnete Produkte anbieten“, so Scheib.

Teilweise mangelhaft
Im letzten Jahr waren bei 11,5 Prozent seiner 52 Proben, die im Landeslabor Berlin-Brandenburg ausgewertet wurden, Qualität oder Kennzeichnung mangelhaft. Die häufigsten Fehler waren der zu geringe Alkoholgehalt sowie ein verkochter Geschmack. Scheib rät dazu, sich die Farbe des Glühweins anzusehen, denn wenn dieser einen bräunlichen Ton annimmt, sei der Wein bereits oxidiert. Dies geschieht, wenn das Getränk schon zu lange im Topf warm gehalten wird. Frischen Glühwein erkenne man an seiner schönen dunkelroten Farbe.

Stolzer Preis lohnt sich nur für selbstgemachten Glühwein
Der Weinkontrolleur empfiehlt zudem, sich beim Standbetreiber zu erkundigen, ob der angebotene Glühwein eine Fertigmischung aus dem Großhandel ist oder selbst gemacht wurde. Im Großhandel koste ein ganzer Liter Glühwein nur einen Euro. Daher lohne sich der stolze Preis von drei Euro bis 3,5 Euro pro Tasse eigentlich nur für selbst gemachten Glühwein. (ad)

Bild: Wolfgang Dirscherl / pixelio.de