Gonorrhoe: Horror-Tripper bei einem Patienten nicht mehr mit Antibiotikum heilbar

Alexander Stindt

Multiresistente Gonorrhoe-Infektion entdeckt

Anfang dieses Jahres wurde bei einem britischen Mann zu ersten Mal eine Gonorrhoe-Infektion mit einem sogenannten Supererreger festgestellt. Der Erreger mit der Bezeichnung Neisseria gonorrhoeae scheint nicht auf die reguläre Behandlung mit Antibiotika anzusprechen.

  • Brite infizierte sich in Asien mit Gonorrhoe.
  • Erkrankung reagiert nicht auf übliche Formen der Behandlung.
  • Dieser Fall von Gonorrhoe scheint resistent gegen alle Antibiotika zu sein.
  • Partnerin des Patienten wurde nicht infiziert.
  • Allgemeinmediziner müssen effektiver bei der Diagnose von Gonorrhoe werden.
  • Bei sexuellem Kontakt mit Unbekannten sollten sich Menschen immer schützen.

Die Wissenschaftler von Public Health England berichteten in einer aktuellen Mitteilung über einen britischen Mann, der sich im Urlaub mit der sexuellen Infektionskrankheit Gonorrhoe angesteckt hatte und mit einem Erreger infiziert wurde, welcher nicht durch Antibiotika behandelbar ist.

Ein Brite hat sich mit einem Stamm von Gonorrhoe infiziert, welcher scheinbar resistent gegen jegliche Form von Antibiotika ist. (Bild: tashatuvango/fotolia.com)

Brite infizierte sich in Südostasien mit Tripper

Bei seiner Reise durch Südostasien infizierte sich der Brite mit dem Erreger Neisseria gonorrhoeae. Der Mann hatte in Asien sexuellen Kontakt mit einer Frau, bei der er sich mit dem sogenannten Tripper (Gonorrhoe) ansteckte. Einen Monat später traten die ersten Symptome auf. Sexuelle Krankheiten, wie Tripper, sind leider recht weit verbreitet, warnen die Mediziner.

Bisher schlimmster Fall von Gonorrhoe?

Die Erkrankung wurde von Ärzten in Großbritannien festgestellt und die Experten waren zunächst unbesorgt, weil Tripper sich normalerweise einfach mit Antibiotika behandeln lässt. Gonorrhoe wird mit einer Kombination von Antibiotika (Azithromycin und Ceftriaxon) behandelt, aber in diesem Fall war eine solche Behandlung nicht erfolgreich, berichtet Public Health England. Daraus schlossen die Experten, dass es sich um einen besonders resistenten Fall von Gonorrhoe handeln müsse. Laut den Aussagen der Forscher handelt es sich bei diesem Fall zum ersten Mal um eine Gonorrhoe, welche nicht mit Antibiotika behandelt werden kann.

Partnerin hat sich scheinbar nicht infiziert

Natürlich hatte die Feststellung der Erkrankung in Großbritannien zur Folge, dass Menschen Angst vor der Verbreitung des Erregers bekamen – auch weil der infizierte Mann in seiner Heimat eine feste Partnerin hatte. Nach bisher bekannten Angaben ist die Frau aber nicht infiziert. Trotzdem gibt es derzeit noch fortlaufende Untersuchungen, welche siche genauer mit mit möglichen Übertragungen befassen.

Keine weiteren Möglichkeiten zur Behandlung?

Der erkrankte Mann wird zurzeit noch mit einer letzten Form von Antibiotika behandelt. Wenn dieses Medikament nicht wirken sollte, gibt es keine weitere Möglichkeit zur Behandlung, erläutern die Mediziner. Dies würde bedeuten, dass dem Patienten nicht geholfen werden kanm und ihm schlimmstenfalls lebensbedrohlichen Komplikationen wie eine Entzündung der Hirnhäute oder des Herzens drohen. Demnach gebe es bei Erkrankungen durch Gonorrhoe offenbar Fälle, welche durch herkömmliche Antibiotika nicht behandelbar sind und die ursächlichen multiresistenten Bakterienstämme könnten eine große Gefahr für die Menschheit darstellen, warnen die Forscher.

Gonorrhoe kann zu Unfruchtbarkeit führen

Die Gefahr ist besonders groß, weil Gonorrhoe eine der am häufigsten sexuell übertragbaren Erkrankungen ist. Diese Krankheit wird beim sexuellen Kontakt von Mensch zu Mensch übertragen. Die Erreger der Erkrankung – sogenannte Gonokokken (Neisseria gonorrhoeae) – wirken sich dann auf die Schleimhäute der Harnwege und der Geschlechtsorgane aus. Besonders schlimm ist bei einer solchen Erkrankung, dass sich viele Menschen ihre Krankheit nicht bewusst sind. Dies liegt daran, dass bei Erkrankten auftretende Beschwerden nicht immer bemerkt werden. So geben Betroffene die Erkrankung unbemerkt an ihre Sexualpartner weiter. Wenn die Krankheit nicht diagnostiziert und behandelt wird, kann dies zu Unfruchtbarkeit, Entzündungen des Unterleibes und weiteren Komplikationen führen.

Manche Ärzte haben Probleme, Gonorrhoe zu diagnostizieren

Ein weiteres Problem bei Gonorrhoe ist, dass auch manche Allgemeinmediziner die Krankheit nicht eindeutig erkennen. So kann es vorkommen, dass die Erkrankung – trotz Arztbesuch – nicht behandelt wird. Das Bewusstsein von Medizinern für eine verbesserte Diagnose der Erkrankung muss geschärft werden, sagen die Experten. Nur so können dann entsprechende Untersuchungen und Behandlungen für die Krankheit eingeleitet werden. Der Schlüssel sei es, diese Erkrankung frühzeitig zu erkennen, um zu verhindern, dass sie sich weiter ausbreiten kann.

Menschen sollten sich besser schützen

Um die unangenehme Erkrankung zu vermeiden, sollten sich Menschen bei sexuellem Kontakt schützen. Nach einem ungeschützten Kontakt sollten sich Betroffene unbedingt untersuchen lassen und bis zu dieser Untersuchung ist sexueller Kontakt zu vermeiden, raten die Mediziner. Der infizierte Mann in Großbritannien werde derzeit mit verschiedenen Medikamenten behandeln und im nächsten Monat werde dann klar sein, ob diese Behandlung erfolgreich war. In der Zwischenzeit sei ein Team aus Experten eingerichtet worden, um die Untersuchung zu koordinieren und die potenzielle Ausbreitung der Krankheit zu begrenzen.

Wie sollte bei Gonorrhoe verfahren werden?

Dies ist das erste Mal, dass ein Fall solch hoher Resistenz gegen die beiden üblichen Medikamente und gegen die meisten anderen gängigen Antibiotika zeigt, erläutern die Wissenschaftler. Die Gesundheitsdienste in Großbritannien empfehlen, dass Allgemeinmediziner vorsichtshalber alle Verdachtsfälle von Gonorrhoe an die nationalen Gesundheitsdienste weiterleiten sollten, damit die Krankheitsfälle angemessen behandelt werden können. Wenn Menschen von der Erkrankung betroffen sind, sollten sie unbedingt sorgfältig überwacht werden. Außerdem sollten der Partner des Erkrankten benachrichtigt werden, fordern die Experten. (as)