Großer Durchbruch bei der Prostatakrebs-Diagnose

Alexander Stindt

Wird Prostatakrebs in Zukunft effektiver zu behandeln sein?

Prostatakrebs ist eine Erkrankung, welche leider viele Männer auf der ganzen Welt betrifft. Forscher entwickelten jetzt eine erfolgreichere Form der Diagnose und Behandlung bei Prostatakrebs, welche in Zukunft Millionen Menschen das Leben retten könnte.


Die Wissenschaftler der Dundee University stellten bei ihrer aktuellen Untersuchung fest, dass neue bildgebende Verfahren eine höhere Genauigkeit und Zuverlässigkeit bei der Diagnose von Prostatakrebs haben. Dies könnte in Zukunft zu einer verbesserten Behandlung der Erkrankung führen. Die Mediziner veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in der englischsprachigen Fachzeitschrift „Journal of Urology“.

Prostatakrebs führt jedes Jahr zum Tod vieler Männer. Eine neuartige Form der Diagnose könnte bewirken, dass die Identifizierung von Prostatakrebs wesentlich effektiver wird. (Bild: Korta/fotolia.com)

Was ist Prostatakrebs?

Prostatakrebs ist eine bösartige Tumorerkrankung, welche zum Tod von vielen Betroffenen weltweit führt. Auch in Deutschland sterben etwa drei von hundert Männern an der Erkrankung. Bei Männern mit Krebs, führt diese Krebserkrankung zu etwa zehn Prozent aller Todesfälle. Damit ist Prostatakrebs die dritthäufigste tödliche Krebserkrankung bei Männern.

Neue Methode ist viel genauer

Durch einen Ultraschall-Prozess mit der Bezeichnung Scherwellen-Elastographie kann eine viel größere Genauigkeit und Zuverlässigkeit bei der Diagnose von Prostatakrebs erreicht werden. Diese Methode ist nicht-invasiv und kostengünstiger als die derzeit verwendete Methode. Die momentanen Diagnose- und Behandlungsmethoden für Prostatakrebs sind noch erheblich fehlerhaft, sagen die Wissenschaftler. Die am häufigsten verwendeten Tests für Prostatakrebs umfassen einen sogenannten PSA-Bluttest, eine körperliche Untersuchung der Prostata (bekannt als digitale rektale Untersuchung), MRT-Scans und eine Biopsie.

Probleme bisheriger Behandlungen

Jede diese Formen bringt erhebliche Probleme mit sich. Der PSA-Test wird nicht als Standardbehandlung angeboten und die Ergebnisse können unzuverlässig sein, erklären die Mediziner. Eine digitale rektale Untersuchung kann nicht zuverlässig feststellen, ob ein Geschwür gutartig ist und welche Form der Behandlung benötigt wird. MRT-Scans sind nicht überall verfügbar und können nicht immer eine definitive Antwort geben. Die Biopsie ist invasiv, birgt ein Infektionsrisiko und ist teuer, fügen die Experten hinzu.

Derzeitige Diagnose von Prostatakrebs ist extrem ineffizient

Prostatakrebs ist eine der am schwierigsten zu lokalisierenden Krebserkrankungen. „Wir sind immer noch in einer Position, in der die Diagnose von Prostatakrebs extrem ineffizient ist, was zu unnötigen Behandlungen für viele Patienten führt“, erklärt Studienautor Professor Ghulam Nabi von der Dundee University in einer Pressemitteilung. „Die neue Methode, die wir entwickelt haben, zeigt, dass wir ein viel höheres Niveau der Diagnose erreichen können, einschließlich der Identifizierung des Unterschieds zwischen krebsartigem und gutartigem Gewebe ohne invasive Chirurgie“, fügt der Experte hinzu.

Früherkennung und Diagnose sind entscheidend

Eine frühzeitige Diagnose ist der entscheidende Schlüssel für ein erfolgreiches Endergebnis der Therapie. Die Nachricht von dem aktuelln Durchbruch kommt hier gerade recht – zu einer Zeit, in der Prostatakrebs ohnehin vermehrt in den Vordergrund des öffentlichen Bewusstseins gerückt wird, nicht zuletzt wegen des beunruhigenden Aufwärtstrends seiner Prävalenz.

Ultraschall ist genauer

Bei der neu entwickelten Methode wird die Prostata mit Ultraschall untersucht. Krebsgewebe ist steifer als normales Gewebe und wenn die Scherwellen das Krebsgewebe durchdringen, werden sie langsamer, sagen die Mediziner. Dieser Effekt kann gemessen und dazu verwendet werden, Bilder des Krebsbereichs zu entwickeln, mit einer Definition und Genauigkeit, die andere Scan-Methoden wie beispielsweise eine Magnetresonanztomographie (MRT) übertrifft.

Untersuchung identifizierte 89 Prozent der Krebserkrankungen

Die Technologie war in der Lage, 89 Prozent der Prostatakrebserkrankungen zu erkennen, kann aggressivere Krebserkrankungen identifizieren und auch solche, welche sich außerhalb der Prostata ausbreiten. „Es ist, als ob jemand in einem abgedunkelten Raum das Licht angemacht hat. Wir können jetzt mit größerer Genauigkeit sehen, welches Gewebe krebsartig ist, wo es ist und welches Behandlungsniveau es benötigt“, erklärt der Experte.

Weitere Forschung ist nötig

Dies ist ein bedeutender Fortschritt bei der Erkennung und Behandlung von Prostatakrebs. Die Untersuchung umfasste etwa 200 Patienten. Weitere Forschung ist nun nötig, um zusätzliche Informationen zu erlangen. Aber die neue Methode habe eindeutig das Potenzial, die Art, wie Prostatakrebs behandelt wird, grundlegend zu verändern, fügen die Mediziner hinzu. (as)