Gruselfotos sollen das Rauchen abgewöhnen

Astrid Goldmayer

Gruselfotos sollen Australiern das Rauchen abgewöhnen

30.05.2012

Australien will die weltweit strengsten Gesetze gegen Zigarettenwerbung einführen. Gruselfotos von beispielsweise faulen Zähnen, eitrigen Geschwüren und schwarzen Raucherlungen sollen möglichst jedem Australier die Lust auf den Glimmstängel vermiesen. Nun wehrt sich die Tabakindustrie gegen die Pläne der australischen Regierung.

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Zukünftig soll es in Australien keine herkömmlichen Verpackungen für Zigaretten mehr geben. Unabhängig von der Marke werden ab dem ersten Dezember einheitliche unappetitlich braun-grünlichen Schachteln mit abschreckende Bildern von beispielsweise Krebsgeschwüren und Raucherbeinen sowie Todeswarnungen verkauft. Nur ganz klein darunter darf der Markenname erscheinen. Damit will Australien die strengsten Gesetze gegen Tabakwerbung weltweit einsetzen. Dagegen klagen jetzt die Tabakkonzerne vor dem höchsten Gericht in Canberra.

Sollte das Werbeverbot für Tabak nach Einschätzung der Richter rechtmäßig sein und umgesetzt werden, planen auch andere Länder wie Neuseeland und Großbritannien die Einführung solch strikter Gesetze. „Die Welt blickt nach Australien", berichtete Margaret Chan, Chefin der Weltgesundheitsorganisation (WHO), beim Welttabakkongress im März in Singapur. „Wenn wir Schulter an Schulter stehen, kann keine Tabakindustrie überleben." Beim diesjährigen Weltnichtrauchertag, der alljährlich am 31. Mai statt findet und von der WHO ins Leben gerufen wurde, sollen die Tabakindustrie und ihre Machenschaften im Fokus stehen.

Durch die strenge Anti-Raucher-Politik wurden in Australien große Erfolge erzielt. Während in Deutschland nach Angaben des aktuellen Drogen – und Suchtberichts der Bundesregierung sowie des Statistischen Bundesamtes (2009) 30,5 Prozent der Männer und 21,2 Prozent der Frauen rauchen, waren es in Australien im Jahr 2010 nur 16 Prozent der Männer und 14 Prozent der Frauen. 1977 lag die Raucherquote noch bei 43 Prozent der Männer und 29 Prozent der Frauen.

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Die australische Regierung geht noch einen Schritt weiter. Ab Juli werden die zollfreien Einfuhrmengen drastisch reduziert. Während derzeit noch 250 Zigaretten zollfrei eingeführt werden dürfen, sollen es zukünftig nur noch 50 sein.

Trotz der strikten Anti-Raucher-Politik denkt nicht jeder Australier ans Aufhören. Tony Donovan aus Sidney will sich die Freude am Rauchen nicht verderben lassen: „Ich bin seit fast 30 Jahren Raucher und kann mir wirklich nicht vorstellen, aufgrund einer Gesetzesänderung etwas daran zu ändern. Natürlich weiß jedes Kind, dass Rauchen der Gesundheit schadet, dennoch muss jeder selbst entscheiden, ob er weiterhin raucht oder eben nicht.“ Die Kosten könnten jedoch ein gutes Argument sein, um das Rauchen aufzugeben, so Donovan. „Eine Schachtel kostet schlappe 20 Dollar.“ Donovans Frau Elise hat sich bereits vor eineinhalb Jahre vom Glimmstängel verabschiedet: „Nach unzähligen erfolglosen Versuchen habe ich Hypnose zum Rauchentwöhnung ausprobiert. Das hat mir letztlich geholfen.“

Tabakkonzerne befürchten enorme Gewinneinbrüche durch die neuen Verpackungsvorschriften. David Crow, Chef von British American Tobacco (BAT) in Australien, ist empört und führt ein weiteres Argument an: „Wenn alles gleich aussieht, können Firmen wie meine nur noch über den Preis Wettbewerb machen. Dann werden Zigaretten billiger. Dann wird mehr konsumiert, mehr Kinder rauchen." Zudem sieht Crow keinen zuverlässigen Beleg dafür, dass unattraktive Zigarettenschachtel potentielle Raucher abschrecken würden. Auch der Tabakkonzern Philip Morris sieht einheitliche Verpackungen kritisch, da dieser leichter zu fälschen seien: „Gefälschte Zigaretten können Rattenkot, Glasfaser und höhere Konzentrationen giftiger Chemikalien enthalten."

Letztlich berufen sich die Tabakkonzerne jedoch auf die Markenrechte. Japan Tobacco International (JTI) erklärt dazu: „Neutrale Verpackungen erlauben es uns nicht mehr, unsere Marke zu nutzen, und das ist als Konsumgüterhersteller unser wertvollstes Gut.“ „Das halten wir für eine Enteignung, die gegen die Verfassung verstößt", so JTI weiter. Bislang wurde noch kein Urteil gesprochen. Im April betonte der Pressesprecher von BAT, Scott McIntyre, bei der Anhörung: „Als legales Unternehmen, das ein legales Produkt verkauft, werden wir unser Eigentum im Namen der Aktionäre verteidigen." (ag)