Hanf-Studien: Zweifel an der These, dass Kiffen den IQ mindert

Neue Untersuchung erhebt Zweifel an bestehender These. Bild: juniart - fotolia
Sebastian
Neue Erkenntnisse: Macht Kiffen wirklich dumm?
Der Konsum von Marihuana macht dumm, das Gehirn schrumpft durch Kiffen: Darauf haben Untersuchungen in den vergangenen Jahren hingedeutet. Andere Studien – auch eine ganz aktuelle – halten jedoch dagegen. Die Intelligenz leidet demnach unter etwas anderem, das vermutlich auch zum Kiffen verführt.
Befürworter und Gegner
Die Frage, ob man Hanf frei geben soll oder lieber nicht, wird seit Jahren teils erbittert geführt. Für Konservative geht es dabei unter anderem darum, dass der Konsum zu anderen Drogen verleiten könnte. Fortschrittlichere Menschen heben gerne die positiven Wirkungen von Marihuana für die Gesundheit hervor. Wissenschaftlich belegt ist dessen Wirksamkeit unter anderem bei Übelkeit und Erbrechen. Und erst kürzlich wurde in einer Studie bestätigt, dass Cannabis hilfreich gegen Migräne ist. Ein weiterer Punkt den Kritiker oft anführen, ist, dass der Konsum von Marihuana Teenager dumm machen soll. Allerdings streiten Wissenschaftler seit langem über diese These. Eine aktuelle Untersuchung hält nun dagegen. Die Intelligenz leidet demnach unter etwas anderem – und verführt wohl auch zum Kiffen.

Neue Untersuchung erhebt Zweifel an bestehender These. Bild: juniart - fotolia
Neue Untersuchung erhebt Zweifel an bestehender These. Bild: juniart – fotolia

Zweifel an einer länger bestehenden These
Bei Jugendlichen steckt das Gehirn noch in seiner Findungsphase. Daher nehmen viele an, dass man seine Intelligenz gefährdet, wenn man in diesen jungen Jahren schon kifft. Wie „Spiegel Online“ berichtet, nährt eine neue Analyse jetzt Zweifel an dieser These. Demnach glauben Forscher von der Loyola Maymouth University in Los Angeles, dass das Rauchen von Marihuana nur ein Symptom des Faktors sei, der auch die Intelligenz schwinden lasse. Mit dem Drogenkonsum direkt habe der Intelligenzverlust jedoch nichts zu tun.

Verschiedene Faktoren haben Einfluss auf die Intelligenz
Frühere Untersuchungen, die einen Zusammenhang zwischen IQ und einem hohen Cannabiskonsum in der Jugend hergestellt hatten, wiesen eine grundlegende Schwäche auf: Die Analysen stützten sich auf Beobachtungen im echten Leben. Dabei kann man aber nicht differenzieren, ob es das Kiffen ist, das auf die Intelligenz einwirkt. Vielmehr könnten auch andere Faktoren wie Umwelt oder Gene eine wichtige Rolle spielen. Bei Zwillingsstudien reduziert sich das Risiko solcher Verzerrungen. Das machten sich die Wissenschaftler aus den USA zunutze. Ihre aktuelle Analyse basiert auf zwei Zwillingsstudien mit insgesamt mehr als 3.000 Teilnehmern. Wie die Forscher in der Fachzeitschrift „PNAS“ berichten, hatten alle Studienteilnehmer im Alter von neun bis zwölf ein erstes Mal eine Reihe an Intelligenztests absolviert. Keiner von ihnen hatte zu diesem Zeitpunkt Cannabis konsumiert. Im Alter von 17 bis 20 wurden die Tests wiederholt.

Keine Unterschiede zwischen Kiffern und Abstinenzlern
Anhand dieser Daten wurde analysiert, bei welchen Probanden sich die Leistungen über die Zeit verschlechtert hatten und ob es einen Zusammenhang mit ihrem Cannabiskonsum gab. Bei den meisten Tests zeigten sich keine Unterschiede zwischen Kiffern und Abstinenzlern. Lediglich bei Übungen zum Vokabular und Allgemeinwissen schnitten die Marihuana-Raucher schlechter ab. Eine weitere Erkenntnis: Zwischen Menschen die wenig Cannabis konsumierten und denen die sehr viel kifften, fanden sie nur minimale Unterschiede.

Untersuchungen mit Zwillingspaaren
In einem weiteren Schritt legten die Forscher ihren Fokus auf die Zwillingspaare, bei denen der eine kiffte und der andere nicht. Diese Personen eignen sich für einen Vergleich besonders gut, da sie meist im selben Umfeld aufgewachsen sind. 137 dieser 290 Zwillingspärchen waren den Angaben zufolge sogar eineiig. Auch hier zeigte sich, dass es kaum Unterschiede zwischen den Geschwistern gab. Joshua Isen, Psychologe an der Loyola Maymouth University in Los Angeles, folgert aus den Ergebnissen, dass ein Teenager mit einem hohen Risiko zu kiffen, einen IQ-Rückgang wahrscheinlich unabhängig davon erlebe, ob er tatsächlich mit dem Konsum anfange. Unklar sei aber, was die beiden Faktoren miteinander verbinde. Darüber hinaus müsse beachtet werden, dass die Arbeit nichts über andere schädliche Folgen des Kiffens im Teenageralter aussage. (ad)

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