Heroinabgabe wird von Krankenkassen übernommen

Heilpraxisnet

Krankenkassen übernehmen Kosten bei der kontrollierten Heroin-Abgabe für Schwerstabhängige Patienten.

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) beschloss, dass künftig die gesetzlichen Krankenkassen für die Diamorphin-Behandlung von Schwerstabhängigen aufkommen müssen. Die Diamorphin-Therapie ist die kontrollierte Abgabe von Heroin an Schwerstabhängige Drogensüchtige. Diamorphin ist ein künstlich hergestelltes Heroin. Eine Heroin (Diamorphin) Therapie kommt allerdings erst dann in Frage, wenn konventionelle Therapien wie beispielsweise die Methadon-Abgabe nicht zum gewünschten Therapieziel führten. Zudem müssen die Patienten mindestens fünf Jahre von Heroin abhängig sein, zwei erfolglose Drogen-Therapien absolviert, sowie das 23. Lebensjahr vollendet haben. Im Verlauf der Diamorphin-Behandlung ist eine psycho-soziale therapeutische Begleitung von mindestens sechs Monaten vorgeschrieben.

Bisher wurde Diamorphin nur mit einer strikten Ausnahmegenehmigung in Drogenambulanzen an schwerstabhängige Patienten verabreicht, die Teil eines bundesweiten Modellprojekts waren. Das Projekt wurde offiziell im Jahre 2006 eingestellt. Da die Therapie sich jedoch als sehr erfolgreich heraus stellte, haben sechs Großstädte das Projekt weiter fortgeführt. Die Kosten wurden bislang in den Städten durch die Kommunen beglichen. Nach einer jahrelangen politischen Kontroverse kann nun endlich die kontrollierte Abgabe von Heroin an Schwerst-abhängige statt finden.

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In den Niederlanden wird bereits seit dem Jahr 2005 kontrolliert Heroin an Drogensüchtige Patienten abgegeben. Laut einer Einschätzungen von Epidemiologen im britischen Ärzteblatt (BMJ 2005; 330: 1297-1302) hat die kontrollierte Abgabe von Heroin in den Niederlanden beispielsweise auch zu einem Rückgang der Straffälligkeit von Drogenabhängigen geführt. Laut Angaben des Bundesgesundheitsministeriums sind in Deutschland rund 150.000 Menschen an einer schweren Drogensucht erkrankt. Etwa die Hälfte der Patienten werden mit der Ersatz-Droge Methadon therapiert. Bei rund 1000 Patienten schlägt die Methadon-Therapie allerdings nicht an, da die Drogensucht ein schweres Krankheitsstadium bereits überschritten hat. Die kontrollierte Abgabe von Heroin ist für die Betroffenen mitunter die einzige Möglichkeit zu überleben. Im Jahre 2008 verstarben 1449 Menschen in Deutschland an einer Drogensucht. (sb, 19.03.2010)

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