Herz-Kreislauf-System: Lebensgefährliche Herzkrankheiten bereiten kaum Schmerzen

Sebastian
Starkes Organ mit Schwachstellen: Das Herz
Zu den häufigsten Todesursachen gehören Erkrankungen des Herzens. Obwohl unsere Herzen sehr leistungsstark sind, haben sie auch ihre schwachen Stellen. Oft bemerken Patienten nicht, wenn das Herz nach und nach seine Aufgaben vernachlässigt. Viele Erkrankungen, die dem Herz schaden können, tun nicht weh. Auch erste Symptome weisen vielmals nicht gleich auf ein Herzleiden hin.

Die größten Killer tun nicht weh
Das menschliche Herz verbringt enorme Leistungen. Selbst im Ruhezustand werden durch das Organ circa fünf Liter Blut pro Minute in den Kreislauf gepumpt. Bei Belastung steigt die Leistung auf ein Vielfaches. Problematisch ist, dass die größten Killer für das Herz nicht weh tun und sich lange kaum bemerkbar machen. Dazu gehören Bluthochdruck, die sogenannte Zuckerkrankheit (Diabetes) und Störungen des Fettstoffwechsels. Zudem sind Tabakrauch, starkes Übergewicht (Adipositas) sowie mangelnde Bewegung sehr schädlich.

Wenn Personen in ihrem Umfeld bewusstlos werden, könnte ein akuter Herzinfarkt vorliegen. (Bild: M.Dörr & M.Frommherz/fotolia.com)

Risiken für Herzkrankheiten mindern
Den Angaben zufolge sterben in Deutschland noch immer über 342.000 Menschen pro Jahr an Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Um vorzubeugen, sollte man beim Hausarzt öfter mal Blutzucker, Cholesterinwerte sowie Blutdruck messen und gegebenenfalls behandeln lassen. Sinnvoll ist auf jeden Fall, das Rauchen aufzugeben und sich viel und regelmäßig zu bewegen. Übergewicht beziehungsweise Adipositas sollte vermieden werden.

Wichtig ist auch eine gesunde, ausgewogene Ernährung. So zeigten Untersuchungen beispielsweise, dass vegetarische oder mediterrane Ernährung vor Herzkrankheiten schützen kann und erst kürzlich haben Wissenschaftler aus den USA und Singapur in einer Studie festgestellt, dass auch Kaffee gut fürs Herz sein kann.

Mehr zum Thema:

Dicker Herzmuskel ist nicht stärker
Die Herzklappen haben die Aufgabe von Ventilen und verhindern, dass das Blut im oder ins Herz zurück strömt. Insbesondere Ablagerungen, Infekte, jedoch auch angeborene Fehlbildungen können dazu führen, dass sie nicht richtig funktionieren. Wenn die Klappe verengt ist, dann pumpt das Herz ständig gegen einen erhöhten Widerstand an und das kostet Kraft. Wenn sich der Betroffene anstrengt, kann er plötzlich bewusstlos werden. „Das ist ein Alarmzeichen!“, erklärte der Herzexperte Prof. Ulrich Pohl, der das Walter Brendel Zentrum für experimentelle Medizin am Campus Großhadern in München leitet. Zudem verdickt sich der Herzmuskel durch die permanente Anstrengung. Das heißt aber nicht, dass er immer stärker wird. Das Gegenteil ist der Fall: „Das Bindegewebe der Muskeln weicht schließlich auseinander“, so Pohl. Häufig steht am Ende eine Herzschwäche. Wenn man das Problem aber rechtzeitig erkennt, kann man kaputte Klappen heutzutage jedoch oft behandeln, beispielsweise durch eine künstliche Herzklappe.

Ablagerungen können Arterien verengen
Das Organ wird vor allem über die Herzkranzgefäße, auch Koronararterien genannt, versorgt. Diese umgeben den Herzmuskel wie ein Kranz. Oft bilden sich in ihnen mit den Jahren Ablagerungen (Plaques), die die Arterien immer mehr verengen können. Dies bemerken Betroffene vor allem wenn sie sich anstrengen. Dann schlägt das Herz schneller und braucht mehr Energie. Die verengten Gefäße lassen aber nicht mehr genug Blut durch. Daher sind die Patienten häufig müde und schon nach wenigen Schritten geht ihnen die Luft aus. „Oder im Winter – beim Schneeschaufeln“, erläuterte Pohl. Denn Kälte macht dem Herzen zusätzlich zu schaffen. Oft ist dann ein Engegefühl in der Brust zu spüren, wobei man von Angina Pectoris spricht.

Therapiert werden kann diese Herzenge mit verschiedenen Medikamenten. Einzelne Engstellen lassen sich mit Gefäßprothesen (Stents), die per Katheter eingeführt werden, offen halten. Durch einen Bypass, eine Umleitung über ein eingepflanztes Blutgefäß, kann man längere Engstellen behandeln.

Herzmuskel aus dem Takt
Wenn eine der Kraftstoffleitungen des Herzens verstopft ist, besteht Lebensgefahr. Dies ist bei einem Herzinfarkt der Fall. Dazu kommt es meistens, wenn eine Ablagerung in einem Herzkranzgefäß, ein Plaque, einreißt. Dann gerinnt das Blut und ein Pfropf bildet sich. Dadurch erhält der Bereich, der von dem betroffenen Gefäß versorgt wird, keinen Sauerstoff und keine Nährstoffe mehr. Wenn der Blutfluss zu lange unterbrochen ist, beginnt der Muskel abzusterben. Nach einem Infarkt bildet sich eine Narbe im Herzen, welche eine Herzschwäche zur Folge haben kann. Allerdings ist die unmittelbare Todesursache oft eine andere: Beim Infarkt kommt der Herzmuskel aus dem Takt und es kommt zu einem unregelmäßigen Zittern.

Wenn es die Herzkammern betrifft, ist dies gefährlich und Patienten sterben ohne schnelle Hilfe am Kammerflimmern. „Ein Defibrillator kann das verhindern“, erklärte Pohl. Heutzutage findet sich ein solcher sogar an vielen U-Bahn-Stellen. Wenn jemand zusammen bricht, sollte man nicht zögern, ihn einzusetzen. „Man kann dabei nichts falsch machen“, so Pohl. Der sogenannte „Defi“ sendet nur einen Stromstoß, wenn es nötig ist.

Manche Menschen bemerken Vorhofflimmern nicht
Doch nicht nur ein Herzinfarkt bringt das Herz aus dem Takt. Weniger gefährlich als das Kammerflimmern ist es, wenn die Vorhöfe des Herzens aus dem Rhythmus kommen. Manche Menschen die unter Vorhofflimmern leiden, bemerken nichts davon. Doch auch diese Herzrhythmusstörung birgt eine Gefahr: Im Vorhof des Herzens bilden sich häufig Gerinnsel, die dann mit dem Blutstrom verschleppt werden. Diese können in einem Gehirngefäß stecken bleiben und zu einem Schlaganfall führen. Daher ist auch bei Vorhofflimmern unbedingt ärztliche Hilfe gefragt. Verengte Herzkranzgefäße, eine Entzündung des Herzmuskels oder ein überstandener Herzinfarkt können überdies dazu führen, dass das Herz aus dem Takt gerät. Dann kann ein Herzschrittmacher dem Herzen durch elektrische Signale den Takt vorgeben oder Blockaden in der elektrischen Erregungsausbreitung überwinden. (sb)