Herzinsuffizienz: Moderates Training auch bei Herzschwäche ist gesund

Alfred Domke
3.000 Schritte in 30 Minuten: Körperliches Training für Patienten mit Herzschwäche
Die Herzmuskelschwäche (Herzinsuffizienz) ist eine der häufigsten Krankheiten mit Todesfolge. Betroffenen wurde bislang meist geraten, jegliche körperliche Anstrengung zu vermeiden. Doch Forscher berichten nun, dass moderates Training gesundheitliche Vorteile für die Patienten bringen kann.

Eine der häufigsten Erkrankungen mit Todesfolge
Die Herzmuskelschwäche (Herzinsuffizienz) betrifft weltweit mehr als 20 Millionen Menschen und ist auch in Deutschland eine der häufigsten Krankheiten mit Todesfolge. Als Folge dieser Erkrankung ist das Herz nicht mehr in der Lage, den Körper ausreichend mit Blut und Sauerstoff zu versorgen. Bislang wurde angenommen, dass körperliches Training zu einer schädigenden Erweiterung der Herzkammer bei Herzinsuffizienz führt. Deutsche und norwegische Wissenschaftler widerlegen diese bisherige Annahme und geben Empfehlungen, wie ein Training bei Personen mit Herzschwäche aussehen sollte.

Menschen mit einer Herzmuskelschwäche wurde körperliches Training lange strikt verboten, da befürchtet wurde, dass sich dadurch die Pumpfunktion des Herzens weiter verschlechtert. Forscher berichten nun aber, dass moderates Training bei Herzschwäche hilft. (Bild: Robert Kneschke/fotolia.com)

Patienten wurde lange von körperlicher Anstrengung abgeraten
In den vergangenen Jahren wurde immer wieder über neue Ansätze zur Behandlung von Herzschwäche berichtet.

So stellten etwa Wissenschaftler der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) fest, dass manchen Patienten mehr Eisen helfen könnte, da es das Herz belastbarer macht.

Von körperlicher Anstrengung wurde Betroffenen bislang abgeraten. Doch Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Technischen Universität München (TUM) und der Technisch-Naturwissenschaftlichen Universität im norwegischen Trondheim (NTNU) berichten nun, dass betreutes Training bei Herzschwäche hilft.

Medikamentöse Therapie stand bislang im Vordergrund
„Für Herzinsuffizienz stand bisher die medikamentöse Therapie im Vordergrund. Ergänzt wurde dies durch einen Herzschrittmacher, der die Kontraktion des Herzmuskels optimiert und einen Defibrillator – beides soll einen plötzlichen Herztod durch Herzrhythmusstörungen verhindern“, erklärte Professor Martin Halle vom Lehrstuhl für Präventive und Rehabilitative Sportmedizin der TU München in einer Mitteilung.

Laut den Experten wurde Erkrankten körperliches Training lange strikt verboten, da befürchtet wurde, dass sich dadurch die Pumpfunktion des Herzens weiter verschlechtert.

Doch in den vergangenen Jahren haben wissenschaftliche Untersuchungen gezeigt, dass ergänzendes körperliches Training belastbarer macht und weitere Klinikaufenthalte wegen sich verschlechternden Symptomen reduziert.

Prognose von Erkrankten wurde deutlich verbessert
Für eine Studie, die nun im Fachjournal „Circulation“ der American Heart Association veröffentlicht wurde, untersuchten Mediziner in neun europäischen Zentren, welche Trainingsform sich wie auf ein geschädigtes Herz auswirkt.

„Wir belegen mit dieser Studie, wie eine moderate Sporttherapie die Prognose von Erkrankten deutlich verbessert“, so das Fazit von Halle.

Für die Untersuchung wurden im Zeitraum von 2009 bis 2014 insgesamt 261 Patientinnen und Patienten mit Herzinsuffizienz in drei Gruppen eingeteilt und durchliefen 52 Wochen lang verschiedene Trainingseinheiten.

Zunächst wurde mit allen drei Gruppen über drei Monate ein von Medizinern betreutes Training durchgeführt und zusätzlich eine Empfehlung zur Fortführung der Intervention für weitere neun Monate gegeben.

Verbesserung der Pumpfunktion
Es zeigte sich, dass Patienten, die zwölf Wochen lang an einem überwachten moderaten Training teilnahmen, im Vergleich zu denjenigen, die alleine trainierten, die besseren Effekte erzielten.

„Wir konnten eine Verkleinerung der linken Herzkammer und damit eine Verbesserung der Pumpfunktion beobachten“, erklärte Halle. „Und es verbesserte sich ihre allgemeine körperliche Verfassung.“

Den Angaben zufolge konnte die Studie keine signifikanten Unterschiede feststellen zwischen einem Intervalltraining bei hoher Intensität oder einem regelmäßigem Standardtraining bei moderater Intensität.

„Insgesamt unterstreicht diese neue Studie, wie sehr ein regelmäßiges körperliches Training bei moderater Intensität allen Patienten mit systolischer Herzinsuffizienz zu empfehlen ist“, fasste Halle zusammen – „von höheren Intensitäten würde ich persönlich jedoch abraten bis wir mehr darüber wissen und auf Langzeitzahlen zurückgreifen können.“

3.000 Schritte in 30 Minuten
Der Mediziner hat in der Meldung einen konkreten Tipp parat: „Moderates Training bedeutet rund hundert Schritte pro Minute oder 3.000 Schritte in 30 Minuten.“

Die Experten listen auch die Vorteile einer Sporttherapie für Herzpatienten auf: Das Herz wird entlastet und durch eine verbesserte Herzmuskel-Funktion gestärkt. Neue Blutgefäße werden gebildet und bestehende erweitert. Der Blutdruck erhöht sich und Blutfettwerte werden gesenkt.

Die Sauerstoffaufnahme aus dem Blut verbessert sich. Das Risiko für herz- und gefäßbedingte Notlagen wie Herzinfarkt und Schlaganfall sinkt. Die Belastbarkeit und Leistungsfähigkeit wird gesteigert. (ad)