Herzmediziner: Hohe Minustemperaturen können einen Herzinfarkt auslösen

Alfred Domke
Gefährliche Zusatzbelastung: Niedrige Temperaturen können Herzanfall auslösen
Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass kaltes Wetter der Gesundheit mehr schadet als heißes. Die derzeitigen Minusgrade bergen vor allem für Menschen mit einem kranken Herzen eine besondere Gefahr – bis hin zum Herzanfall.

Erhöhte Gesundheitsgefahren bei Kälte
Dass niedrige Temperaturen eine Gefahr für die Gesundheit darstellen können, ist schon lange bekannt. So verweisen Experten unter anderem auf eine erhöhte Schlaganfallgefahr bei Kälte. Die Deutsche Herzstiftung warnt in einer aktuellen Mitteilung vor Überanstrengung bei starker Kälte. Vor allem für Herzpatienten besteht eine Gesundheitsgefahr – etwa beim Schneeschaufeln.

Niedrige Temperaturen stellen insbesondere für ein krankes Herz eine gefährliche Zusatzbelastung dar. Betroffene sollten auf starke Anstrengung wie Schneeschippen verzichten. Sonst droht schlimmstenfalls ein Herzinfarkt. (Bild: Kathrin39/fotolia.com)

Belastung für die Herzkranzgefäße
Laut den Experten können niedrige Temperaturen insbesondere für ein krankes Herz eine gefährliche Zusatzbelastung darstellen – bis hin zur Auslösung eines lebensbedrohlichen Angina pectoris-Anfalls oder Herzinfarkts.

Starke Kälte belastet demnach die Herzkranzgefäße, indem sich die Gefäße verengen und die Blutversorgung des Herzmuskels vermindern, der dadurch weniger Sauerstoff bekommt. Gleichzeitig werden auch die Widerstandsgefäße im übrigen Körper verengt (Blutdruckanstieg!), so dass das Herz gegen einen größeren Widerstand anpumpen muss.

Brustschmerzen dürfen nicht verharmlost werden
„Geht ein bisher Gesunder in die Kälte hinaus und bekommt plötzlich Schmerzen, einen Druck oder Brennen im Brustkorb und Atemnot, dann ist das ein Warnzeichen. Umgehend sollte ein Arzt aufgesucht werden, der das Herz gründlich untersucht“, erläuterte der Herzspezialist Prof. Dr. med. Thomas Meinertz, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung.

Wie es in der Meldung heißt, dürfen solche Brustschmerzen keinesfalls als Reizung der Bronchien durch die Kälte verharmlost werden, was nicht selten vorkommt – oft mit fatalen Folgen.

Denn die genannten Beschwerden können auf eine mangelhafte Sauerstoffversorgung des Herzens hindeuten und somit Vorboten eines Angina pectoris-Anfalls oder Herzinfarkts sein.

Es kommt auf die gefühlte Kälte an
Herzexperten betonen, dass es bei „starker“ Kälte nicht unbedingt auf die Temperatur auf dem Thermometer ankommt, sondern oft mehr auf die gefühlte Kälte. Bewegung bei Minus drei bis fünf Grad Celsius kann bei Gegenwind oder Smogwetter deutlich unangenehmer sein als ein klarer windstiller Wintertag bei Minus fünf bis zehn Grad.

Liegen die Außentemperaturen im zweistelligen Minusbereich, sollte körperliche Belastung vermieden oder auf ein Mindestmaß beschränkt werden. „Wenn Herzpatienten bei Minusgraden ins Freie gehen, sollten sie nach Möglichkeit einen Schal leicht über Nase und Mund legen, damit sie die vorgewärmte Luft vor den Minusgraden schützt“, erklärte Prof. Meinertz.

Besondere Vorsicht bei bestehender Herzerkrankung
Wenn bereits eine Herzerkrankung besteht, ist besondere Vorsicht geboten. So sollten Menschen mit verengten Herzkranzgefäßen bei starker Kälte auf hohe körperliche Anstrengungen wie Schneeschippen verzichten.

Denn bei einem vorgeschädigten Herzen drohen im Extremfall Herzinfarkt oder plötzlicher Herztod. Wenn Koronarpatienten bemerken, dass sie plötzlich empfindlicher als sonst auf Kälte reagieren, sollten sie dies rasch mit ihrem Arzt besprechen, um gegebenenfalls durch eine Anpassung ihrer Behandlung einer sich verschlimmernden Angina pectoris vorzubeugen.

So sollten Koronarkranke morgens – zu einer Zeit also, in der der Körper schon durch die Nacht-Tag-Umstellung (Blutdruckanstieg, Anstieg der Herzschlagfolge) belastet ist – nicht zum Brötchenholen oder Zeitungkaufen gehen, ohne vorher ihre Medikamente eingenommen zu haben.

Welche Aktivitäten trotz Kälte?
Grundsätzlich rät die Deutsche Herzstiftung dazu, sich auch im Winter ausreichend zu bewegen, mindestens drei Einheiten à 30 Minuten wöchentlich. Statt jedoch Aktivitäten mit hohen Belastungen zu wählen, sollte man weniger anstrengenden Sport bevorzugen.

Geeignet sind beispielsweise ausgedehnte Winterspaziergänge, Walking-Einheiten oder kleinere Jogging-Runden. Damit sich der Körper auf die Kälte einstellen kann, sollte man zunächst langsam beginnen.

Bei extremer Kälte bietet es sich an, den Sport in die Turnhalle zu verlegen oder auch ein paar Bahnen im örtlichen Hallenbad zu schwimmen. Möglich ist auch ein Hometrainer, der sich zum Beispiel im gemütlichen Wohnzimmer aufstellen lässt. Als Faustregel hat sich dabei bewährt, die Intensität so zu wählen, dass zwar der Puls ansteigt, aber eine Unterhaltung noch gut möglich ist. (ad)