Homöopathin und Ärztin injizierte Cortison

Sebastian

Vorwurf: Statt homöopathische Behandlungen soll Ärztin Cortision gespritzt haben

07.08.2012

Eine Ärztin aus Paderborn soll Patienten nicht nur betrogen sondern auch massiv verletzt haben. Der angeblich mit Homöopathie arbeitenden Medizinerin wird vorgeworfen, Patienten ohne Einverständnis und Wissen Cortison verabreicht zu haben. Die Patienten seien davon ausgegangen, dass sie rein homöopathisch gegen Allergien behandelt werden. Nun wird gegen die Ärztin ermittelt, die den Vorwurf jedoch abstreitet.

Mehr zum Thema:

Statt Homöopathie eine Cortison-Spritze
Patienten suchten in der Mehrheit nach einer alternativen Behandlungsform bei Heuschnupfen, Allergie und Neurodermitis. Doch offensichtlich wurden sie betrogen: Statt homöopathischer Wirkstoffe wurde ihnen Cortison gespritzt. Etwa 190 Patienten trugen nach der Verabreichung zum Teil schwere Nebenwirkungen davon. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft seien bis zu 1700 Patienten auf diese Art und Weise betrogen und zum Teil verletzt worden.

Alternative Behandlungsmethoden haben zu Recht Hochkonjunktur. Allergiker wenden sich vertrauensvoll in die Hände eines Heilpraktikers oder eines homöopathisch arbeitenden Arztes, um sich eben nicht den zum Teil schweren Wechsel- und Nebenwirkungen von pharmazeutischen Arzneimitteln auszusetzen. Ein Einzelfall, wie nun bekannt geworden, erschreckt Patienten und Therapeuten gleichermaßen. Patienten suchten die Hilfe bei einer angeblich homöopathisch arbeitenden Ärztin. Mittlerweile hatte sich die 42-Jährige Medizinerin einen Namen gemacht und wurde gern weiterempfohlen, obwohl die Behandlungen nicht von den gesetzlichen Krankenkassen finanziert, sondern von den Patienten aus eigener Tasche selbst bezahlt werden mussten.

Über 1700 Menschen geschädigt
Mindestens 190 Patienten erlitten nach einer Cortison Behandlung schwere Nebenwirkungen wie Knochenschwund, Haarausfall und Wachstumsstörungen, berichtet die Staatsanwaltschaft in Nordrhein-Westfalen. Die Ermittlungsbehörde hat nunmehr ein Strafverfahren gegen die Ärztin eingeleitet. Der Beschuldigten werden gefährliche Körperverletzung, versuchte gefährliche Körperverletzung und gewerbsmäßigen Betrug in mindestens 1700 Fällen begangen zu haben.

Patienten standen Schlange um Hilfe zu bekommen
Insgesamt soll die mutmaßliche Täterin mehr als 30.000 Euro von den Geschädigten eingenommen haben, so ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Die Ärztin habe sich mit ihrer vorgeblichen homöopathischen Behandlung von Patienten „mit Allergien einen Namen gemacht“, berichtet der Oberstaatsanwalt Horst Rürup am Montag. In der Hochkonjunktur von Pollenallergie und Heuschnupfen hätten die Patienten im Hausflur sogar Schlange gestanden, um eine lindernde Spritze zu erhalten, berichtete Rürup.

Gravierende Nebenwirkungen bei vielen Patienten
Viele Patienten mit Heuschnupfen und Neurodermitis hätten gerade wegen der Nebenwirkungen von Cortison die Hilfe der Ärztin in Anspruch genommen, um alternativ behandelt zu werden. Die Sache sei aufgeflogen, als eine Mutter, die selbst Ärztin ist, nach Verabreichung einer Spritze an ihrer Tochter typische Merkmale von Cortison-Injektionen bemerkt hatte. Auf der Haut ihres Kindes hatten sich Rückbildungen von Fettgewebe an der Einstichstelle gebildet, die auf eine Behandlung von Cortison schließen lassen. Zudem wurde Ärztin misstrauisch, weil der Erfolg sehr schnell einsetzte. In einer Laboruntersuchung zeigten sich Rückstände eines Arzneimittels mit Cortison.

Ärztin bestreitet Vorwürfe
Seit Beginn der Ermittlungen übe die Beschuldigte ihren Beruf als Ärztin nicht mehr aus. Bei einer ersten Vernehmung habe die Ärztin mitgeteilt, dass sie die Patienten über die Beimischung von Cortison aufgeklärt hätte. Demnach bestreitet sie die Vorwürfe. Bei einer Verurteilung droht der Frau die Aberkennung der Approbation, eine mehrjährige Gefängnis- oder Bewährungsstrafe sowie zivilrechtliche Schmerzensgeldzahlungen. Nach Angaben des Zentralverein homöopathischer Ärzte (DZVhÄ) sei bislang unbekannt, ob die Angeschuldigte „eine von der Ärztekammer vergebene Zusatzbezeichnung Homöopathie“ führt. Wann die Verhandlung vor dem Landgericht stattfindet, ist noch unklar. (sb)