Haarausfall – Ursachen und Therapie

Diffuser Haarausfall hat vielfältige Ursachen, die von Krankheiten über Stress bis hin zu Nebenwirkungen bestimmter Medikamente reichen. (Bild: cunaplus/fotolia.com)
Jeanette Vinals Stein

Haarausfall und Alopezie

Bis zu 100 Haare pro Tag zu verlieren gilt als ein normaler Vorgang, bei dem sich Kopfhaut und Haarfollikel von innen heraus erneuern und das Haar gleichmäßig nachwächst. Vermehrter oder andauernder Haarausfall (Effluvium; Defluvium) kann jedoch zur Kahlheit (Alopezie) führen. Ursächlich kommen u.a. hormonelle Veränderungen, Medikamente, Stoffwechselstörungen und Ernährungsmängel in Frage. Das beobachtete Befallmuster kann manchmal Hinweise auf die Ursache geben. Nicht zu unterschätzen sind die negativen sozialen und psychischen Auswirkungen, die Alopezie und Kahlheit nach sich ziehen können (reaktive Depression).

Diffuser Haarausfall

Diffuser Haarausfall (ohne bestimmtes Befallmuster) kann zahlreiche Gründe haben und begleiten z.B. Schilddrüsenfunktionsstörungen, Diabetes mellitus, Lebererkrankungen sowie chronische Infektionen. Auch während und nach einer Schwangerschaft ist ein vorübergehender Ausfall der Haare oft zu beobachten. Medikamentöse Behandlungen, die den Alopezie verursachen, sind die Chemotherapie gegen Krebs, Medikamente zur Senkung der Blutfette oder die Einnahme von Ovulationshemmern zur Empfängnisverhütung („Pille“). Aggressive Shampoos und Haarfärbemittel, Stylingmittel und heiße Haartrockner stören den natürlichen Regenerationszyklus von Kopfhaut und Haar. Auch Schwermetallvergiftungen (v.a.Quecksilber, Arsen, Thallium), Allergien, ein Mangel an Mineralstoffen und Vitaminen durch einseitige Ernährung bzw. eine verminderte Aufnahmefähigkeit von Nährstoffen (Malassimilationssyndrom), ein Übermaß an Alkohol oder anderen Drogen sowie eine schlechte Durchblutung der Kopfhaut kommen als Ursache in Frage. Auch körperlicher oder emotionaler Stress werden als Auslöser für Haarausfall beobachtet.

Diffuser Haarausfall hat vielfältige Ursachen, die von Krankheiten über Stress bis hin zu Nebenwirkungen bestimmter Medikamente reichen. (Bild: cunaplus/fotolia.com)
Diffuser Ausfall hat vielfältige Ursachen, die von Krankheiten über Stress bis hin zu Nebenwirkungen bestimmter Medikamente reichen. (Bild: cunaplus/fotolia.com)

Genetisch vorbestimmt: Haarausfall bei Männern

Den wohl häufigsten Haarausfall bei Männern, der im Schläfenbereich als „Geheimratsecken“ beginnt und – oft bereits in den Zwanzigern – über den Scheitel zur vollständigen Glatzenbildung führen kann, nennt man „Androgenetische Alopezie“. Weniger häufig kommt diese Form bei Frauen vor, wobei sich typischerweise die Haare den Scheitel entlang ausdünnen. In beiden Fällen handelt es sich um eine Form des Haarausfalls, die durch eine veranlagungsbedingte Überempfindlichkeit der Haarfollikel gegenüber den männlichen Sexualhormonen (Androgenen) ausgelöst wird.

Konkret geht es dabei um das Stoffwechselprodukt „Dihydrotestosteron“ (DHT), welches aus dem körpereigenen, männlichen Geschlechtshormon Testosteron gebildet wird. Die verstärkte Wirkung des DHT führt zu einer Verkleinerung der Haarfollikel, wodurch die Wachstumsphase der Haare verkürzt wird und diese schneller ausfallen. Jedes nachwachsende Haar ist anschließend dünner und kleiner (Miniaturisierung), bis die Haarwurzel schließlich abstirbt. Ab wann die Haarfollikel empfindlich auf das DHT reagieren, kann je nach Region ganz unterschiedlich sein. Daher können schon mit 18 Geheimratsecken entstehen, während das Deckhaar am Oberkopf erst mit über 30 ausfällt.

Die Androgenetische Alopezie (Alopecia androgenetica, kurz: AGA) stellt folglich einen genetisch vorbestimmten Verlust der Haare dar. Durch welche Gene die AGA vererbt wird, ist derzeit noch unbekannt. Fest steht aber, dass es sich um mehrere handelt, wodurch sich nicht voraussagen lässt, wie der Haarausfall im Laufe des Lebens verlaufen wird. Dementsprechend kann dieser früher bzw. später auftreten und sowohl stärker als auch schwächer ausfallen als zum Beispiel beim ebenfalls betroffenen Vater.

Kahle Stellen im Stirn und Scheitelbereich

Kahle Stellen im Stirn und Scheitelbereich entstehen v.a. bei Frauen durch kontinuierlichen Zug bei exzessivem Bürsten und „Pferdeschwanz“-Frisuren. Solche mechanisch bedingte Kahlheit heißt deshalb „Zugalopezie“ oder auch „mechanische Alopezie“. Diese kann z.B. auch durch enge Kopfbedeckungen wie Stirnbänder, Hüte oder Schutzhelme entstehen, ebenso wie durch längeres Liegen, bei dem der Kopf stets in der gleichen Position gehalten wird (z.B. bei Säuglingen oder Pflegebedürftigen).

Eher bei Kindern kommt außerdem das zwanghafte Haareausrupfen und -reißen (Trichotillomanie) mit unscharf begrenzten haarlosen Arealen auf dem Kopf vor. Hier finden sich neben kahlen Stellen Haarstümpfe unterschiedlicher Länge.

Alopecia
Haarausfall kann verschiedenen Formen annehmen, wobei manche besonders drastisch erscheinen. (Bild: fresnel6/fotolia.com)

Kreisrunder Haarausfall

Eine besondere Form stellt der kreisrunde Haarausfall (Alopecia areata) dar, der sich in fast kreisrunden Stellen mit stummelartigen Resthaaren zeigt. Dieses Phänomen findet sich häufig im Jugendalter und tritt familiär gehäuft auf. Oft gibt es Zusammenhänge mit Schilddrüsenerkrankungen, die Alopecia areata wird jedoch auch als Ausdruck einer larvierten Depression betrachtet.

Behandlungsmöglichkeiten bei Haarausfall

Wirksame Maßnahmen zur Vorbeugung einer androgenetischen Alopezie gibt es nicht. Denn diese ist nicht auf Stress, Ernährungsstörungen, Infektionen oder eine Vergiftung zurückzuführen, sondern erblich bedingt. Eine Änderung der Lebensweise und Ernährung können den Verlauf dementsprechend nicht beeinflussen. Die Auswahl der Pflegeprodukte, Häufigkeit des Haareschneidens sowie die Einnahme von z.B. Vitaminpräparaten, Kieselerde oder Hefetabletten sind also unbedeutend.

Wird der Haarausfall frühzeitig erkannt, kann er in vielen Fällen jedoch recht gut behandelt werden. Neue Medikamente (z.B. Minoxidil) können helfen, den Verlust der Haare zu stoppen. Bringt dies keinen Erfolg und/oder ist der Leidensdruck sehr hoch, können auch eine Perücke bzw. ein Toupet oder Haartransplantationen in Betracht gezogen werden.

Frauen sollten bei der Haarpflege sehr vorsichtig sein. Denn ständiges Kämmen oder zu eng gebundene Zöpfe können zu Haarausfall führen. (Bild: ulianna19970/fotolia.com)
Frauen sollten bei der Haarpflege sehr vorsichtig sein. Denn ständiges Kämmen oder zu eng gebundene Zöpfe können zu Haarausfall führen. (Bild: ulianna19970/fotolia.com)

Die mechanische Alopezie ist hingegen normalerweise durch sehr einfache Maßnahmen gut behandel- und heilbar. Frauen sollten vor allem auf locker sitzende Frisuren achte und so weit wie möglich auf Hitzebehandlungen mit Föhn und Glätteisen verzichten. Verschiedene Hausmittel gegen trockene Haare helfen, das Problem in den Griff zu bekommen. Ölkuren sorgen z.B. schnell für Feuchtigkeit, zudem sollten trockene, brüchige Haare stets mit einem Shampoo ohne Silikone und aggressive Tenside gewaschen werden.

Bei der Behandlung einer Trichotillomanie kommen sowohl Medikamente (z.B. Antidepressiva) als auch psychotherapeutische Maßnahmen zum Einsatz. Als sehr wirkungsvoll hat sich die Verhaltenstherapie erwiesen, bei welcher die Betroffenen lernen, mithilfe von Ersatzhandlungen dem inneren „Zupf-Impuls“ zu widerstehen. Wichtig ist gerade bei Kindern auch die Unterstützung und Akzeptanz durch die Eltern bzw. Bezugspersonen. (jvs, nr)

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