Haaröl – Anwendung, Wirkung und Rezepte für die eigene Herstellung

Das richtige Pflegeöl für jeden Haartyp

Lange bevor unsere Industrie Shampoos herstellte, pflegten sich Menschen ihre Haare mit Öl – Inderinnen hielten ihr Haar mit Kokosfett geschmeidig, die Geishas in Japan begeisterten die Männerwelt mit Kamelienöl.


Für wen eignet sich Haaröl?

Haaröl passt besonders zu sprödem, splissigem oder zu strapaziertem Haar. Dabei ist Haaröl nicht gleich Haaröl. Öl aus Eigelb baut dünnes Haar auf, Jojobaöl versorgt ausgetrocknete Haarspitzen, Olivenöl bändigt krause Locken. Öl aus Erdnüssen oder Klettenwurzeln bringt neuen Halt und Arganöl hilft stumpfem Haar zu neuem Glanz.

Bei Haarproblemen, wie zum Beispiel Spliss, eignet sich Öl wunderbar für die natürliche Pflege. (Bild: Africa Studio/fotolia.com)

Wie wenden wir Haaröl an?

Wir massieren das Öl in das Haar ein, je nach Sorte einige Tropfen. Je länger und dichter das Haar ist, umso mehr empfiehlt sich eine Bürste, um es aufzutragen. Dann wirkt das Öl um die 10 Minuten ein. Danach waschen wir das Haar.

Wenn wir Öl nach dem Waschen in das noch feuchte Haar einwirken lassen, bedecken wir damit nur die Haarspitzen, nicht aber die Kopfhaut.

Kokosöl

Kokosöl ist ebenso eines der verbreitetsten wie der umstrittensten Haaröle. Inderinnen schwören seit Jahrhunderten auf Kokosöl und Kokosmilch, die ihren Haaren einen seidigen Glanz verleihe.

Kritiker wenden ein, dass es so reichhaltig ist, dass es das Haar „erstickt“, also keine Feuchtigkeit an dieses lässt, den Hautstoffwechsel stört und so mittelfristig das Gegenteil von dem bewirkt, wozu es dienen sollte: Das Haar werde spröde, Schädigungen seien die Folge.

Um Kokosöl anzuwenden, legen Sie sich ein altes Tuch über die Schultern, damit es nicht auf die Kleidung kommt. Das Öl lässt sich schwer entfernen. Sie starten die Pflege am besten im Badezimmer, müssen dort aber nicht bleiben, wenn Sie sich einen „Turban“ aus altem Stoff um den Kopf wickeln. Alternativ können Sie auch eine Badekappe aufsetzen. Die Kopfbedeckung sollte nur mehrere Stunden sitzen oder sogar über Nacht.

Wenn Sie zuviel Öl verwenden, wird es fettig aussehen – sogar nach mehrfachem Waschen. Verreiben Sie in den Hände erwärmtes Kokosöl und massieren Sie es mit den Fingern von den Haarenden hinab. Ölen Sie nicht die Haarwurzeln und die Kopfhaut ein. Die Kopfhaut produziert ihr eigenes Fett, das reichhaltige Kokosöl kann diesen natürlichen Schutz beschädigen.

Wenn Sie dünne Haare haben, fetten Sie lediglich die Haarspitzen ein.

Nutzen Sie ein sulfatfreies Shampoo, um das Kokosöl auszuwaschen. Waschen Sie es mindestens drei Mal, bis sich das Haar nicht mehr ölig anfühlt.

Bei der Anwendung von Kokosöl gilt „weniger ist mehr“, da die Haare sonst im Anschluss extrem fettig aussehen. (Bild: Africa Studio/fotolia.com)

Haaröl in Indien

Indische Frauen setzen bei der Haarpflege nicht auf tägliches Waschen, sondern sie waschen ihr Haar oft nur einmal in der Woche und lassen es an der Luft trocken. Sie kämmen es mit grobzinkigen Bürsten, die traditionell kein Metall enthalten.

Öle sind in Indien wichtiger als Shampoo. Inderinen massieren es einige Stunden vor dem Waschen in das Haar ein – meist benutzen sie zweimal in der Woche Kokosöl oder Koksmilch. Alternativ verwenden sie Milch. An den Küsten des Landes, aber auch in Sri Lanka oder Indonesien, ist Kokosöl oft das einzig verfügbare Haaröl. Das aber ist durch die Mengen an Kokospalmen überreichlich vorhanden.

Die Inder nutzten es seit der Antike, um ihre Haare zu pflegen. Sie mischten es mit Kräutern, um Haarausfall vorzubeugen.

Kokosöl gegen Haarausfall

Kokosfett mit dem Sud von Salbeiblättern soll gegen Haarausfall helfen. Wissenschaftlich belegt ist das nicht. Das gleiche gilt für die Mischung aus Kokosnussöl und gekochten Stachelbeeren.

Pflege für geschädigte Haare

Das Öl enthält Laurinsäure und eignet sich deshalb Schäden an den Haaren durch Verlust an Proteinen zu behandeln. Dazu massieren Sie es in das Haar ein und lassen es circa eine Stunde einwirken, bevor Sie sich die Haare waschen.

Kühlen

Menschen in den heißen Ursprungsländern des Kokosöls nutzen es, um die Kopfhaut zu kühlen. Zudem verdampft es langsam und hält so die Haare feucht, was bei Sonnenhitze wichtig ist.

Haaröl gegen Schuppen

Kokosnussöl ist ein wirksames Hausmittel gegen Schuppen im Haar. Dazu mischen Sie es mit warmem Wasser und Rizinusöl, massieren es in die Kopfhaut ein oder mischen es mit Sesamöl. Die Ölmischung lassen Sie eine halbe Stunde einwirken und waschen sie dann aus.

Um Schuppen zu behandeln, mischen Sie Kokosöl mit warmem Wasser und Rizinusöl, und massieren die Mischung in die Kopfhaut ein. (Bild: Africa Studio/fotolia.com)

Kokosöl statt Gel

Das aus dem Nährgewebe der Kokosnuss gewonnen Öl schmilzt bei Erwärmung, und da die Temperatur auf der Kopfhaut sich gleichmäßig verteilt, breitet sich das Öl gleichmäßig aus. Wenn es abkühlt, wird es wieder fest, und so lässt es sich wie eine Haarcreme verwenden.

Haare stärken

Um trockene, brüchige Haare zu stärken, tragen Sie eine Mischung aus Kokosöl und Lavendelöl auf die Kopfhaut auf, sichern sie mit einer Badekappe oder einem Tuch, lassen die Mischung über Nacht einwirken und waschen sie am nächsten Morgen wieder aus.

Haarspülung

Aus Kokosfett und warmer Milch können Sie eine Paste zubereiten und diese als Haarspülung nutzen. Sie mischen dazu die Milch mit dem Fett, lassen den Brei 20 Minuten einwirken und spülen ihn dann aus. Diese Spülung wirkt besonders bei trockenem und strapaziertem Haar.

Gegen Haarspliss

Eine Mischung aus Kokos- und Mandelöl hilft gegen Haarspliss, besonders, wenn der Spliss nur wenige Haarsträhnen betrifft. Dafür massieren Sie die Mischung einige Minuten in die betroffenen Stellen ein, lassen sie einwirken und spülen sie danach wieder aus.

Arganöl

Arganöl ist fast ohne Eigengeruch und findet sich in vielen Shampoos. Das reine Öl dient für Haarmasken und Spülungen.

Das aus den Samenplättchen der reifen Beerenfrucht des Arganbaums gewonnene Öl enthält Vitamin E und sekundäre Pflanzenstoffe. Es eignet sich zur Pflege geschädigter Haarspitzen und hat sich als Hausmittel gegen trockene Haare bewährt. Trockene Kopfhaut lässt sich mit Arganöl hervorragend einfetten, egal, ob diese durch zu wenig Luftfeuchtigkeit in geheizten Räumen entsteht, durch Schwankungen im Hormonspiegel oder psychisch bedingt ist.

Arganöl kann sehr gut zur Regeneration trockener Haare eingesetzt werden. (Bild: luisapuccini/fotolia.com)

Es hilft auch gegen Schuppen, da es gut in die Haut eindringt und kaum rückfettet. Juckt die Haut, weil sie ausgetrocknet ist, wirken einige Tropfen Arganöl sofort und dienen als erste Hilfe. Durch das Öl kann die Haut wieder Feuchtigkeit speichern und das Kopfjucken verschwindet.

Das Öl hilft auch gegen spröde Spitzen. Brüchige Haare lasen sich behandeln, indem Sie es in das trockene haar einmassieren. Geht es ihnen um gutes Aussehen, können Sie mit Arganöl zerzaustes Haar ausgezeichnet bändigen.

Traubenkernöl

Öl aus Traubenkernen nutzten bereits Frauen im Mittelalter zur Haarpflege. Es handelte sich um ein Luxusprodukt, und wegen des hohen Aufwands, es herzustellen, war es sehr teuer. Aus diesem Grund verschwand es in der Moderne vom Markt – synthetische Produkte verdrängten es.

Heute ist Traubenkernöl wieder beliebt. Doch die Herstellung ist auch mit industriellen Methoden mühsam: Für einen Liter des Öls benötigen wir 40 Kilogramm Traubenkerne. Diese fallen beim Weinanbau ab. Seit das Öl wieder in der Kosmetik gefragt ist, spezialisieren sich Firmen darauf, das Öl herzustellen.

Es lässt sich entweder kalt oder warm pressen. Bei der heißen Pressung werden die Kerne auf 216 Grad Celsius erhitzt und Lösungsmitteln ausgesetzt, um das Öl aus den Kernen zu ziehen. Die Heißpressung hat den Vorteil, dass sie schnell geht. Der Nachteil ist, dass Inhaltsstoffe verloren gehen, besonders die Stoffe, die die Pflanzenfette begleiten.

Wichtige Nährstoffe

Traubenkernöl enthält eine ganze Reihe von Nährstoffen für die Haarpflege und ist ein sehr leichtes Öl. Es enthält mit 68 % mehr Linolsäure als alle anderen Pflanzenöle, dazu Vitamin A, Vitamin B6 und Vitamin E.

Vitamin A ist notwendig, um das Haar aufzubauen und dient so dazu, Beschädigungen zu regenerieren. Vitamin B6 fördert das Haarwachstum. Vitamin E kräftigt das Haar. Alle drei Vitamine zusammen wirken Haarausfall ebenso entgegen wie Schädigungen.

Haarkur mit Traubenkernöl

Im Unterschied zu schweren Ölen fettet Traubenkernöl nicht. Zugleich lässt es sich sparsam anwenden, und das relativiert den hohen Preis. Für eine Kur mit schulterlangem Haar reichen vier Esslöffel des Produkts.

Dazu waschen Sie das Haar erst einmal mit Shampoo und trocknen es. Dann verteilen Sie das Öl erst in den Spitzen, danach in den Längen und massieren es am Ende in die Kopfhaut. Sie kämmen jetzt das Haar gründlich durch und setzen eine Badekappe auf oder fixieren es mit einem Tuch.

Nach 20 Minuten spülen Sie das Haar mit warmem Wasser aus. Verwenden Sie kein Shampoo und kein kaltes Wasser.

Traubenkernöl enthält viele Nährstoffe, die für gesunde Haare wichtig sind. (Bild: racamani/fotolia.com)

Avocadoöl

Avocadoöl steckt voll mit Vitaminen und Mineralien: Vitamin A, B2, B6, D und E, dazu Kalium. Es dringt gut in die Haare ein und versorgt sie mit Feuchtigkeit. Vorsicht ist geboten: Avocadoöl ist reichhaltig und schadet bei dauerhaftem Gebrauch der eigenen Fettproduktion der Kopfhaut.

Das gilt auch für Olivenöl, das langsamer einzieht. Bei hellen Haaren sollten Sie dieses vermeiden, da es die Haare dunkelt.

Klettenwurzelöl

Das Öl der Klettenwurzeln hilft gegen Ekzeme der Kopfhaut und, mit Einschränkungen, gegen Haarausfall. Der Volksname der Klettenwurzel war „Grindwurzel“ – ein Hinweis darauf, dass unsere Vorfahren die Pflanze nutzten, um „Grind“, also Schorf, Hautausschlag und Hautentzündugen zu behandeln.

Um das Öl zu gewinnen, sammeln wir die Wurzeln der Kletten zwischen April und Mai. Da sind die Inhaltsstoffe am stärksten konzentriert. Gesammelt wird die Knolle im zweiten Jahr. Wir erkennen das daran, dass die Blätter den Boden nicht mehr berühren.

Die gesammelten Wurzeln schneiden wir in kleine Stücke und legen sie in einem verschlossenen Glas einen Monat in Olivenöl ein. Das Öl verträgt keine Kälte. Um die Stoffe aus der Wurzel zu lösen, sollten wir die Mischung im Heizungskeller aufbewahren.

Wir können die geschnittenen Wurzeln auch in Wasser aufkochen – 15 Minuten bei geschlossenem Deckel. Dann lassen wir den Sud auskühlen und schöpfen ihn mit einem feinen Sieb ab. Wir mischen den Sud mit Olivenöl und massieren ihn in die Kopfhaut ein.

Klettenwurzeln enthalten Arctinol. Dieses wirkt gegen Schuppenflechte und Pilzbefall. Sesqiterpene in den Wurzeln fördern die Produktion von Carotinoid, und dieser Stoff wirkt mit beim Haarwachstum. Polyphenole in den Wurzeln wirken antibakteriell. Die Pflanzenhormone Sitosterol und Stigmasterol hemmen Entzündungen und wirken sich positiv auf den Haarwuchs aus.

Klettenwurzelöl pflegt Haare und Kopfhaut, wirkt gegen Ekzeme der Kopfhaut, Schuppenflechte und Schwellungen. Allergien treten nur selten auf.

Gegen Schuppen erwärmen Sie das Öl, massieren es in Haar und Kopfhaut ein und lassen es über Nacht einwirken. Am Morgen können Sie die Schuppen mit einem Nissenkamm entfernen. (Dr. Utz Anhalt)

Quellen
https://www.codecheck.info/news/Wie-gesund-sind-Haar-Oele-60171
http://www.traubenkernoel.net/haare.html