Hormone können Brustkrebs verursachen

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Neue Hinweise zur Vermeidung von Brustkrebs: Verabreichte Hormone in Form von Verhütungsmitteln können das Risiko von Brustkrebs ansteigen lassen.

Bestimmte Hormone erhöhen das Brustkrebs-Risiko. Ein internationales Forscherteam hat unter Beteiligung des Universitätsklinikums Erlangens jetzt erstmals den Mechanismus, der dahinter steckt, wissenschaftlich erklärt und die Ergebnisse im Fachjournal „Nature“ veröffentlicht. Aus den Erkenntnissen lassen sich neue Behandlungsansätze und Therapien gegen Brustkrebs ableiten, so auch die Hoffnung von Prof. Dr. Georg Schett, Direktor der Medizinischen Klinik 3 des Universitätsklinikums Erlangen

Hormone erhöhen das Brustkrebs-Risiko
Dass die Verabreichung bestimmter Hormonpräparate im Zusammenhang mit Brustkrebs steht, ist unter Fachleuten bereits seit langem bekannt. Der genaue Ablauf, welcher zu dem erhöhten Brustkrebs-Risiko führt, war bisher jedoch nicht wissenschaftlich erörtert, so die Forscher im Rahmen der jetzt vorgelegten Veröffentlichungen. Klar sei lediglich gewesen, dass die Zellen der Brustdrüse über Empfängermoleküle (Rezeptoren) für Östrogene und Progesterone verfügen und diese zum Beispiel besonders empfindliche auf Medroxy-Progesteron, das bei der Dreimonatsspritze zur Verhütung eingesetzt wird, reagieren. Bei anderen synthetische Progesterone zeigte sich eine ähnliche Reaktion, wodurch sich insgesamt das Brustkrebs-Risiko bei Verwendung derartiger Präparate erhebliche erhöhe, so die Aussage der Wissenschaftler zum bisherigen Forschungsstand. Als Referenzen bezogen sie sich hierbei in erster Linie auf große US-Studien wie die „Women‘s Health Initiative“ oder die „Million Women Study“.

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Eiweißmolekül als Ursache für unkontrolliertes Zellwachstum
Das internationale Konsortium aus Grundlagenwissenschaftlern und klinischen Wissenschaftlern aus Österreich, Deutschland, Großbritannien, Australien, Kanada und den USA konnte jetzt nachweisen, dass Progesterone das Signalprotein RANKL (Receptor Activator for Nuclear Factor k B Ligand) stimulieren. Das Eiweißmolekül ist eigentlich für den Knochenstoffwechsel bzw. das Knochenwachstum verantwortlich, wird jedoch durch den Einfluss von Progesteron auch in der weiblichen Brust gebildet, erklärte das Forscher-Team um Studienleiter Prof. Dr. Josef Penninger aus Wien. Hier fördert RANKL das Zellwachstum in der Brustdrüse und trägt zur Vermehrung der Stammzellen bei, die ihrerseits maßgeblich für die Entstehung von Brustkrebs (Mammakarzinomen) verantwortlich sind, erläuterten die Forscher weiter. So erhöht sich ihrer Ansicht nach das Risiko bösartiger Tumore durch die Verwendung der Hormonpräparate erheblich.

Neue Behandlungsansätze gegen Brustkrebs möglich
Da bereits Arzneimittel erforscht sind, die das Protein RANKL therapeutisch hemmen können, sehen die Mediziner ihre Erkenntnisse als gute Basis für die Entwicklung neuer Vorbeugungs- und Behandlungsverfahren gegen Brustkrebs. „Durch die Erkenntnisse der Zusammenhänge von Progesteron und RANKL ergeben sich in Zukunft bessere Möglichkeiten für die Therapie von Patientinnen mit Brustkrebs, aber auch zur Vorbeugung einer Tumorentwicklung, da Veränderungen von RANKL der klinischen Manifestation der Erkrankung vorausgehen“ so der Kommentar der Wissenschaftler im Fachmagazin „Nature“. Bisher wurden die therapeutische Hemmung von RANKL, überwiegend bei Osteoporose eingesetzt, einer Krankheit von der ebenfalls überwiegend Frauen betroffen sind.

Jede Zehnte erkrankt an Brustkrebs, 30 Prozent sterben
Rund jede zehnte Frau erkrankt im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs, wobei das Mammakarzinom mit einem Anteil von 28 % aller Krebsneuerkrankungen die häufigste Krebserkrankung bei Frauen bildet. Rund 57.000 Personen erkranken jährlich in Deutschland an Brustkrebs und müssen sich anschließend einer Operation, Zytostatika-, Hormon- und/ oder Strahlentherapie unterziehen. Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Erkrankung tödlich endet (Letalität), entspricht ca. 30 %, so dass Brustkrebs in den Industrienationen die häufigste Todesursache bei Frauen zwischen dem 30. und 60. Lebensjahr bildet. (fp, 04.10.2010)