Wie Freunde, Kollegen oder Familie auf Alkoholprobleme ansprechen?

Fabian Peters
Unbequemes Thema: Alkoholprobleme sollten angesprochen werden
Millionen Deutsche haben Alkoholprobleme. Vielen von ihnen ist ihr eigener hoher Konsum oft gar nicht bewusst. Das Thema ist den meisten Menschen eher unangenehm, doch wenn man merkt, dass Freunde, Angehörige oder Kollegen zu viel trinken, sollte man dies unbedingt rechtzeitig thematisieren.

Regelmäßiger Alkoholkonsum gefährdet die Gesundheit
Europa ist weltweit die Region mit dem höchsten Alkoholkonsum. Allein in Deutschland haben laut Schätzungen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) etwa 9,5 Millionen Menschen zwischen 18 und 65 Jahren Alkoholprobleme, sie trinken also Alkohol in gesundheitlich bedenklichen Mengen. Rund 1,3 Millionen von ihnen gelten als alkoholabhängig. Regelmäßiger Alkoholkonsum erhöht das Risiko für zahlreiche Krankheiten . Er kann unter anderem zu Leberschädigungen wie Fettleber, Fettstoffwechselstörungen, Osteoporose, Schädigungen des Gehirns oder Herzmuskel- und Krebserkrankungen wie Darmkrebs, Leberkrebs oder Speiseröhrenkrebs führen oder diese begünstigen. Trotzdem die Gefahren des Alkoholkonsums weithin bekannt sind, ist sich so manch einer gar nicht über seinen eigenen hohen Konsum bewusst. In solchen Fällen sind Freunde und Familie gefragt.

Komasaufen
Auch Jugendliche sollten Freunde auf mögliche Probleme mit dem Alkohol ansprechen. (Bild: Jochen Mittenzwey/fotolia.com)

Nicht mit Vorwürfen reagieren
Auch wenn manche Gespräche unangenehm sind und möglicherweise sogar den Familienfrieden oder die Freundschaft gefährden, sollten sie geführt werden. Dann nämlich, wenn beobachtet wird, wenn ein Angehöriger oder Freund zu viel trinkt. Zwar birgt das Thema Alkohol reichlich Zündstoff, doch „Je früher jemand angesprochen wird, desto eher muss er sich mit seinem Trinkverhalten auseinandersetzen“, erklärte Christa Merfert-Diete von der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) gegenüber der Nachrichtenagentur dpa. Ab wann trinkt aber jemand eigentlich zu viel? „Da sollte man seinem Menschenverstand und der eigenen Wahrnehmung trauen“, so die Expertin. Es könne beispielsweise auffallen, dass Betroffene auf Familienfeiern besonders viel trinken und alkoholisiert Auto fahren. Darauf sollten man keinesfalls mit Vorwürfen reagieren oder mit Sätzen wie: „Du trinkst zu viel!“ Es ist besser, sogenannte Ich-Botschaften zu formulieren. „Beispielsweise kann man sagen: Ich mache mir Sorgen um dich. Oder: Ich hab den Eindruck, dass du immer, wenn wir zusammen sind, Alkohol trinkst.“

Auf Streit beim Gespräch einstellen
Es muss dabei jedoch deutlich werden, dass derjenige, der es anspricht, dem Betroffenen nicht klarmachen kann und soll, dass er ein Alkoholproblem hat. „Das sollte dieser im Gespräch mit Fachleuten selbst klären.“ Er muss sich aber dennoch darauf einstellen, dass der Angesprochene schroff reagieren und es zum Streit kommen kann. „Es gehört zum Krankheitsbild der Alkoholsucht, die Krankheit zu leugnen“, erklärte Merfert-Diete. Man sollte deswegen konkret Hilfe anbieten und zum Beispiel einen Zettel mit der Nummer oder Adresse einer Beratungsstelle hinterlassen. Wenn das Gespräch gut verläuft, bietet es sich zudem an, persönliche Hilfe anzubieten. Dafür schlägt die Expertin Sätze vor wie: „Ich unterstütze dich gern, wenn du selber überprüfen möchtest, ob du ein Problem hast.“ Diejenigen, die nicht gleich zu den Experten bei einer Beratungsstelle wollen, können sich auch erst mal selbst informieren. So gibt es etwa im Internet Tests zum Trinkverhalten. Außerdem können Betroffene per App ein Trinktagebuch führen. (ad)

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