Immer mehr Chemie in Entwicklungsländern

Sebastian

Reiche Ländern verlagern Verwendung und Produktion zunehmend in ärmere Staaten

05.09.2012

In den Entwicklungsländern werden immer mehr gesundheitsschädliche Chemikalien eingesetzt und hergestellt. Laut des aktuellen UN-Umweltprogramms UNEP verlagern die reichen Industrienationen den Einsatz von chemischen Stoffen zunehmend in ärmere Länder. Rund eine Million Menschen sterben jährlich weltweit an den Folgen der Chemikalien.

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Die Produktion und die Verwendung von Chemikalien verursacht in den Entwicklungsländern zunehmend große Risiken für die Umwelt und den Menschen. Die Herstellung und Nutzung der hochgiftigen Schadstoffe werde von den Konzernen bewusst aus den reichen Ländern in ärmere Gegenden verlagert, weil Umweltschutzbestimmungen in den armen Ländern oftmals nicht vorhanden oder weniger streng ausgelegt sind. So mahnt der Vorsitzende der UNEP in dem aktuellen Bericht der UN-Organisation: "Die Vorteile, die Chemikalien bringen können, dürfen nicht auf Kosten der menschlichen Gesundheit und der Umwelt gehen".

Nur wenige chemische Stoffe werden genau untersucht
Von den derzeit auf dem Markt befindlichen rund 140.000 Chemikalien werden laut des Berichts „nur sehr wenige auf mögliche Gesundheitsschäden für den Menschen und Belastungen für die Umwelt untersucht“. Dabei gehören Vergiftungen durch industrielle und landwirtschaftliche Chemiestoffe weltweit zu den häufigsten Todesursachen. Laut des Reports sterben jedes Jahr rund eine Million Menschen an den Toxinen. Bis zum Jahre 2020 werde die Produktion der Chemiestoffe zusätzlich rasant zunehmen. Ganz besonders hiervon betroffen „sind der Mittlere Osten und Afrika“. Die in Nairobi (Kenia) ansässige UNEP ermittelte in einer Auswertung eine Zunahme in den Regionen von über 40 Prozent. Tendenz steigend.

Weithin schätzt die UNEP, dass der wirtschaftliche Schaden für die Länder südlich der Sahara allein durch den massiven Einsatz von Pestiziden größer sei, als die gesamte Entwicklungshilfe für die medizinische Grundversorgung. Zwar hätten Regierungen, Konzerne und internationale Abkommen in den letzten Jahren dafür gesorgt, dass der chemische Einsatz „mit mehr Verantwortung“ von statten geht, doch die Fortschritte seien nicht genügend, um die Menschen und die Umwelt tatsächlich zu schützen. „Das Chemikalien-Management ist zu langsam“ so das Resümee der UNEP. (sb)