Immer mehr Hunde leiden an einer Fleischallergie

Immer mehr Hunde können kein Fleisch mehr essen. Bild: Africa Studio - fotolia
Sebastian
Immer mehr Hunde mit Fleischallergie – Was man tun kann
Es klingt zwar zunächst etwas kurios, doch tatsächlich gibt es immer mehr Hunde, die allergisch auf Fleisch reagieren. Die betroffenen Vierbeiner vertragen weder Rind, noch Schwein, Pute oder Lamm. Das führt dazu, dass mehr Heimtiergeschäfte spezielles Allergikerfutter anbieten. Auch eine vegetarische oder vegane Ernährung von Hunden ist eine Alternative.

Mehr Hunde mit Fleischallergie
Wenn die Ohren von Hunden entzündet sind, die Haut blutig gekratzt ist oder ihre Verdauung verrückt spielt, können dies Symptome einer Unverträglichkeit oder Allergie sein, etwa auf Rindfleisch. Immer mehr Tierhalter berichten von Hunden mit Fleischallergie. Der Markt für Spezialfutter beispielsweise aus Straußen- oder Kängurufleisch wächst. In einer Meldung der Nachrichtenagentur dpa erklären Experten mehr zu den Hintergründen und welche Alternativen Hundehaltern zur Verfügung stehen.

Immer mehr Hunde können kein Fleisch mehr essen. Bild: Africa Studio - fotolia
Immer mehr Hunde können kein Fleisch mehr essen. Bild: Africa Studio – fotolia

Suche nach der richtigen „Proteinquelle“
Im Internet beklagt eine Hundebesitzerin ihr Leid: „Gelegentlich (…) bin ich dem Wahnsinn nahe, aber es hilft ja nichts“. Ihr Vierbeiner vertrage demnach weder Pferdefleisch noch Rind, Pute, Schwein oder Lamm. Per Ausschlussdiät suchte sie nach der richtigen Ernährung. Dabei wird gezielt über acht bis zwölf Wochen nur eine einzige Fleischsorte („Proteinquelle“) gefüttert; andere werden strikt gemieden. Professor Jürgen Zentek vom Institut für Tierernährung der Freien Universität Berlin erläuterte, dies sei zwar mühsam, aber die einzige Möglichkeit für eine sichere Diagnose. „Wenn man das Futter danach wieder gibt und sich die Problematik wieder einstellt, kann man sich ziemlich sicher sein, die Ursache gefunden zu haben.“ Labortests mit dem Blut oder der Haut könnten lediglich einen Anhaltspunkt über mögliche Allergien geben, liefern aber keine verlässlichen Ergebnisse.

Alle Rassen sind betroffen
Zentek zufolge gibt es bislang keine kontrollierte Studien, wie viele Hunde eine (Fleisch-)Allergie haben. Es sei aber auffällig, dass sich immer mehr Tierhalter mit solchen Problemen vorstellten. Betroffen davon seien alle Rassen. „Besitzer und Tierärzte sind heute einfach stärker für dieses Thema sensibilisiert. Und auch die Verfügbarkeit von entsprechenden Bluttests war früher nicht gegeben.“ Der Geschäftsführer vom Tierzubehör-Anbieter Hundemaxx in Bayern, Frank Weber, meinte: „Das nimmt fast schon erschreckende Ausmaße an. Es ist erstaunlich, wie viele Hunde hier Probleme haben.“

Futter für „sensible“ Hunde
Detlev Nolte vom Industrieverband Heimtierbedarf sagte, dies sei „zunehmend ein Thema bei den Tierhaltern und damit auch ein Markt“. Zum einen sei die Zahl der Anbieter in den vergangenen Jahren gestiegen und zum anderen haben manche Firmen mittlerweile nur noch Futter für „sensible“ Hunde im Programm oder haben sich regelrecht auf Allergiker spezialisiert. Laut der Nachrichtenagentur kosten die speziellen Dosen mit Büffel-, Straußen- oder Kängurufleisch leicht das Zehnfache im Vergleich zum Hundefutter vom Discounter.

Etwas neues füttern
Tierärzten zufolge sollte man bei Verdacht auf eine Allergie etwas füttern, was der Hund zuvor noch nie gefressen hat. Die Wahrscheinlichkeit für eine allergische Reaktion sei dann gering. „Auf Rind und Getreide gibt es relativ oft allergische Reaktionen“, erklärte Heike Feld, Futterberaterin bei Herrmann’s Manufaktur im bayerischen Aßling. Das Unternehmen bietet unter anderem Futter an, in dem nur eine bestimmte Fleischsorte verarbeitet ist. Bei der Firma Vet-Concept in Föhren in Rheinland-Pfalz ist Allergikernahrung ebenfalls ein Schwerpunkt. „Wir sehen hier für uns ein großes Wachstum“, so die leitende Tierärztin Anne Dörries. Den Angaben zufolge verkauft das Unternehmen sein Dosenfutter mit Pferde-, Straußen- oder Büffelfleisch nur gegen Vorlage einer Diätempfehlung. „Diätfutter wie Allergikerfutter sind für einen ganz speziellen Ernährungszweck konzipiert. Es ist futtermittelrechtlich so festgelegt, dass man bei Diätfuttern immer einen Fachmann zurate ziehen sollte, bevor man es verfüttert.“ Bei anderen deutschen Unternehmen gibt es Trockenfutter mit Kängurufleisch und Kürbis oder Futter mit Ente und Tapioka.

Experten raten von exotischen Fleischsorten ab
Die exotischen Fleischsorten werden teilweise auch aus Marketinggründen für Hundefutter verwendet. Dadurch kann jedoch das Allergierisiko steigen; die Alternativen werden weniger. „Tierhaltern mit gesunden Tieren empfehlen wir daher kein Pferd, Strauß oder Känguru. Das ist eine Ressourcenfrage“, so Tierärztin Dörries. Und Professor Zentek hob hervor: „Wenn man so einen Problemhund hat, sollte man sich vernünftig beraten lassen. Viele behandeln ihr Tier jedoch jahrelang auf eigene Faust.“ Das mache es in vielen Fällen jedoch eher schlimmer, die Beschwerden könnten chronisch werden.

Vegetarische Ernährung als Alternative
Eine Alternative, die in der dpa-Meldung keine Erwähnung findet, ist die vegetarische oder vegane Ernährung für Hunde. Zwar kritisieren manche Menschen, dies sei keine artgerechte Hundeernährung, doch im Grundsatz können die Vierbeiner laut Experten auch fleischlos ernährt werden. Voraussetzung sei aber, dass alle essenziellen Nährstoffe zusätzlich gegeben werden, erklärte die stellvertretende Leiterin des Lehrstuhls für Tierernährung und Diätetik an der Ludwig-Maximilians-Universität München, Britta Dobenecker in einer älteren Meldung. Zu Fehlern komme es oft, wenn das vegane Hundefutter selbst Zuhause zubereitet wird. In vielen Geschäften wie beispielsweise Bioläden, gibt es schon seit Jahren entsprechende Produkte für Tier zu kaufen. Inzwischen sind sogar vegane „Knochen“ und vegane „Schweineohren“ im Handel zu finden.(ad)

Advertising