Mädchen saufen sich immer öfter ins Koma

Heilpraxisnet

Mehr Mädchen landen in der Klinik

16.12.2013

Die Zahl der Jugendlichen, die durch das sogenannte „Komasaufen“ ins Krankenhaus eingeliefert werden mussten, hat in 2012 einen neuen Rekord erreicht. Noch nie wurden so viele Fälle, seit Beginn der Datenerfassung im Jahr 2000, registriert. Auffällig ist, dass es unter den Mädchen zu einem deutlichen Anstieg gekommen ist. Nach Angaben des statistischen Bundesamts mussten im laufenden Jahr 26.673 Jungen und Mädchen aufgrund eines Vollrauschs in ein Krankenhaus eingeliefert werden. Das ist ein Plus von 1,2 Prozent und damit der höchste Wert seit 12 Jahren. Speziell der Anstieg von fünf Prozent unter den jungen Mädchen und Frauen ist Grund zu Sorge.

Bei den Jungen kam es indes nur zu einem Anstieg von 0,8 Prozent. Drei Viertel der eingelieferten Mädchen und junge Frauen waren noch minderjährig. Gegenüber 2011 sind es drei Prozent mehr. Laut der Datenauswertung der Techniker Krankenkasse (TK) für das Bundesland Bayern mussten in 2012 mehr als 2000 Jungendlichen im Alter von 15- bis 25 Jahren aufgrund exzessivem Alkoholkonsum in eine Klinik eingeliefert werden. Gegenüber dem Jahr 2009 ist das ein Anstieg von sogar 10 Prozent. TK-Sprecherin Kathrin Heydebreck erklärte, dass es gerade auf Volksfesten und sogenannte Flatrate-Partys, bei denen Jugendliche für einen Festbetrag unbegrenzt Alkohol trinken können, vermehrt zu notärztlichen Einsätzen kommt. Sie sieht als eine mögliche Ursache in diesem Verhalten, die Trinkgewohnheiten der Mütter und Väter innerhalb der Familien. „Wenn Vater und Mutter jeden Abend schon den Wein hinunterkippen, ist das für die Kinder ein schlechtes Vorbild, weil sie den Alkoholgenuss als etwas Normales empfinden.“Bei den Kindern senke das Verhalten der Eltern die Hemmschwelle, sich bis zur Besinnungslosigkeit voll laufen zu lassen und es wird ein völlig falsches Bild vom „Erwachsen sein“ vermittelt. „Früher wurde da schnell gesagt ’Der muss halt seinen Rausch ausschlafen’.“ Den meisten Kindern und Jugendlichen passiere es nur einmal, dass sie im Saufkoma in die Klinik eingeliefert werden. Die Krankenkassen müssen jährlich etwa 1,2 Millionen Euro für die stationäre Ausnüchterung aufbringen.

Positive Zahlen des Drogenberichts 2012 nicht überbewerten
Schönreden sollte man sich angesichts der Daten nicht die positiven Zahlen des diesjährigen Drogenberichts der Bundesregierung. Im Mai hatte sie noch verkündet, dass die Zahl der Jugendlichen Trinker abgenommen hat und auch das Alter, in dem Jugendliche mit Alkohol zu ersten Mal in Kontakt kamen, ist um ein paar Monate angestiegen. Insgesamt ist ein Abwärtstrend bei der Anzahl der Jugendlichen Kiffer und Trinker seit 2003 zu erkennen. Warum aber die Gruppe der „Komasäufer“ einen stetigen Anstieg verzeichnen, können die Experten nicht beantworten.

Bundesregierung setzt auf regionale Kampagnen
Bemühungen der Bundesregierung, wie zum Beispiel das Einschränken der Verkaufszeiten für Alkohol, halten Drogenexperten für einen guten Weg, exzessives Trinken unter Jugendlichen einzudämmen. "Solche Ansätze sind richtig, Jugendliche kaufen oft nachts an der Tankstelle", sagte der Geschäftsführer der Niedersächsischen Landesstelle für Suchtfragen, Manfred Rabes, in Hannover. Das allein reicht aber bei weitem nicht aus. Es müssen mehr Präventionskampagnen in Kooperation mit privaten Trägern der Jugendhilfe folgen, um dem Problem effektiv begegnen zu können. Wir setzen in Niedersachsen zum Schutz von Kinder und Jugendlichen vor allem auf gezielte Präventionsmaßnahmen, die dem riskanten Alkoholkonsum vorbeugen sollen", teilte Ministerin Rundt mit.

Sozialarbeiter/innen des Projektes "Halt" (Hart am Limit) sprechen Jugendliche nach einer Alkoholvergiftung im Krankenhaus gezielt an und ermutigen sie, an Gruppenseminaren teilzunehmen. Auch für Jugendliche, die noch keine Erfahrungen mit dem sogenannten Komasaufen gemacht haben, gibt es Seminare. Mit dem Workshop "Party machen ohne Stress und Alkohol", möchte die Region Hannover die Jugendlichen zu einem verantwortungsvollen Umgang mit Alkohol ermutigen. Doch neben den Programmen müssen nach Auffassung von Drogenexperten aber auch die Strukturen verändert werden, denn im europäischen Vergleich hat Deutschland mit die niedrigsten Alkoholpreise. (fr)

Bild: J.Bredehorn / pixelio.de