Infektiöse Hautkrankheit: Lieferengpässe bei Krätze-Arzneien

Alfred Domke

Orales Medikament gegen Krätze wird knapp

Zwar denken viele Menschen, Krätze wäre in Deutschland längst Vergangenheit, doch auch heutzutage tritt die juckende Hauterkrankung immer wieder mal auf. Zuletzt waren in Nordrhein-Westfalen mehrere Krankheitsfälle zu verzeichnen. In dem westdeutschen Bundesland wird nun das einzige orale Medikament gegen Krätze knapp.

Krätze galt bei vielen Menschen als ausgestorben

Krätze galt hierzulande lange Zeit als ausgestorben. Doch komplett von der Bildfläche verschwunden war sie nie. Es gab immer wieder mal Phasen, in denen die juckende Hauterkrankung zurückkehrte. Zuletzt waren in Nordrhein-Westfalen mehrere Fälle der ansteckenden Krankheit zu verzeichnen. So hat sich etwa kürzlich ein 10-jähriges Mädchen aus Köln damit infiziert. Einem Medienbericht zufolge wird nun das einzige orale Medikament gegen Krätze in NRW knapp.

In Nordrhein-Westfalen kam es in den vergangenen Wochen zu mehreren Krätze-Fällen. Nun wird das einzige in Deutschland produzierte orale Medikament gegen die Hautkrankheit knapp. (Bild: thodonal/fotolia.com)

Hautkrankheit wird durch Krätzmilben verursacht

Krätze (Skabies) ist eine parasitäre Hautkrankheit, die mit Bläschen, roten Pusteln, juckendem Hautausschlag und Schmerzen einhergeht.

Verursacht werden die unangenehmen Beschwerden durch Krätzmilben, die Kotballen und Eier in der Haut der Betroffenen ablegen, wo sie allergische Reaktionen auslösen. Dies löst dann den starken Juckreiz aus, welcher der Krankheit den Namen gab.

„Krätz(e)milben werden durch enge Kontakte von Mensch zu Mensch, besonders bei Bettwärme, übertragen“, berichtet das Gesundheitsamt der Stadt Bonn auf seiner Webseite.

„Es werden vor allem die Hautpartien zwischen den Fingern und hinter den Ohren sowie in Hautfalten der Handgelenke, Ellenbogen, Achseln, Gürtelgegend, Kniegelenk und Füßen, befallen. Manchmal kann man die Milbengänge in der Haut sehen“, so die Experten.

„Selten sind Übertragungswege durch infizierte Wäsche, Kleidung, Decken und Haustiere.“

Hautkrankheit ist gut behandelbar

Gesundheitsexperten zufolge ist die Erkrankung gut zu behandeln. Zur Therapie von Krätze sind verschiedene Präparate auf dem Markt. Als Mittel der Wahl gilt Permethrin, eine Creme die auf die gesamte Körperoberfläche aufgetragen wird.

Laut Fachleuten greifen Ärzte nur in Ausnahmefällen auf Alternativen zurück. Eine davon ist das Medikament Scabioral. Doch dieses ist laut einem Medienbericht derzeit in NRW knapp.

Wie die „Rheinische Post“ (RP) online berichtet, wird Scabioral in Deutschland nur von einem Hersteller (Infectopharm) produziert – und der kann offenbar seit Wochen nicht liefern.

Laut RP handelt es sich bei dem Medikament um eine Tablette, die meist bei einmaliger Einnahme alle Krätzmilben im Körper zerstört.

„Das Medikament wirkt sehr zuverlässig und ist vor allem bei Kindern hilfreich, bei denen der Einsatz von Cremes oft nicht ausreicht“, erklärte Heinrich Rasokat, Oberarzt an der Hautklinik der Uniklinik Köln, gegenüber der Zeitung.

Lieferschwierigkeiten wegen erhöhter Nachfrage

In einer RP-Umfrage zeigte sich, dass keine einzige befragte Apotheke das Präparat vorrätig hat. Bestellen kann man es demnach auch nicht, da der Hersteller seit September Lieferschwierigkeiten hat. Dies hat offenbar mit der erhöhten Nachfrage zu tun.

„Es gibt natürlich noch alternative Behandlungsmethoden. Gerade in nicht so schweren Fällen gibt man zunächst Cremes und nicht Tabletten. Aber gerade bei schweren Krätzefällen und eben Kindern ist Scabioral sehr hilfreich“, so Rasokat laut RP.

Auch in Krankenhäusern sei das Medikament oft nicht vorrätig, da Krätze-Patienten in der Regel ambulant, also von einem niedergelassenen Arzt, behandelt werden – und dieser kommt derzeit nicht an das Mittel ran.

Dem Zeitungsbericht zufolge kann man zwar alternativ auch ein anderes Präparat aus Frankreich bestellen, doch dieses muss dann importiert werden, und das wird nicht von allen Krankenkassen bezahlt.

Außerdem kann der Import bis zu zehn Tage dauern, ein sehr langer Zeitraum, vor allem auch vor dem Hintergrund, dass Patienten in dieser Zeit ihr Umfeld anstecken können.

Laut RP sei derzeit noch unklar, wann die Lieferschwierigkeiten behoben werden können. (ad)