Internet-Sucht bei Jugendlichen ein stark zunehmendes Problem

Fabian Peters
Suchtfaktor Internet: Exzessive Mediennutzung bei Jugendlichen
Anlässlich der laufenden Computerspielemesse „gamescom“ warnt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) ausdrücklich vor den Risiken der exzessiven Mediennutzung. Nicht selten entwickelt sich ein Suchtverhalten, dass weitreichende Auswirkungen auf das psychische Wohlbefinden und die sozialen Beziehungen der Betroffenen haben kann. Immer mehr Jugendliche sind von einer Internet-Sucht beziehungsweise einer Computerspiele-Abhängigkeit betroffen, so die BZgA.

Durchschnittlich verbringen Jugendliche heute im Alter von 12 bis 17 Jahren pro Woche etwa 22 Stunden mit Computerspielen oder der Internetnutzung, berichtet die BZgA. Dabei zeigen 5,8 Prozent aller Jugendlichen im Alter von 12 bis 17 Jahren mittlerweile ein gestörtes Internet- oder Computerspielverhalten, so die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler. Die Betroffenen haben Schwierigkeiten, ihr Spiel zu kontrollieren und zeigen regelrechte Entzugserscheinungen wie Aggressivität, Rückzug vom Alltag oder Depressionen.

Immer mehr Jungendliche zeigen laut einer aktuellen Mitteilung der BZgA unter computerspiel- und internetbezogenen Störungen. (Bild: lassedesignen/fotolia.com)

Anstieg der internetbezogenen Störungen
Die wachsende Internetsucht bei Heranwachsenden ist laut Aussage der Drogenbeauftragten „eine besorgniserregende Entwicklung.“ Aus den aktuellen Zahlen der BZgA geht hervor, dass der Anteil computerspiel- und internetbezogener Störungen bei männlichen Jugendlichen von 3,0 Prozent im Jahr 2011 auf 5,3 Prozent im Jahr 2015 gestiegen ist. Bei den Mädchen fällt die Entwicklung noch bedenklicher aus. So hat sich der Anteil bei den weiblichen Jugendlichen im gleichen Zeitraum von 3,3 Prozent auf 6,2 Prozent fast verdoppelt, berichtet die BZgA. Insgesamt seien Jungen eher an Computerspielen interessiert, während Mädchen sich vor allem mit den sozialen Medien befassen.

Jugendliche frühzeitig im Umgang mit Medien schulen
Exzessives Nutzungsverhalten ist laut Angaben der BZgA dadurch gekennzeichnet, „dass Betroffene Probleme haben, ihre Internetnutzung zu kontrollieren und unruhig oder gereizt reagieren, wenn sie nicht online sein können.“ Die Leiterin der BZgA, Dr. Heidrun Thaiss, betont, dass es für die Prävention exzessiver Mediennutzung entscheidend sei, „Jugendliche frühzeitig im bewussten Umgang mit Medien zu schulen und auf die damit verbundenen Risiken aufmerksam zu machen, um negativen Folgen wie Kontrollverlust und Vereinsamung entgegen zu wirken.“

Medienkompetentes Miteinander unter Jugendlichen fördern
Die BZgA bietet Schulen deutschlandweit mit dem Projekt „Net-Piloten“ Unterstützung, um das „medienkompetente Miteinander unter Jugendlichen zu fördern.“ Ohne „erhobenen‘ Zeigefinger“ werde hierbei ein Konzept der „Prävention auf Augenhöhe“ verfolgt, berichtet die BZgA. Außerdem biete die LWL-Universitätsklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie an der Ruhr-Universität Bochum (RUB) den Menschen, die bereits ein problematisches Online-Nutzungsverhalten entwickelt haben, „seit dem vergangenen Jahr den Online-Ambulanz-Service für Internetsüchtige (OASIS) an“, berichtet die BZgA.

Viele Anfragen bei der Online-Ambulanz
OASIS hat laut Aussage des Initiators Dr. Bert te Wildt einen besonderen Vorteil. Denn für Internetsüchtige sei „die Hemmschwelle, sich im Netz selbst Hilfe zu holen, offenbar niedriger, als sich direkt an eine Beratungsstelle zu wenden.“ Seitdem die Online-Ambulanz besteht hätten bereits mehr als 10.000 Nutzer den Selbsttest durchgeführt, „um herauszufinden, ob sie oder ein Angehöriger unter Internetsucht leiden.“ Hier zeige sich, dass das Internet zwar eine Suchtgefahr birgt, aber anderseits auch sinnvoll therapeutisch nutzbar gemacht werden kann.

Eltern sollten wachsam sein
Nicht zuletzt sind bei der Prävention der Internetsucht auch die Eltern gefragt. Sie müssen „wachsam bleiben, mit ihren Kindern darüber sprechen und ein medienkompetentes Vorbild sein“, betont die BZgA. Wer selbst beim Abendessen das Smartphone oder Tablet nicht mehr weglegt, sei den Kids gegenüber wenig glaubwürdig und vermittele sicherlich keine gesunde Online/Offline-Balance.

Zu den Herausforderungen und Risiken der virtuellen Welt für junge Menschen informiert die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) aktuell mit einem gemeinsamen Stand der Net-Piloten und des OASIS-Portals auf der Computerspielemesse „gamescom“. (fp)