Katzen und Hunde senken Allergie-Risiko

Fabian Peters

Geringeres Allergierisiko für Kinder bei frühzeitigem Kontakt mit Hunden und Katzen

14.06.2011

Die Wahrscheinlichkeit einer Allergie gegen Tierhaare wird durch den Kontakt von Kleinkindern zu Hunden und Katzen nicht, wie bisher häufig angenommen, erhöht, sondern stattdessen eher gesenkt. Zu diesem Ergebnis kommen Forscher des Detroiter Henry Ford Hospital, USA bei der Auswertung der Daten einer bereits in den 1980er Jahren begonnenen Langzeitstudie.

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Insgesamt wird das Allergierisiko von Kindern durch den Kontakt mit Haustieren nicht erhöht sondern tendenziell eher reduziert, berichten Ganesa Wegienka vom Detroiter Henry Ford Hospital und Kollegen in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins „Clinical & Experimental Allergy“. Entscheidend für das Allergierisiko der Heranwachsenden sind den US-Forschern zufolge vor allem die ersten Lebensjahre. Doch der Kontakt zu Haustieren hat an dieser Stelle keinen negativen Einfluss auf das Allergierisiko, sondern bringt eher Vorteile mit sich, so Wegienka und Kollegen weiter.

Haltung von Haustieren ohne negativen Effekt auf das Allergierisiko
Die bisherige Annahme, dass Allergierisiko der Kindern würde durch den frühen Kontakt mit Haustieren erhöht, hat sich im Rahmen ihrer aktuellen Studien nicht bestätigt, erklärten die US-Forscher des Detroiter Henry Ford Hospital. Die Sorge vor dem Kontakt mit Tierhaaren ist an dieser Stelle unbegründet, betonten Ganesa Wegienka und Kollegen. Denn durch den Umgang mit Hunden und Katzen wird das Allergierisiko der Heranwachsenden in keiner Weise negativ beeinflusst, so das Ergebnis der aktuellen Studie. Allergien und Asthma treten bei den Kindern, die bereits frühzeitig im Kontakt mit Haustieren standen, nicht häufiger auf als in tierlosen Haushalten, erläuterten die US-Forscher in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins „Clinical & Experimental Allergy“. Auf Basis der Daten der Detroit Childhood Allergy Study, die bereits seit Ende der 1980er Jahre jährlich die Gesundheit und Lebensumstände der Probanden aus den Geburtsjahrgängen 1987 bis 1989 erfasst, konnten die Forscher ermitteln, ob ein Zusammenhang zwischen der Haltung von Haustieren und dem späteren Allergierisiko besteht.

Kontakt mit Katzen reduziert Allergierisiko um rund 50 Prozent
Die US-Forscher konnten anhand der vorliegenden Daten überprüfen, ob und wie lange die Kinder in Kontakt mit Hunden oder Katzen waren, welche über die Hälfte der Zeit im Haus verbrachten. Mit 18 Jahren haben schließlich 565 Studienteilnehmer eine Blutprobe abgegeben, mit deren Hilfe die Antikörper gegen Hunde- und Katzenallergene untersucht werden konnten. Dabei stellten die Forscher fest, dass die Heranwachsenden, die in Kontakt mit Haustieren standen, genauso viele oder weniger Antikörper bildeten, wie die Kinder ohne Hunde oder Katzen. Ein wesentliches Ergebnis der aktuellen Studie ist, dass Heranwachsende, die mit Hunden und Katzen groß werden, nicht öfter unter Tierallergien leiden als Kinder, die keinen Kontakt zu Haustieren haben. Darüber hinaus fanden die US-Forscher heraus, dass vor allem das erste Lebensjahr einen entscheidenden Einfluss auf das spätere Allergierisiko hat. So unterliegen Heranwachsende, die im ersten Jahr eng mit Katzen zusammengelebt haben, einem um rund 50 Prozent reduzierten Allergierisiko gegenüber Katzenhaaren, berichten die US-Forscher.

Erstes Lebensjahr entscheidend für das Allergierisiko?
„Wir liefern neue Beweise, dass Erfahrungen im ersten Lebensjahr sich auf die Gesundheit im späteren Leben auswirken, betonte Ganesa Wegienka, Ärztin und Biostatistikerin des Henry Ford Hospital, Detroit. Allerdings lassen sich auch die positiven Effekte auf das Allergierisiko nicht verallgemeinern, denn der Kontakt mit Hunden zeigte nur bei den Jungen positive Wirkungen. Hatten die Jungen im ersten Lebensjahr Kontakt mit Hunden, so reduzierte dies das Allergierisiko ebenfalls um rund 50 Prozent, doch bei den Mädchen zeigte der Kontakt mit den kläffenden Vierbeinern keine Wirkung. Dies ist nach Ansicht der US-Forscher vermutlich auf einen unterschiedlichen Umgang der Mädchen und Jungen mit den Hunden zurückzuführen.

Weitere Studien zu der frühen Lebensphase geplant
In einem nächsten Schritt wollen die US-Forscher den Zusammenhang zwischen dem Kontakt zu Haustieren und dem Allergierisiko noch genauer untersuchen. Dabei soll der Fokus laut Ganesa Wegienka vor allem auf der frühen Lebensphase liegen, jedoch die Betrachtung kleinerer Zeitfenster ermöglichen. Zum Beispiel seien Untersuchungen zum ersten Monat oder den ersten drei Lebensmonate denkbar, berichten Wegienka und Kollegen. Dies ist nach Einschätzung der US-Forscher die Lebensphase, in der die Grundlagen für die spätere Immunabwehr gelegt werden. Das direkt nach der Geburt kaum entwickelte Immunsystem, ist den Experten zufolge besonders anfällig und wird erst durch den Kontakt mit den Krankheitskeimen immer weiter ausgeprägt. Entsprechende Antikörper müssen erst gebildet und die Abwehrreaktionen sozusagen erlernt werden. Dabei hat der Umgang mit Haustieren offenbar eine vorteilhafte Wirkung. (fp)