Hundeosteopathie – Osteopathie für Hunde

Hundeosteopathie: Die Osteopathie für den Hund. Bild: Quasarphoto/fotolia)
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Osteopathie für Hunde

Immer mehr Hunde haben Erkrankungen und Probleme im Bewegungsapparat. Hier kann die Osteopathie für Hunde bzw. Hundeosteopathie helfen. Egal ob Hüft- oder Ellenbogendysplasien, Spondylosen, Bandscheibenvorfälle oder ein fragmentierter Processus Anconeus. Auch die Zahl der Kreuzbandrisse und operierten OCDs steigt unaufhörlich. Die Möglichkeiten der Behandlungen werden immer vielfältiger -so wurden auch die osteopathischen Techniken die ja bereits erfolgreich bei Mensch und Pferd angewendet werden, auf den Hund durch die Hundeosteopathie übertragen, um die Leiden der vielfältigen Bewegungsprobleme zu lindern.

Hundeosteopathie:
Hundeosteopathie – Osteopathie für Hunde
Die Geschichte der Osteopathie
Weiterentwicklung der Osteopathie
Vom Mensch zum Pferd
Vom Pferd zum Hund
Entstehung von Beschwerden
Ursachen von Beschwerden

Die Geschichte der Osteopathie

Die Grundprinzipien der Osteopathie wurden vor etwa 130 Jahren durch dem us- amerikanischen Arzt Dr. Andrew Taylor Still (1828 – 1917) entwickelt. Die Erkenntnisse von Dr. Still wurden später durch seine Schüler auf bestimmte Prinzipien erweitert:

1) Strukturen im Körper benötigen Bewegung für ihre Funktion
Dr. Taylor Still erkannte, dass Krankheiten mit einer verminderten Eigenbewegung von Strukturen wie Muskeln, Faszien, Bändern, Gelenken, Knochen und Organen einhergehen können. Der Organismus wird hierbei wie ein Uhrwerk gesehen: Die Vielzahl kleiner Rädchen arbeiten mit hoher Präzision zusammen und Wenn nur 1 Rädchen stehen bleibt – kann das ganze System ausfallen. Die Osteopathie hilft dabei Bewegungseinschränkungen aufzuspüren und zu lösen.

Hundeosteopathie: Die Osteopathie für den Hund. Bild: Quasarphoto/fotolia)
Hundeosteopathie: Die Osteopathie für den Hund. Bild: Quasarphoto/fotolia)

2) Wechselwirkung von Struktur und Funktion
Dieses Prinzip bedeutet, dass Funktionen eines Organes, Muskels, Gelenkes, Bandes oder eines Knochens seine Struktur bestimmen. Umgekehrt gilt dasselbe, denn die Struktur kann auch die Funktion bestimmen: So ist zum Beispiel das Schienbein deutlich dicker und größer als das Wadenbein, weil das Schienbein dafür zuständig ist, einen Großteil des Körpergewichtes zu tragen.

3) Betrachtung des Organismus als untrennbare Einheit
Eine Betrachtung des menschlichen Körpers als eine zusammenhängende Einheit gilt unter anderem auch in der chinesischen Medizin (TCM). Es bedeutet, man sollte immer alle Strukturen betrachten, aber auch bei einem Problem den gesamten Körper. So wird zum Beispiel ein Osteopath bei einem Kreuzbandriss diesen meist nicht isoliert betrachten und behandeln, sondern er wird sich auch beispielsweise die Sprunggelenke, die Füße, die Hüften und die Wirbelsäule ansehen. Denn durch eine schiefe und unphysiologische Belastung des Knies durch den Kreuzbandriß, können andere Gelenke „schief“ und asymmetrisch belastet , sowie die gesunde Körperseite durch Schonhaltung dekompensiert werden.

4) Fähigkeit zur Selbstheilung
Ein Körper ist ständig bestrebt, ein Gleichgewicht in seinen Funktionen anzustreben. Die Fähigkeit unseres Körpers dazu verdanken wir seinen Selbstheilungskräften.

5) Arterielle Regel
Dieses Prinzip beschreibt, dass Zellen und Gewebe eines Organismus nur zu 100% voll funktionsfähig sind, wenn die Zu- und Ableitung von Blut und Lymphe optimal verläuft. Narben, Entzündungen, Muskelverspannungen und Verletzungen können diese Mikrozirkulation einschränken.

Weiterentwicklung der Osteopathie

William Garner Sutherland (1873 – 1954), ein direkter Schüler von Still, benennt um 1939 die primäre Respirationsbewegung (PRM). Es geht um einen minimalen, aber markanten Körperrhythmus, der therapeutisch und diagnostisch genutzt werden kann. W.G. Sutherland bringt damit in die Osteopathie die kraniosakrale Therapie ein.

Nach Europa bringt die Osteopathie ein Schüler von Still, John Martin Littlejohn. Er gründet 1917 die bis heute existierende British School of Osteopathy (BSO). Aber erst seit 1993 findet der Berufstand des Osteopathen in England rechtliche Anerkennung. Etwa 40 Jahre später kommt die Osteopathie auch auf dem europäischen Festland an. In Frankreich bereichern die Osteopathen Jacques Weischenck und Jean-Pierre Barral die Osteopathie um den viszeralen Bereich: Die Diagnose und Behandlung der Organe.

Für viele Protagonisten der Osteopathie besteht diese damit aus 3 Bereichen:
– Parietale Osteopathie (Bewegungsapparat mit Muskeln, Knochen, Faszien, Sehnen und Bändern)
– Viszerale Osteopathie (Organe, mit umgebenden Strukturen und Aufhängungen)
– Kraniosakrale Osteopathie (Schädelknochen, Hirnhäute, Kreuzbein und umgebende Strukturen)

Vom Mensch zum Pferd

Der französische Tierarzt Dominique Giniaux übertrug Anfang der 70er Jahre die Prinzipien der Osteopathie auf Pferde. Denn die Anatomie und Funktionalität von Muskeln, Gelenken, Bändern und Sehnen des Menschen sind der des Pferdes ähnlich.

Pascal Evrard und Frau Beatrix Schulte Wien (Krankengymnastin und Humanosteopathin) brachten die Pferdeosteopathie nach Deutschland und gündeten die erste Schule in Dülmen, das „Deutsche Institut für Pferde-Osteopathie“ (DIPO) für Tierärzte, Ärzte und Physiotherapeuten. Im September 2000 gründete Pacal Evrard in Kelkheim die „Frankfurt International School of Equine Osteopathy“ (FISEO) und war bis zu seinem plötzlichen Tod Anfang 2004 immer bemüht, die Pferdeosteopathie weiter zu entwickeln und international weiter zu verbreiten.

Mittlerweile ist die Pferdeosteopathie eine anerkannte alternative Therapiemöglichkeit zur Behandlung sämtlicher Störungen des Bewegungsapparates. In der Pferdebehandlung wird hauptsächlich mit Elementen der Parietalen und Kranio-Sakralen Therapie gearbeitet.

Vom Pferd zum Hund

Erst 2006 startete der ersten Ausbildungsgang am DIPO zum Hundeosteotherapeuten. Denn auch immer mehr Hunde haben große Probleme im Bewegungsapparat, die mithilfe einer osteopathischen Behandlung deutlich verbessert werden können.

Die osteopathische Behandlung von Hunden weißt viele Parallelen zur menschlichen Behandlung auf, aber doch recht große Unterschiede zur Pferdebehandlung. Häufig kommen die Bewegungsbeschwerden bei Hunden von Ungleichgewichten der inneren Organe und deren Aufhängungen, sowie von Muskelverspannungen und Muskelüberbelastungen.

Diese Ursachen lassen sich sehr gut über die viszerale Osteopathie, über die weichen parietalen Behandlungsmöglichkeiten – wie die Faszientechniken und die Kranio-Sakral Therapie behandeln. Oft kann man sich das sogenannte „Einrenken der Wirbelsäule“ sparen, wenn man die Hunde so vorbehandelt. Diese Art der Behandlung ist für den Organismus schonender, wird vom Hund sehr gut toleriert und kann vom Körper besser umgesetzt werden, so dass die Behandlungsintervalle auch bei chronischen Beschwerden immer weiter auseinanderrücken können.
Aber auch akute Blockaden die z.B. beim Spielen oder Sport passieren, lassen sich mit diesen weichen Techniken gut behandeln. Aus diesem Grund sollten Hundebesitzer unbedingt bei der Auswahl ihrer Therapeuten auf eine gute, spezifisch auf die Hundeanatomie und Hundephysiologie ausgerichtete Ausbildung achten.

Beschwerdebilder – Osteopathie bei meinem Hund
Zu behandelnde Beschwerdebilder sind:

– Lahmheiten
Rückenschmerzen,
– Wirbelsäulenblockaden,
– Bandscheibenvorfälle (Dackellähme)
– Arthroseschmerzen
– allgemeine Bewegungseinschränkungen und Veränderungen
– HD / ED
– Cauda-Equina Kompressionssyndorm (CECS),
– Kreuzbandriss OCD,
– Vor und nach sämtlichen Operationen,
– Epilepsien,
– Beschwerden vor/nach oder während der LäufigkeitVerdauungsproblematiken
– Harnträufeln / Inkontinenz
– Muskelschwächen
– Zur Steigerung der Lebensqualität im Alter

Entstehung von Beschwerden

Wenn ein Hund auf einmal nicht mehr in den Kofferraum springt, wenn der Hund sporadisch humpelt oder unrund läuft, beim Gassi gehen ständig hinter her zuckelt, stehen bleibt oder sich gar hinlegt, ab und zu mal mit der Hinterhand umfällt, mit den Krallen schleift, immer öfter sehr steif nach längeren Ruhepausen ist, sich anders hin setzt oder diesen Befehl gar verweigert – was sonst nie vorgekommen ist, aber auch plötzliche Aggressionen gegen jeden anderen Hund, schnappen und knurren beim Bürsten, Zuckungen im Fell beim Streicheln des Rückens, Bewegungsunlust, Spielunlust oder andere ähnliche Symptome zeigt, können Blockaden vorliegen.

Die Liste der aufzuführenden Möglichkeiten, die auf Probleme oder Schmerzen im Bewegungsapparat hinweisen können, ist sehr lang. Denn Hunde sind Meister der Kompensation und des Nichtzeigens von Schmerzen oder Problemen. Und erst wenn es keine andere Möglichkeit mehr gibt, zeigen sie eindeutig das etwas nicht in Ordnung ist. Aber leider haben wir dann oft schon einen Bandscheibenvorfall, einen Kreuzbandriß oder ähnliches. Es macht also Sinn, diese kleinen Veränderungen an seinem Hund ernst zu nehmen und überprüfen zu lassen, bevor größere Schäden auftreten.

Ursachen von Beschwerden

Die Ursachenliste ist für die Beschwerden ist lang und vielfältig. Bei vielen sogenannten „Modehunden“, wird einfach mit allem was geht gezüchtet – egal ob die Elterntiere gesund sind oder nicht. Und so werden natürlich einige Krankheiten mit vererbt. Aber auch die Häufigkeit der Würfe spielt eine Rolle – wenn eine Hündin 2x im Jahr Junge bekommt, um die Profitgier Ihrer Besitzer zu stillen, ist die Kraft die sie an Ihre Babys weiter geben kann sehr minimal. Nicht umsonst gibt es bei allen Verbänden der Hundezucht hier Beschränkungen.

Aber auch Belastung, Überlastung, sowie eine bedachte Aufzucht haben sehr viel mit der späteren Gesundheit eines Hundes zu tun. Hier muß das Verhältnis zwischen Be- und Entlastung stimmen und dafür gibt es kein Pauschalrezept!
Bestes Beispiel ist Fahrradfahren. Hier scheiden sich die Geister der Experten. Meine Meinung ist dazu: Fahrradfahren ja- für alle Hunde, auch für Doggen. Das „Wie„ ist hier auschlaggebend: Man fängt natürlich ganz langsam an und das heißt zur Not auch erst mal das Fahrrad zu schieben, bis der Hund verstanden hat, was er da machen soll. Und dann beginnt man mit fünf Minuten langsamen Trab und steigert dieses ganz, ganz, ganz langsam – bei Hunden im Wachstum wird nie mehr als 2x wöchentlich max. 30 Minuten gefahren und vor allem nach Tempovorgabe des Hundes! Grundsätzlich wird immer so schnell gefahren wie der Hund im langsamen Trab laufen kann (das gilt auch für kleine Hunde ) – und kein wildes Gerenne veranstaltet. Wenn man so vorgeht, sollte bei einem gesunden Organismus die Muskulatur wachsen und sie kann somit die Gelenke und den Rücken unterstützen.

Eine Ausnahme stellen Treppengehen (vor allem unkontrolliert) dar, und ständiges auf das Sofa Rauf- und Runterspringen. Dies sind zumeist unphysiologische Bewegungsmuster, die als nicht artgerecht bezeichnet werden können. (Friederike Franze, Humanphysiotherapeutin, Hundephysiotherapeutin und Hundeosteopathin)