Kaum mehr heilende Gonorrhö-Therapie: Tripper wird zur Todesfalle

Nina Reese
WHO warnt vor zunehmenden Antibiotika-Resistenzen
Die Geschlechtskrankheit Gonorrhoe lässt sich offenbar immer schwerer bekämpfen. Wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) berichtet, seien die Erreger der – umgangssprachlich auch als „Tripper“ bekannten – Infektionskrankheit, immer öfter gegen sämtliche Antibiotika unempfindlich. Ein großes Problem, denn bleibt die Erkrankung unbehandelt, drohen chronische Entzündungen der Geschlechtsorgane und sogar Unfruchtbarkeit. Weltweit Jedes infizieren sich den Angaben der WHO zufolge schätzungsweise 78 Millionen Menschen weltweit mit Gonorrhoe.

Tripper wird durch Gonokokken verursacht
Die Gonorrhoe ist eine der häufigsten sexuell übertragbaren Krankheiten. Die auch unter dem Namen Tripper bezeichnete Erkrankung wird durch das Bakterium „Neisseria gonorrhoeae“ (Gonokokken) verursacht und lässt sich daher nur mit Antibiotika gezielt bekämpfen. Doch das wird offenbar immer schwieriger, denn wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) informiert, haben die meisten Mittel inzwischen Resistenzen gebildet und dadurch ihre Wirksamkeit verloren.

Um die Geschlechtskrankheit Gonorrhoe bekämpfen zu können, seien aus Sicht der WHO dringend neue Antibiotika und innovative Labordiagnostik notwendig. (Bild: SENTELLO/fotolia.com)

Auswahl an Medikamenten wird immer kleiner
Derzeit wären kaum noch Medikamente verfügbar, die gegen Tripper helfen könnten, so die aktuelle Mitteilung. Demnach würden sich gegenwärtig nur drei neue chemische Substanzen in verschiedenen Phasen der klinischen Erprobung befinden.

„Die Bakterien, die Gonorrhoe verursachen, sind besonders schlau. Jedes Mal, wenn wir eine neue Klasse von Antibiotika verwenden, um die Infektion zu behandeln, entwickeln sich die Bakterien, um ihnen zu widerstehen“, sagte Dr. Teodora Wi von der WHO laut der Mitteilung.

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Erkrankung kann zu Unfruchtbarkeit führen
Eine problematische Situation, denn wird die Erkrankung nicht behandelt, drohen Spätfolgen wie z.B. Entzündungen der Eierstöcke bei der Frau oder der Nebenhoden beim Mann sowie eine dauerhafte Unfruchtbarkeit. Zudem erhöht eine Infektion das Risiko für HIV. In seltenen Fällen können die Erreger über das Blut in den Körper gelangen und auf diesem Wege Gelenkentzündungen oder sogar Herzklappenentzündungen verursachen (systemische Infektion).

Knapp 80 Millionen Neuerkrankungen jährlich
Jedes Jahr infizieren sich schätzungsweise 78 Millionen Menschen mit Gonorrhoe, wobei die Ansteckung fast immer durch ungeschützten Geschlechtsverkehr erfolgt. Afrika ist laut der WHO dabei der Kontinent mit den meisten Infektionen. Die Gesundheitsorganisation hatte schon in einem Bericht aus dem letzten Jahr davor gewarnt, dass „die Antibiotikaresistenz der sexuell übertragbaren Krankheiten Gonorrhoe, Syphilis und Chlamydiose rapide zugenommen hat, wodurch die Möglichkeiten der Behandlung geschrumpft sind.“

Verbesserte Labordiagnostik notwendig
Bestimmte Gonorrhoe-Stämme würden demnach auf keine der verfügbaren Antibiotika mehr reagieren, so die WHO. Die Resistenzen bei Chlamydiose und Syphilis seien zwar weniger häufig, würden aber dennoch die Prävention und sofortige Behandlung erschweren. Von diesen Krankheiten seien jährlich 131 Millionen bzw. 5,6 Millionen Menschen betroffen.

„Um die Gonorrhoe zu kontrollieren, brauchen wir neue Ausstattungen und Systeme […]. Speziell brauchen wir neue Antibiotika, sowie schnelle, genaue, patientennahe Labordiagnostik – idealerweise eine, die vorhersagen kann, welche Antibiotika bei einer bestimmten Infektion anschlagen – und längerfristig ein Impfstoff zur Verhinderung von Gonorrhoe“, so Dr. Marc Sprenger, Direktor für antimikrobielle Resistenz bei der WHO. (nr)