Kinderwunsch: Eizellen bei „Social Freezing“ einfrieren lassen

Sebastian
Viele Frauen lassen ihre Eizellen für späteren Kinderwunsch einfrieren
Immer mehr Frauen in Deutschland nutzen das sogenannte „Social Freezing“. Sie lassen dabei ihre Eizellen einfrieren, um dann – meist Jahre später – Kinder zur Welt bringen zu können. Experten weisen jedoch darauf hin, dass diese Methode den Babywunsch oft nicht erfüllt.

Methode war für Krebspatientinnen entwickelt worden
Viele Frauen, die Kinder haben wollen, verschieben ihr Vorhaben oft auf spätere Jahre, um beispielsweise ausreichend Zeit für ihre Karriere zu haben. Dabei wird das sogenannte „Social Freezing“ immer populärer. Mit Hilfe dieser Methode kann man den Kinderwunsch in Eis anlegen. Bei dem Verfahren werden der Frau Eizellen entnommen und eingefroren. Auch Jahre später können sie wieder aufgetaut, im Labor befruchtet und der Frau eingesetzt werden. Diese Methode war ursprünglich für Krebspatientinnen entwickelt worden. Die Patientinnen haben dadurch die Möglichkeit, sich vor einer Chemotherapie Eizellen entnehmen zu lassen, damit diese vor den zerstörerischen Chemikalien geschützt werden. Mittlerweile nutzen aber auch immer mehr gesunde Frauen das Verfahren und verschieben ihre Familienplanung auf einen späteren Zeitpunkt.

Option für Später: Eizellen einfrieren. Bild: kasto - fotolia
Option für Später: Eizellen einfrieren. Bild: kasto – fotolia

Unternehmen finanzieren Mitarbeiterinnen das Einfrieren der Eizellen
Als die beiden US-Unternehmen Apple und Facebook vor einigen Monaten ankündigten, dass sie ihren Mitarbeiterinnen das „Social Freezing“ finanzieren wollen, war die Empörung in Ländern wie Deutschland groß. Das Medienecho hat offenbar aber auch dafür gesorgt, dass mehr Frauen auf das Verfahren aufmerksam geworden sind. Die Zahl der Interessentinnen stieg. Wie die „Welt“ online berichtet, schätzt Sebastian Ellinghaus von „profertilitaet.de“, dass in Deutschland rund 1.000 Frauen pro Jahr nach „Social Freezing“ fragen. „Aber längst nicht jede Frau, die nachfragt, lässt den Eingriff tatsächlich machen.“ Auch wenn es bislang keine belastbaren Zahlen gibt, gehen Reproduktionsmediziner davon aus, dass jährlich rund 500 Frauen ihre Eizellen einfrieren lassen.

„Social Freezing“ ist keine „Babyversicherung“
Diese Zahlen könnten weiter steigen, unter anderem auch, da Anbieter die Methode stark bewerben. So haben etwa VivaNeo, ein Zusammenschluss aus Kinderwunschzentren, und die Eizellbank Seracell in Berlin kürzlich eine Podiumsdiskussion unter dem Titel „Social Freezing & Social Impact“ veranstaltet. „Wir wollen den Frauen ein Stück Freiheit geben“, erklärte Seracell-Gründer Mathias Freund. Reproduktionsmediziner weisen jedoch darauf hin, dass es sich bei der Methode nicht um eine Art „Babyversicherung“ handle und man sich nicht zu sehr darauf verlassen sollte. „Es ist allenfalls eine chancensteigernde Maßnahme“, erläuterte Sören von Otte, Reproduktionsmediziner am Kinderwunschzentrum des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein in Kiel.

Eizellen in jungen Jahren einfrieren lassen
Für die Erfolgsaussichten ist vor allem entscheidend, zu welchem Zeitpunkt Eizellen entnommen werden: „Am besten lässt man Eizellen vor 30 einfrieren“, so Ute Czeromin, Reproduktionsmedizinerin und Vorstandsvorsitzende des Deutschen IVF-Registers. Heribert Kentenich, Leiter des Berliner Fertility-Centers, erklärte jedoch, dass nur die wenigsten Frauen in so jungen Jahren auf diese Idee kämen: „Drei Viertel der Interessentinnen sind Akademikerinnen zwischen 35 und 39 Jahren.“ In diesem Alter ist die Entnahme der Zellen jedoch schwieriger als noch mit Mitte 20. Und für Frauen jenseits der 40 sind die Aussichten noch düsterer. „Da muss man klar sagen, dass die Chancen sehr schlecht stehen“, so Ute Czeromin.

„Lasst die Verhütung weg“
In den USA ist die Methode zu einem weit verbreiteten Trend geworden. Dort veranstalten manche junge Frauen sogar „Egg-Freezing Parties“. Hierzulande sind die meisten Experten aber skeptisch. So sagte Ute Czeromin: „Meiner Ansicht nach müssen sich die gesellschaftlichen Bedingungen für die Entscheidung zur Familienbildung in jungen Jahren ändern.“ Sie hält es für bedenklich, den Konflikt zwischen Kind und Karriere mit dem „Social Freezing“ zu lösen. „Frauen und Männern, die ein Leben mit Kind möchten, rate ich am liebsten: Lasst die Verhütung weg.“ Wird es trotzdem nichts mit dem Babywunsch, kann Kinderlosen eine genetische Beratung oft weiterhelfen. Und erst kürzlich hatte Dr. Michael Teut, Oberarzt und Leiter der Charité Ambulanz für Prävention und Integrative Medizin aus Berlin, in einem Interview erläutert, dass der Wunsch auf Nachwuchs dank Naturheilkunde gefördert werden könnte.

Gutes Geschäft für Anbieter
Wenn keine medizinische Notwendigkeit, etwa aufgrund einer Krebsbehandlung vorliegt, müssten sich Ärzte laut Czeromin bei „Social Freezing“ fragen: „Kann ich das mit meinem Medizinerethos verantworten?“ Sie sagte, dass diese Konservierung von Eizellen, um die Familienbildung aus fruchtbaren Jahren in ein höheres Lebensalter zu verschieben, mit der Behandlung einer Krankheit nichts zu tun habe. Die Anbieter können mit dieser Methode aber sehr viel Geld verdienen. So rufen Seracell und VivaNeo derzeit 2.500 Euro für Entnahme und Konservierung auf. Des Weiteren kommen Kosten für Medikamente und die Stimulation der Eizellreifung hinzu. Von den Krankenkassen wird das Verfahren der „Welt“ zufolge nicht bezahlt. (ad)