Knapp jeder Zweite erleidet psychische Störung

Fabian Peters

NRW-Gesundheitsministerin: Jeder zweite Erwachsene wird psychisch krank

29.08.2013

Knapp jeder zweite Bundesbürger wird mindestens ein Mal im Leben psychisch krank, berichtet die Gesundheitsministerin Nordrhein-Westfalens, Barbara Steffens (Grüne), in einer aktuellen Pressemitteilung. Nach Einschätzung der Ministerin eine „alarmierende Entwicklung“, die durch Maßnahmen allein im Gesundheitssystem nicht zu stoppen ist.

Die Zunahme der psychischen Erkrankungen zeigt sich der Gesundheitsministerin Nordrhein-Westfalens zufolge auf vielfältiger Ebene. So sei zum Beispiel „die Zahl der Beschäftigen, die aufgrund einer psychischen Erkrankung vorzeitig in Rente gehen müssen, in Nordrhein-Westfalen innerhalb von zehn Jahren um 70 Prozent gestiegen.“ Auch habe deutschlandweit die Verordnung von Psychopharmaka bei Kindern und Jugendlichen deutlich zugenommen. Bei Älteren sei der Konsum ebenfalls bedenklich hoch. Hier ist „eine breite gesellschaftliche Debatte“ darüber erforderlich, „wie wir allgemein wieder zu einem gesünderen Leben zurückfinden können“, betonte Steffens.

Beschleunigung und Stress bestimmen das Leben
Maßgeblich für die Zunahme der psychischen Erkrankungen ist nach Ansicht der Ministerin der massive Stress, dem viele Bundesbürger ausgesetzt sind. „Schon Kinder müssen den Anforderungen der Leistungsgesellschaft genügen. Statt Zeit zu haben, sich selbst zu erfahren, sind manche Fünfjährige mit einem frühkindlichen Bildungsprogramm verplanter als Erwachsene“, bemängelte Barbara Steffens. Selbst Krankheiten würden von vielen nicht mehr als Signal des Körpers verstanden, dass dieser Ruhe zur Selbstregulation braucht, sondern es erfolge eine möglichst schnelle Behandlung, damit der Körper in kürzester Zeit wieder funktionstüchtig ist. Auch „Kinder können sich häufig nicht mehr wirklich auskurieren, weil ihre Eltern im Berufsleben weiter ,funktionieren‘ müssen, was mit einem kranken Kind meist nicht so einfach möglich ist“, berichtet Steffens. Die Ministerin betonte, dass Beschleunigung und Stress heute vielfach das Leben bestimmen und das psychische Wohlbefinden dabei oftmals zu kurz komme. „Doch seelische Gesundheit ist eine wesentliche Voraussetzung für Lebensqualität und Leistungsfähigkeit“, erläuterte Steffens.

Zunahme des psychischen Erkrankungen schwer zu stoppen
Zwar hat das Land Nordrhein-Westfalen angesichts der deutlichen Zunahme der psychischen Erkrankungen umfassende Investitionen in die Versorgungsstrukturen und Hilfsangeboten beschlossen, doch ist nach Ansicht der Gesundheitsministerin klar, dass wir „alleine durch Veränderungen des Gesundheitssystems die Zunahme psychischer Erkrankungen nicht stoppen können.“ Vielmehr müsse es vor allem gelingen, unser Leben zu entschleunigen und den Stress auf ein gesundes Maß zu reduzieren. Alleine schaffe dies „fast niemand“, erläuterte Steffens und ergänzte: „Dazu benötigen wir eine breite Debatte, wie wir künftig leben möchten.“ (fp)

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Bild: Dieter Schütz / pixelio.de