Kopfschmerzen sind keine Einbildung

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Kopfschmerzen sind keine Einbildung: Therapien können Häufigkeit und Intensität der Attacken deutlich reduzieren

02.09.2013

Kopfschmerzen zählen neben Rückenschmerzen zu den häufigsten Schmerzformen. Etwa vier bis fünf Prozent der deutschen Bevölkerung leiden unter täglichen und cirka 70 Prozent unter chronischen (immer wiederkehrenden) Kopfschmerzen.

Insgesamt tritt Migräne bei Frauen etwa dreimal so häufig auf wie bei Männern und hat ein vielgestaltiges Krankheitsbild. Hinzu kommen vier Millionen Menschen, die leiden unter anderen Formen wie beispielsweise dem Cluster-Kopfschmerz leiden. Neue Medikamente und Therapieformen helfen einem großen Teil der Patienten. Aber was kann eine

Gregor Brössner, Leiter der Kopfschmerzambulanz an der Klinik für Neurologie der MedUni Innsbruck, ist das Ziel der sogenannten Attackentherapie, dass die Patientin oder der Patient innerhalb von zwei Stunden schmerzfrei ist oder die Schmerzintensität zumindest deutlich reduziert wird.

„Dies kann bei fachgerechter Anwendung häufig bereits mit herkömmlichen Schmerzmitteln bzw. mit speziellen Migräne-Medikamenten – Triptanen – erreicht werden. Unbehandelte Attacken dauern meist ein bis zwei Tage“, erklärt der Mediziner. Gut Reduzieren kann man die Zahl der Attacke mit Medikamenten, wie Betablockern, Antiepileptika, Kalziumantagonisten. „Hier ist das Ziel eine Halbierung der Häufigkeit“, so der Experte. Unrealistisch ist zu glauben, dass sich unmittelbar nach der Einnahme eine Schmerzfreiheit einstellt.

Seit kurzem wurde in Österreich bei Patienten mit chronischer Migräne eine vorbeugende Therapie mit „Botulinumtoxin“ zugelassen. Diese Patienten haben an mehr als 15 Tagen im Monat Kopfschmerzen. Mindestens acht Tage davon mit Migräneattacken. Zusätzlich wurde eine andere Therapie mit vorbeugenden Medikamente bereits ohne Erfolg ausprobiert. Den Patienten wird an 31 Stellen rund um den Kopf Botulinumtoxin injiziert, nach zwölf bzw. 24 Wochen wird die Therapie wiederholt. Die Ergebnisse zeigten bei einem Teil der Betroffenen eine deutliche Verringerung der Anfall-Häufigkeit.

„Wie lange der Effekt anhält, wissen wir allerdings noch nicht, Langzeiterfahrungen mit der Therapie gibt es noch keine“, so der Neurologe. Ausdauersport betreiben, gab es sehr gute Daten zum Biofeedback: Auf den Nacken geklebte Elektroden messen die Muskelspannung, die auf einem Bildschirm angezeigt wird. Unter Anleitung eines Physiotherapeuten lernt man, mithilfe von Atem-, Entspannungs- und Konzentrationstechniken – wie etwa der progressiven Muskelentspannung nach Jacobson – seine Muskelspannung zu reduzieren. Bei der Akupunktur ist die Datenlage widersprüchlich, in manchen Studien zeigten sich positive Effekte, in anderen nicht.

Dass Diäten helfen konnte bisher nicht eindeutig belegt werden. Schokolade als Auslöser wird in der Mehrheit der Fälle zu Unrecht verdächtigt. In der Vorphase einer Migräneattacke, vor dem Auftreten der Kopfschmerzen, kommt es durch die Abläufe im Gehirn zum Heißhunger, zum „Food Craving“. Bei uns wird der häufig mit Schokolade gestillt. „Man könnte genauso gut Gummibären essen, dann würden diese als Auslöser beschuldigt werden. Wenn jemand wirklich den Eindruck hat, dass ein bestimmtes Lebensmittel Migränesymptome verstärkt, soll man dieses eine Produkt weglassen“, sagt Brössner

Schritt versuchen die Neurologen zu unterscheiden, ob der Kopfschmerz die Erkrankung selbst – wie bei Migräne, Cluster- oder Spannungskopfschmerz – ist, oder nur das Symptom einer anderen Erkrankung wie z. B. einer Gehirnblutung oder eines Gehirntumors. Ein solcher sekundärer Kopfschmerz kann nur mittels exakter Diagnose ausgeschlossen werden. Bei der Anamnese, muss der Arzt also auf den Erzählungen des Patienten genau achten. Deshalb ist eine gute Arzt-Patienten-Beziehung wichtig.

Brössner erzählt, dass viele Betroffene sich nicht ernst genommen fühlen und unter dem Vorurteil leiden, sie würden sich die Schmerzen einbilden. „Dabei ist heute wissenschaftlich unumstritten, dass dieser nichts mit Einbildung zu tun hat“. Neue bildgebenden Verfahren, wie funktionelle die Magnetresonanztomografie, können den Schmerz teilweise sogar sichtbar machen. Wir wissen heute, dass das Gehirn von Patienten mit Migräne oder Clusterkopfschmerz während einer Attacke ganz einfach anders funktioniert. Außerdem sind in den vergangenen Jahren einige genetische Ursachen für Migräne entdeckt worden“, gibt der Mediziner an. (fr)

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Bild: B. Stolze / pixelio.de