Krankenkassen: Immer mehr Abrechnungsbetrug

Heilpraxisnet

Krankenkassen leiden unter zunehmendem Abrechnungsbetrug

17.05.2014

Den Krankenkassen in Deutschland entstehen durch Abrechnungsbetrug Schäden in Millionenhöhe. Seien es gefälschte Rezepte, nicht erbrachte Leistungen oder überhöhte Abrechnungen: Das Ausmaß des Schadens ist für manche Kassen größer als je zuvor. Viele der Täter kommen ungestraft davon.

Rasanter Anstieg der Schäden
Durch Abrechnungsbetrug gehen den gesetzlichen Krankenkassen in Berlin und Brandenburg jedes Jahr tausende Euro verloren, wie eine dpa-Umfrage ergab. Allein der KKH sei im vergangenen Jahr dadurch ein Schaden von fast 11.000 Euro entstanden, wie ein Sprecher der Kasse mitteilte. „Ein rasanter Anstieg, wenn man bedenkt, dass es 2012 gerade mal 62 Euro waren.“ Da es solche Manipulationen aber nicht nur bei Ärzten, sondern auch bei Apotheken, Versicherten, Arbeitgebern und Kliniken gebe, ermitteln die Kassen nun vermehrt gegen den Betrug. Eine Sprecherin der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg sagte: „Im Falle einer Verurteilung wegen Betruges droht einem Mediziner sogar die Entziehung der Zulassung durch den Zulassungsausschuss.“

Gefälschte Rezepte und nie erbrachte Leistungen
Typisch seien gefälschte Rezepte und Rechnungen sowie Bescheinigungen über Arbeitsunfähigkeit. In manchen Fällen würden abgerechnete Leistungen nie erbracht. Zudem treiben Ärzte und Klinken manchmal Rechnungen in die Höhe. So sind laut der Techniker Krankenkasse (TK) aus dem ganzen Bundesgebiet Fälle bekannt, in denen etwa eine reine Brustvergrößerung als Brustkrebs-OP und eine relativ kleine Knie-OP als aufwendiger Eingriff abgerechnet wurden. Bei der Barmer GEK ist die Zahl neuer Fälle in Berlin und Brandenburg 2013 gegenüber dem Vorjahr um rund ein Viertel auf 202 gestiegen. Der jährliche Schaden belief sich auf rund 180.000 Euro. Und auch die IKK Berlin-Brandenburg verzeichnet eine steigende Tendenz. So gab es 2012 und 2013 mit insgesamt 71 Verdachtsfällen 20 mehr als in den beiden Vorjahren. Bundesweit gehen DAK und TK derzeit je bis zu 2.000 Verdachtsfällen nach.

Schaden in Millionenhöhe
Den Krankenkassen in Sachsen-Anhalt entstehen durch falsch abgerechnete Leistungen Schäden in Millionenhöhe. Wie die dpa-Umfrage ergab, forderten sie im vergangen Jahr Schadensersatz in noch nie dagewesenem Ausmaß von Pflegediensten, Ärzten, Apothekern und anderen Leistungserbringern zurück. Die Zahl der Verdachtsfälle auf Abrechnungsbetrug stieg dort hingegen nur leicht an. „Jeder Betrug ist in unseren Augen einer zu viel“, meinte Sachsen-Anhalts Ärztekammer-Präsidentin Simone Heinemann-Meerz. In jedem Bereich des Gesundheitssystems werde betrogen.

Täter kommen ungestraft davon
Keine Hinweise auf Abrechnungsbetrug habe dagegen die Ergo Versicherungsgruppe, wie es hieß. Ebenso wie die gesetzlichen Krankenkassen haben auch die privaten eigene Abteilungen, die Verdachtsmomenten und Betrugsvorwürfen nachgehen, bei der Debeka sogar schon seit 15 Jahren. Von der DAK hieß es, dass es für die Krankenkassen aber schwieriger werde, Betrüger zu verfolgen. Da Verfahren eingestellt werden oder das Delikt verjährt ist, kämen viele Täter ungestraft davon. Laut der Krankenkasse sollten Staatsanwaltschaften mit Schwerpunkt Abrechnungen im Gesundheitswesen eingeführt werden. (ad)

Bild: Thomas Siepmann / pixelio.de