Krankenkassen Zusatzbeiträge 2012 die Ausnahme

Sebastian

Krankenkassen: Zusatzbeiträge bleiben im nächsten Jahr 2012 die Ausnahme

06.11.2011

Die weitaus größte Mehrheit der gesetzlichen Krankenkassen wird im kommenden Jahr keinen Zusatzbeitrag von ihren Versicherten verlangen. Allen voran wird die drittgrößte Kasse DAK den zusätzlichen Beitrag im zweiten Quartal abschaffen. Das ergab eine Umfrage des Finanzportals „1A Krankenversicherung“. Laut deren Erhebung werden im nächsten Jahr 133 der insgesamt 153 Krankenkassen keinen Zusatzbeitrag erheben.

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Die gute Konjunktur sowie die Beitragsanhebungen im Zuge der Gesundheitsreform zu Beginn des Jahres hat der gesetzlichen Krankenversicherung in der Mehrheit eine komfortable Finanzlage beschert. Laut einer Erhebung des Verbraucherportals „1a-Krankenversicherung“ verzichten 133 von 153 Kassen auf ihren zusätzlichen Obolus. Fünf Krankenkassen planen öffentlich ihr Geschäftsjahr zu Beginn des Neujahres mit einem Zusatzbeitrag, der im Durchschnitt acht Euro je Kassenmitglied und Monat betragen wird. Fünf weitere Kassen initiieren einen Zusammenschluss, wodurch der Zusatzbeitrag höchst wahrscheinlich wegfallen wird. Darunter befinden sich die Deutsche Angestellten Krankenkasse DAK sowie die BKK Gesundheit (ab 2012 DAK Gesundheit).

Zehn weitere gesetzliche Krankenversicherungen haben sich laut Recherchen des Portals sich noch nicht öffentlich geäußert und ließen somit ihre Entscheidung noch offen. Bei sieben Kassen steht bereits fest, dass der Zusatzbeitrag zwischen 30 und 120 Euro hoch sein wird. Es gibt allerdings auch Krankenkassen, die ihren Mitgliedern eine Prämie zahlen. Darunter befinden sich kleine Kassen wie die BKK A.T.U. sowie die etwas größere Handelskrankenkasse HKK.

Acht Millionen Versicherte müssen 2012 einen Zusatzbeitrag zahlen
Nach Meinung der Autoren müssen demnach rund acht Millionen Menschen in Deutschland ab dem kommenden Jahr einen Zusatzbeitrag entrichten. Mit eingerechnet ist allerdings die DAK, die BKK Gesundheit sowie die BKK Axel Springer. Alle drei planen eine Fusion, wodurch sich die Zahl der Betroffenen stark reduzieren wird, wenn das Bundesversicherungsamt der Abschaffung des Zusatzbeitrags zustimmt. Hier gab es in den vergangenen Tagen immer wieder kontroverse Diskussionen darüber.

Sozialausgleich liegt bei Null Euro
Wie bereits im laufenden Jahr 2011 hat das Bundesgesundheitsministerium unter der Leitung des Gesundheitsministers Daniel Bahr (FDP) den durchschnittlichen Zusatzbeitrag auf Null Euro festgelegt. Dieser errechnet sich aus allen Krankenkassen in der Bundesrepublik. Weil nur eine kleine Minderheit einen Zusatzbeitrag verlangt, liegt rein rechnerisch der Pauschalbetrag bei Null. Das hat wiederum Auswirkungen auf den Sozialausgleich. Demnach erhalten Betroffene mit einem geringen Einkommen keine Finanzausgleich, auch wenn ihre Kasse von einem Zusatzbeitrag Gebrauch macht. Die Bundesregierung begründet diesen Schritt mit der grundsätzlichen Möglichkeit des Wechsels. Versicherte können auch außerhalb des Sonderkündigungsrecht regulär ihre Kasse kündigen und sich eine andere Krankenversicherung ohne Zusatzbeitrag suchen. Die Einnahmen im Gesundheitsfonds seien ausreichend, um alle Kassenmitglieder adäquat zu versichern.

Auffällig ist, dass vor allem Betriebskrankenkassen einen Zusatzbeitrag verlangen. Darunter befinden sich die BKK Hoesch, BKK advita, BKK Axel Springer oder die BKK MERCK. Die einzige Kasse die nicht aus dem Verbund der Betriebskassen ist und einen Zusatzbeitrag verlangt, ist die KKH-Allianz. Krankenkassen, die eine Prämie an ihre Versicherten auszahlen sind beispielsweise die BKK Wirtschaft & Finanzen, BKK Würth oder auch die G&V BKK. Alle Kassen in der Übersicht findet man auf dem benannten Portal.

Perspektivisch flächendeckende Zusatzbeiträge
Unklar sind sich Experten, wie lange die Phase der Zusatzbeitrags-freien Zeit noch lange anhalten wird. Längerfristig rechnet auch die schwarz-gelbe Bundesregierung damit, dass die meisten Kassen nicht mehr um einem zusätzlichen Beitrag herumkommen werden. Denn die wirtschaftlichen Aussichten für das kommende Jahr sind längst nicht mehr so optimistisch und die Altersstruktur der Gesellschaft wird weiter ansteigen. Auch ist damit zu rechnen, dass immer mehr Kassen schließen werden, wie jüngst die City BKK und nun auch die BKK für Heilberufe. Das benannte Ziel der Bundesregierung ist, die Zahl der Krankenkassen durch den Wettbewerb stark zu verkleinern. Die Zusatzbeiträge sind derzeit bei den Krankenkassen sehr unbeliebt, weil vor allem jüngere und Einkommensstarke Versicherte von ihrem Wechselrecht Gebrauch machen. (sb)