Krankenkassen Zusatzbeitrag kein Hauptwechselgrund

Sebastian

Krankenkassen Zusatzbeitrag noch kein Grund zum wechseln. Wichtiger sind Service und Gesundheitsleistungen

08.02.2011

Bislang gingen Gesundheitsökonomen immer davon aus, dass die Einführung von Zusatzbeiträgen einen Hauptgrund für einen Krankenkassenwechsel darstellt. Das Marktforschungsinstitut „MSR Consulting“ veröffentlichte nun die Umfrageergebnisse der „Kubus GKV“. Demnach würden Versicherte ihre Krankenkasse nicht aufgrund höherer Kosten wechseln, sondern wegen schlechten Gesundheitsleistungen und mangelnden Serviceangeboten. Die Zusatzbeiträge einzelner Krankenkassen stellen für die Mehrheit eher einen zweitrangigen Wechselgrund dar. Das dürfte allerdings auch daran liegen, dass derzeit nur eine Minderheit der Kassen einen zusätzlichen Obolus verlangen.

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Zusatzbeitrag der Krankenkassen spielt nur eine Nebenrolle
Derzeit erheben 13 von 163 Krankenkassen einen Zusatzbeitrag. Im letzten Jahr wechselten über eine halbe Millionen Menschen ihre gesetzliche Krankenversicherung. Bislang galt immer, der Wechsel findet vor allem aufgrund der erhobenen zusätzlichen Beiträge einzelner Kassen statt. Doch eben jenen Aspekt widerlegt die MSR- Studie. Vielmehr gaben die Umfrageteilnehmer der repräsentativen Studie an, dass ihnen die Leistungen und der Service vor Ort am Wichtigsten erscheinen. Dazu gehört beispielsweise, wie kompetent der Versicherte in einer regionalen Geschäftsstelle behandelt wurde und wie großzügig die Krankenkasse einzelne Gesundheitsleistungen erstattete. Auch die Dauer des Bearbeitungsprozesses von Anträgen spielte im Rahmen der Befragung eine gewichtige Rolle.

An der Umfrage beteiligten sich insgesamt 4000 Krankenversicherte einer gesetzlichen Krankenkasse. Der Wechselwille ist laut Studie mit maximal minus sieben Prozent im Vergleich zum Durchschnitt relativ niedrig. Die Frage, ob die jeweilige Krankenkasse einen Zusatzbeitrag verlangt oder nicht, spielte als Wechselgrund nur eine zweitrangige Rolle. Die zusätzlichen Kassenbeiträge spielen demnach erst dann eine entschiedene Rolle, wenn Serviceleistungen den Vorstellungen der Kunden nicht mehr entsprechen. In diesem Fall nimmt die Bereitschaft zum Wechsel um mehr als 30 Prozent zu. Erhebt die Kasse keinen Zusatzbeitrag und der Service ist schlecht, so würden 20 Prozent der Befragten einen Wechsel favorisieren.

Versicherte achten auf kundenorientierte Leistungen
Auch ohne Zusatzbeitrag müssen die Krankenkassen auf ihre Angebote und ihren Service achten. Michael Kullmann von MSR Consulting betrachtet die Wechselwanderungen zwischen den Kassen im letzten Jahr kritisch. Nur wenn die Krankenkasse auf ihre Serviceleistungen achtet, können die neuen Mitglieder auch gehalten werden. Durch die Studie wurde deutlich, dass die Versicherten sehr wohl auf Leistungen und kundenorientierten Service achten. Demnach sind den Versicherten Gesundheitsleistungen und Betreuung wichtiger, als kostengünstige Kassenbeiträge.

Kostengünstig und wenig Leistungen
Nur etwa jeder vierte Befragte gab an, dass eine günstige Krankenkasse zukünftig auch Erfolg haben werde. Eine Mehrheit (60 Prozent) gab an, langfristig eher auf Leistungen und guten Service der Geschäftsstellen zu setzen. Zudem gab eine Mehrheit an, dass sich ihrer Meinung nach die Anzahl der Kassen durch Zusammenschlüsse minimieren werde. Ob die Umfrageergebnisse noch die selben sind, wenn eine Vielzahl der Krankenkassen hohe Zusatzbeiträge erhebt, bleibt abzuwarten. Derzeit sind nur die Wenigsten der Versicherten hiervon betroffen. (sb)