Krebs: Die Pille gegen Metastasen?

Fabian Peters

Forscher entdecken neue Möglichkeit zur Krebstherapie bei Metastasen

21.02.2014

Bilden sich bei einer Krebserkrankung Metastasen, stehen die Heilungschancen für die Patienten bis heute oftmals eher schlecht. Doch hat die Forschungsgruppe von Josef Penninger am Institut für Molekulare Biotechnologie (IMBA) der österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) einen neuen Mechanismus entdeckt, mit dem die körpereigenen Immunzellen zur Bekämpfung der Metastasen angeregt werden können. Die Pille gegen Metastasen wäre auf dieser Basis theoretisch möglich, so die bahnbrechende Mitteilung.

Die Behandlung von Metastasen zählt zu den „größten Herausforderungen in der Tumor-Therapie“, schreiben der Molekularbiologe Josef Penninger und sein Team in einer aktuellen Presseerklärung. Hier haben die Forscher einen neuartigen Mechanismus entdeckt, der Immunzellen die metastatischen Tumore angreifen lässt. So werden die körpereigenen Zellen im Kampf gegen Krebs aktiviert. Die Ergebnisse könnten „der Grundstein zur Entwicklung einer Pillegegen Metastasen sein“, schreibt das Institut für Molekulare Biotechnologie in seiner aktuellen Mitteilung.

Immunsystem zur Krebstherapie nutzen
Nicht nur bei Infektionskrankheiten, sondern auch bei der Erkennung und Zerstörung von Krebszellen spielt das Immunsystem laut Aussage der Forscher eine wichtige Rolle. Dieser Ansatz werde bei der Krebsbehandlung jüngst wieder verstärkt verfolgt und so sei zum Beispiel die Krebs-Immuntherapie, welche den ganze Körper in den Kampf gegen die Krankheit einbezieht, vom Fachmagazin „Science“ als wissenschaftlicher Durchbruch des Jahres 2013 gekürt worden, berichten Penninger und Kollegen. Die österreichischen Wissenschaftler haben jetzt – in Kooperation mit Kollegen aus Australien und Deutschland – nachgewiesen, dass das „Protein Cbl-b eine Art molekulare Bremse für Immunzellen darstellt“, somit die Metastasen nicht richtig angegangen werden. „Löst man diese Bremse, können die so genannten natürlichen Killerzellen (NK Zellen) Tumormetastasen hocheffektiv bekämpfen“, schreiben die Forscher. Die Erstautorin Magdalena Paolino erläuterte, dass beim Abschalten des Proteins Cbl-b in den NK-Zellen, „diese sozusagen scharfgestellt werden und signifikant Metastasen von Brusttumoren und Melanomen reduzieren.“

Heiliger Gral der Krebstherapie
Den Wissenschaftlern ist es nach eigenen Angaben nicht nur gelungen, „einen Pfad zu identifizieren, über den Cbl-b die Funktion der NK Zellen reguliert“, sondern gemeinsam mit dem Lead Discovery Center der Max Planck Gesellschaft in Dortmund haben sie auch ein Molekül entwickelt, dass die dafür verantwortlichen Rezeptoren blockiert. „Wenn wir diese Rezeptoren mit unserem Molekül – oral verabreicht oder als Injektion – gezielt blockieren, werden die Metastasen in unseren genetischen Modellen deutlich reduziert“, betonte Magdalena Paolino. Die Erkenntnisse deuten darauf hin, dass es künftig möglich sein wird, das Immunsystem mittels spezieller Arzneien dazu anzuregen, die Krebsmetastasen zu zerstören. „Eine derartige Entwicklung wäre ein Heiliger Gral der Krebstherapie“, resümieren die Forscher. Allerdings müssten „trotz allem noch weitere Experimente folgen, um unsere Erkenntnisse zu vertiefen und mögliche Nebenwirkungen ausschließen zu können“, erklärte Josef Penninger.

Da Metastasen eine der Hauptursachen für den Tod von Krebspatienten sind, ließe sich mit der Entwicklung eines effizienten Therapieansatzes die Zahl der Krebstodesfälle wahrscheinlich deutlich reduzieren. Auch ist es durchaus vorstellbar, dass durch eine gezielte Aktivierung des Immunsystems Krebs in Zukunft allgemein relativ leicht therapierbar wird. Doch sind nun zunächst klinische Studien erforderlich, die den neu entdeckten Mechanismus zur Behandlung metastatischer Tumore überprüfen sowie mögliche Risiken und Nebenwirkungen bestimmen. (fp)

Bild: Rainer Sturm / pixelio.de