Krebsbericht Bayern: Krebs eine Alterskrankheit

Alfred Domke

Aktiv gegen Krebs in Bayern

11.04.2013

Krebserkrankungen nehmen zu und variieren dabei teilweise enorm nach Alter, Geschlecht und auch Region. Für die Erkrankten sinkt jedoch das Risiko, daran zu sterben. Der bayerische Gesundheitsminister Huber meint, dies hänge auch vom eigenen Verhalten ab.

Über 30.000 Todesfälle durch Krebs
Mindestens 350.000 Menschen in Bayern leben mit der Diagnose Krebs. Jedes Jahr kommen etwa 68.000 Neuerkrankungen dazu und pro Jahr sterben circa 30.000 Menschen an der Krankheit im Freistaat. Die Gesamtzahl im Jahr 2011 lag bei 31.746 Todesfällen. Bei der Präsentation des ersten Bayerischen Krebsberichts in München sagte der Gesundheitsminister Huber am Mittwoch: „Die absolute Zahl der Krebserkrankungen hat zugenommen". Mit dem Bericht, der in Zukunft in regelmäßigen Abständen erscheinen soll, sollen auch Betroffene und ihre Angehörigen angesprochen werden, um ihnen geeignete Handlungsoptionen aufzuzeigen. „Das Risiko sinkt, an Krebs zu sterben, der medizinische Fortschritt zeigt seine Früchte" analysierte der Minister, aber auch „Die Diagnose Krebs ist für den Erkrankten ein Schicksalsschlag, aber auch für sein Umfeld."

Selbst schuld an Krebs?
Der Präsident der Bayerischen Krebsgesellschaft und Chefarzt am Augsburger Klinikum, Professor Günter Schlimok, der bei der Präsentation des Berichtes in München dabei war, meinte: „Gut ein Drittel aller Krebserkrankungen kann durch individuelle Maßnahmen verhindert werden“. Solche Aussagen sind bei Onkologen umstritten, da es verschiedenste Theorien zu Krebsauslösern gibt und es bislang keine eindeutigen Ursachen für Krebserkrankungen gibt. Mediziner verweisen aber auf Risikofaktoren, die den Krebs begünstigen können. So wurden Umweltfaktoren wie etwa Luftverschmutzung, verschiedene Lebensmittelzusätze, hoher Alkoholkonsum oder Rauchen als mögliche Risiken genannt, aber auch bei Krebs eines Elternteils erhöht sich die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung.

Aktiv gegen Krebs
Noch bis zum 20. April soll mit der bayerischen Themenwoche „Aktiv gegen Krebs“ auf eine gesunde Lebensweise als Schutz vor Krebs hingewiesen werden. Die unter anderem von Franz Beckenbauer unterstützte Aktion thematisiert dabei zum Beispiel die positive Wirkung des Sports, so seien bereits 30 Minuten moderater Bewegung ein guter Schritt in Richtung Krebsvorsorge. Zusätzlich könne damit auch schädliches Übergewicht abgebaut und der Stoffwechsel verbessert werden. Die Aussage „Durch Bewegung und Sport kann das Risiko für eine Krebserkrankung um bis zu 30 Prozent verringert werden" des bayerischen Gesundheitsministers sollte aber nicht missinterpretiert werden, da es falsch wäre, Krebspatienten zu unterstellen, vergangene Passivität wäre der Grund ihrer Leiden.

Sport auch bei einer Krebserkrankung
Sport habe auch eine die Heilung fördernde Wirkung, so hätten Studien ergeben. Professor Schlimok meint dazu: „Noch vor wenigen Jahren haben Ärzte ihren Krebspatienten geraten, sich zu schonen. Diese Zeiten sind aber definitiv vorbei".

Krebs ist eine Alterskrankheit
Die vorliegenden Zahlen zeigen jedoch, dass trotz aller Möglichkeiten, die man hat, das Erkrankungsrisiko einzuschränken, die Wahrscheinlichkeit mit fortschreitendem Alter Krebs zu bekommen, signifikant steigt. Huber sagte dazu: „Krebs ist eine Alterskrankheit". Besonders bei bösartigen Tumoren im Magen oder in der Harnblase ist das durchschnittliche Erkrankungsalter mit über 70 Jahren relativ hoch. Das heißt jedoch nicht, dass für jüngere Menschen keine Gefahr bestehen würde. Wie es in dem bayerischen Bericht heißt, treten zum Beispiel der „Schwarze Hautkrebs“ oder auch Brustkrebs schon im mittleren Lebensalter auf. Bei jüngeren Männern, die an Hodenkrebs erkranken, liegt das durchschnittliche Erkrankungsalter bei bereits 38 Jahren.

Starke Unterschiede in den bayerischen Regionen
Bei Frauen in Bayern ist die häufigste Krebsart, mit 32 Prozent aller Neuerkrankungen, nach wie vor der Brustkrebs. 10.067 neue Fälle wurden davon 2010 diagnostiziert. Darmkrebs kommt bei Frauen am zweithäufigsten vor (3995 Neuerkrankungen) und danach kommt Lungenkrebs mit 1973 neuen Patientinnen. Um fast 400 Fälle höher war die absolute Zahl der Krebsneuerkrankungen bei Männern im Vergleich zu den Frauen. Laut dem Bericht „liegt das Prostatakarzinom an der Spitze der Krebsneuerkrankungen" (8508 Fälle). Danach werden der Darmkrebs mit 5107 Neuerkrankungen und der Lungenkrebs mit 3933 Fällen aufgelistet. Die Gesundheitsstatistiker stellten bei der Auswertung der Zahlen regionale Unterschiede in Bayern fest. So war besonders das Gefälle zwischen Oberbayern und der Oberpfalz bezüglich der Sterberate auffällig. Von 2006 bis 2010 starben in Oberbayern 182 Krebspatienten je 100.000 Einwohnern, in der Oberpfalz lag die Zahl bei 208. Der Unterschied fiel bei Frauen leicht niedriger aus: „Die Raten lagen zwischen 120 Todesfällen (Unterfranken) und 127 Todesfällen (Oberpfalz) je 100 000 Einwohner".

Krebsvorsorge kann Leben retten
Bayern sei laut Huber im bundesweiten Vergleich gut gestellt bei der Versorgung von Krebspatienten. Es gebe „ein besonders eng geknüpftes Versorgungsnetz", welches sich rund um die Tumorzentren in Augsburg, Bayreuth, Erlangen-Nürnberg, München, Regensburg und Würzburg spanne. „Gleichwohl gibt es Verbesserungspotenzial, denn noch immer sterben in Bayern ähnlich wie deutschlandweit mehr als 30 Prozent der Betroffenen innerhalb von fünf Jahren nach der Diagnosestellung an ihrer Krebserkrankung“, so weitere Erläuterungen aus dem vorgestellten Bericht. Bei der Krebsvorsorge sehen Huber und seine Experten Nachbesserungsbedarf, nicht so sehr wegen den vorliegenden Angeboten, sondern vielmehr wegen der mangelnden Nachfrage. In Bayern nutzen nur etwa die Hälfte aller in Betracht kommenden Frauen die Krebsvorsorge und nur circa ein Viertel der Männer machen davon Gebrauch. Wann und was für eine Untersuchung sinnvoll oder erforderlich wird, hängt von Faktoren wie Beschwerden, Alter oder Geschlecht ab. Nicht nur für den Freistaat gilt: Krebsvorsorge kann Leben retten. So gehen zum Beispiel Experten der Deutschen Krebshilfe davon aus, dass durch Darmspiegelungen zahlreichen Darmkrebs-Patienten das Leben gerettet werden kann. (ad)

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Bild: Rainer Sturm / pixelio.de