Krebspatienten bekommen nicht genug Schmerzmittel

Nina Reese

Mehr als die Hälfte der Welt-Bevölkerung medizinisch unterversorgt

28.11.2013

Mehr als die Hälfte der Welt-Bevölkerung hat keine Möglichkeit, sich ausreichend mit schmerzlindernden Medikamenten zu versorgen. Zu diesem Ergebnis ist aktuell eine Studie der „European Society for Medical Oncology“ gekommen. Demnach scheitert eine angemessene Versorgung vor allem an weitreichenden Anti-Drogengesetzen, die in vielen Ländern für starke Einschränkungen sorgen würden. Betroffen sind dem Bericht nach besonders Entwicklungsländer.

Anti-Drogengesetze verhindern Zugang zu Medikamenten
Wie die European Society for Medical Oncology und ihre Partnerorganisationen im Rahmen des Projekts „Global Opioid Policy Initiative (GOPI)“ herausgefunden haben, fehlt mehr als der Hälfte aller Menschen weltweit ein ausreichender Zugang zu Schmerzmitteln. Verursacht werde diese Unterversorgung laut dem Bericht vor allem durch die zahlreichen Anti-Drogengesetze in vielen Ländern, durch die viele Wirkstoffe als Droge definiert und dadurch nicht für frei zugängliche Medikamente verwendet werden dürfen.

Untersuchung von Zugang zu Codein oder Morphium
Für die Studie hatten die Forscher Fragebögen ausgewertet, die in zahlreichen Entwicklungsländern in Afrika, Asien, Lateinamerika, Karibik und nahem Osten an nicht-regierungsnahe Ärzte geschickt worden waren. Im Zentrum stand dabei die Frage, in welchem Maße sieben kostengünstige Wirkstoffe wie beispielsweise Codein oder Morphium in den jeweiligen Ländern verfügbar sind – denn gerade diese Mittel gelten insbesondere bei der Behandlung von Krebserkrankungen als unverzichtbar.

„Pandemie der Überregulierung“
Die Forscher kamen zu einem erschreckenden Ergebnis: „Der GOPI Studie hat eine Pandemie der Überregulierung in weiten Teilen der Dritten Welt aufgedeckt, die es katastrophal schwierig macht, Basis-Medikamente zur Linderung starker Schmerzen bei Krebserkrankungen bereitzustellen“, so der Hauptautor der Studie, Nathan Cherny.

Auch Palliativmedizin und Geburtshilfe sind stark betroffen
Darüber hinaus sei gäbe es laut Nathan Cherny aber auch in anderen medizinischen Bereiche enorme Defizite in der Versorgung: „Dem größten Anteil der Weltbevölkerung bleibt ein notwendiger Zugang zu Opioiden für die Schmerztherapie bei Krebs, in der Palliativmedizin sowie für die akute, postoperative Geburtshilfe und bei chronischen Schmerzen verwehrt.“

„Skandal von globalem Ausmaß“
Für Nathan Cherny ist diese Situation absolut nicht nachvollziehbar: „Wenn wir bedenken, dass wirksame Behandlungen preiswert und verfügbar sind, sind unbehandelte Krebsschmerzen und die schrecklichen Folgen für die Patienten und ihre Familien ein Skandal von globalem Ausmaß", so der Vorsitzende der ESMO Palliative Care Working Group. (nr)

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