Kurzärmelige Arztbekleidung aus Angst vor multiresistententen Keimen in Kliniken

Kurze Ärmel für Ärzte. Bild: Kurhan - fotolia
Sebastian
Reduzierte Keimbelastung: Ärzte in Kliniken bekommen kurzärmelige Kittel
Der klassische Arztkittel wird in vielen deutschen Krankenhäusern bald ausgesorgt haben. Der Klinikkonzern Asklepios wird das Personal in seinen rund 100 Einrichtungen neu einkleiden. Ärzte und Pfleger werden dann kurze Ärmel tragen. Mit modischen Gründen hat dies jedoch nichts zu tun. Es geht um eine Reduzierung der Keimbelastung.
Schutz vor multiresistenten Keimen
Mit neuer Kleidung für das Personal soll in rund hundert deutschen Krankenhäusern dem Problem multiresistenter Keime besser begegnet werden. Ab April führt der Klinikkonzern Asklepios in seinen rund 100 Einrichtungen bundesweit kurzämelige Kleidung für Ärzte und Pfleger ein. Der klassische Arztkittel wird von da an ausgemustert. Wie Konzerngeschäftsführer Kai Hankeln einer Meldung der Nachrichtenagentur dpa zufolge erklärte, reagiere man damit auf die Sorge der Patienten vor einer Ansteckung mit multiresistenten Keimen: „Bestätigt fühlen wir uns in diesem Vorhaben auch durch eine repräsentative Studie, die wir im September zum Tag der Patientensicherheit in Auftrag gegeben hatten. Das Ergebnis: 65 Prozent der Befragten fürchten sich vor Ansteckung mit einem multiresistenten Keim bei einem Aufenthalt im Krankenhaus“, so Hankeln in einer Pressemitteilung.

Kurze Ärmel für Ärzte. Bild: Kurhan - fotolia
Kurze Ärmel für Ärzte. Bild: Kurhan – fotolia

Ärmel von Arztkitteln sind besonders belastet
Laut verschiedenen Studien seien die Ärmel der Arztkittel besonders stark mit Erregern belastet. Erst vor wenigen Monaten wurde eine Untersuchung veröffentlicht, die zeigte, dass Krankenhausmitarbeiter Keime meistens durch eigene Kittel und Handschuhe übertragen. „Die Ärzte gehen von Patient zu Patient und untersuchen sie. Der lange Ärmel hat Kontakt zu den Patienten. Die Hände desinfiziert der Arzt, aber er wechselt nicht jedes Mal den Kittel“, erläuterte Hankeln. Eigenen Angaben zufolge ist Asklepios der erste große Klinikbetreiber in Deutschland, der sich zu diesem Schritt entschlossen hat. Wie es heißt, folge der Konzern damit Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts (RKI) und der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Zwar ist kurzärmlige Kleidung in Operationssälen und auf Intensivstationen längst Standard, doch auf den normalen Stationen sei der langärmlige weiße Arztkittel bislang ein Erkennungszeichen und Statussymbol gewesen.

Ältere Mediziner sträuben sich eher gegen neue Kleidung
Die Unternehmensleitung musste für die Abschaffung viel Überzeugungsarbeit leisten. „Das ist ein beachtlicher kommunikativer Aufwand“, erklärte Hankeln. Für jüngere Mediziner sei der Abschied vom traditionellen Kittel leichter. „Bei älteren Chefärzten ist das schon eine gewisse Hürde, die sie überspringen müssen.“ Er sagte weiter: „Da wurde sogar eine Studie vorgelegt, die den Placeboeffekt des weißen Kittels belegt, also eine positive Wirkung auf den Krankheitsverlauf des Patienten.“

Ganz in weiß nur für Ärzte
Die Hierarchie in den Asklepios-Kliniken wird auch künftig an der Kleidung erkennbar sein. So bleibt eine komplett weiße Tracht den Ärzten vorbehalten. Bei examinierten Schwestern und Pflegern gibt es zur Unterscheidung einen grau abgesetzten V-Ausschnitt mit grünem Streifen am Revers. Diejenigen, die noch in der Ausbildung sind, müssen eine graue Hose tragen und Hilfskräfte werden komplett in Grau gekleidet. Wie es heißt, wird der traditionelle langärmlige Arztkittel gleichwohl nicht abgeschafft. Mediziner müssen ihn jedoch ausziehen und an den Haken hängen, bevor sie sich den Patienten widmen. Vorgeschrieben ist neben dem üblichen Händewaschen auch die Desinfizierung einschließlich der Unterarme.

Klinikkonzern spart Millionen Euro ein
Das Unternehmen spart mit der Neueinkleidung zudem viel Geld ein. Reinhard Wiedemann, Leiter des Konzernbereichs Einkauf bei Asklepios erläuterte in einer Pressemitteilung: „Dabei haben wir etwas geschafft, was bei solchen Projekten nur selten gelingt: Wir sparen durch die Zentralisierung in der Bekleidungsbeschaffung einen mittleren einstelligen Millionenbetrag pro Jahr ein, stellen unseren Mitarbeitern aber gleichzeitig eine deutlich bessere Stoffqualität als bisher zur Verfügung. Geld, das wir weiter in die Verbesserung unserer medizinischen Dienstleistung investieren können.“ Über 30.000 Mitarbeiter, darunter mehr als 4.000 Ärzte, bekommen Kasacks und Hosen. Außerdem werden für die 1,7 Millionen Patienten den Angaben zufolge neue Hemden, Bettwäsche und Handtücher angeschafft. Bis Juni 2017 soll der Wäschewechsel abgeschlossen sein. Die Asklepios-Klinik in Hamburg-Harburg soll im April den Anfang machen. (ad)

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