Langzeitstudie: Macht Kiffen dumm?

Fabian Peters

Langzeitstudie registrierte signifikanten Rückgang des Intelligenzquotienten bei Cannabis-Konsumenten, die täglich und Jahrelang konsumierten

28.08.2012

Regelmäßiger Cannabis-Konsum schädigt das Gehirn und bedingt einen Rückgang des Intellekts. In einer Langzeitstudie haben US-Wissenschaftler festgestellt, dass Cannabis das zentrale Nervensystem offenbar unwiderruflich schädigt und eine Verminderung des Intelligenzquotienten (IQ) mit sich bringt. Negativeffekte wurden vor allem bei Konsumenten offenkundig, die bereits in früher Jugend mit dem Drogenkonsum begannen.

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Die Wissenschaftler um Madeline Meier vom Institut für Psychologie und Neurowissenschaften an der Duke University in Durhamn (USA) haben die Daten von über 1.000 Studienteilnehmern ausgewertet und dabei festgestellt, dass der anhaltende Cannabis-Konsum zu maßgeblichen Beeinträchtigungen des zentralen Nervensystems und des Intellekts führen kann. Je früher im Jugendalter mit dem Konsum begonnen wurde, desto größer war der zu beobachtende Effekt, berichten Madeline Meier und Kollegen im Fachmagazin „Proceedings of the National Academy of Science“ (PNAS).

Beeinträchtigungen des Gehirns und kognitive Probleme bei Cannabis-Konsumenten
Basis der aktuellen Untersuchung waren die Daten aus der sogenannten Dunedin-Studie, in der 1.037 Personen seit ihrer Geburt 1972/1973 beobachtet und im Alter von 18, 21, 26, 32 und 38 Jahren zu ihrem Cannabis-Konsum befragt wurden. Auch führten die Forscher bei den Studienteilnehmern im Alter von 13 Jahren (vor Beginn des Cannabis-Konsums) einen neuropsychologische Tests durch, den sie im Alter von 38 Jahren (nachdem sich ein Muster des persistenten Cannabis-Konsums entwickelt hatte) wiederholten. In Verlauf des knapp 40-jährigen Beobachtungszeitraums, sei der Intelligenzquotienten der Langzeit-Kiffer deutlich zurückgegangen, so das Ergebnis des Tests. „Je früher die Probanden mit dem Konsum anfingen, desto höher war der Rückgang des IQ“, so Meier und Kollegen weiter. Die neuropsychologischen Test haben zudem ergeben, dass „die Funktion verschiedener Gehirnareale sich deutlich verschlechterte“, schreiben die US-Wissenschaftler. Auch berichteten die Langzeit-Cannabis-Konsumenten von vermehrten „kognitiven Problemen“, wie Konzentrationsschwierigkeiten und Beeinträchtigungen des Erinnerungsvermögens, so Meier und Kollegen weiter.

Cannabis mit neurotoxischer Wirkung auf da Gehirn der Jugendlichen
Laut Aussage der Forscher waren die festgestellten negativen Auswirkungen des Cannabis-Konsums auf den IQ und die kognitive Leistungsfähigkeit auch Jahre nachdem die Betroffenen mit dem Kiffen aufgehört haben noch zu beobachten. Ihre Befunde „deuten auf eine neurotoxische Wirkung von Cannabis auf das Gehirn eines Heranwachsenden“, berichtet das Forscherteam um Madeline Meier in dem Artikel „Persistente Cannabis-Nutzer zeigen neuropsychologischen Rückgang vom Kindesalter zur Lebensmitte“. Ihre Ergebnisse haben eine weitreichende Bedeutung für die Prävention und sollten Anlass für verstärkte politischen Anstrengungen gegen den Cannabis-Konsum bei Jugendlichen sein, so das Fazit der US-Wissenschaftler. Denn das jugendliche Gehirn erholt sich auch Jahre nach dem regelmäßigen Cannabis-Konsum nicht von den negativen Folgen.

Aufklärung und Prävention zum Schutz der Heranwachsenden
Offenbar haben die Wirkstoffe des Cannabis in der Wachstumsphase des Gehirns eine besonders schwerwiegende Wirkung. Der beobachtete Effekt bezieht sich, anders als von den meisten Medien berichtet, allerdings ausdrücklich nur „auf den exzessiven Cannabiskonsum im Heranwachsendenalter“. Welche Folgen gelegentlicher Konsum auf das Gehirn hat, lässt sich auf Basis der aktuellen Studie nicht erkennen. Es sei erwähnt, dass die regelmäßige oder gar tägliche Einnahme eines Rauschmittels generell kritisch zu bewerten ist und in den meisten Fällen erhebliche negative Effekte auf die Gesundheit und / oder die Psyche der Betroffenen drohen. Das Jugendliche in besonderem Maße gefährdet sind, da ihr Organismus weit empfindlicher auf die Wirkstoffe reagiert, ist seit Jahren bekannt. Hier hilft am Ende nur verbesserte Aufklärung und Prävention, um möglichst viele Heranwachsende vor den negativen Folgen zu bewahren. Durch Verbote oder Sanktionen wurde – zumindest in der Vergangenheit – keine wirksame Eindämmung Betäubungsmittel-Konsums der Heranwachsenden erreicht. (fp)