Leiharbeiter sind häufiger krank

Sebastian

Zeitarbeit lässt Mitarbeiter häufiger krank werden

28.02.2013

Beschäftigte in der Leiharbeit sind laut einer internen Auswertung der Techniker Krankenkasse (TK) häufiger krankgeschrieben, als Arbeitnehmer in regulärer Beschäftigung. Zeitarbeiter sind durchschnittlich 17,8 Wochentage krank, andere Sozialversicherungspflichtige gerade einmal im Schnitt 13,3 Tage, wie die Kasse am Donnerstag in Hamburg mitteilte.

„Zeitarbeit geht auf die Knochen“, lautet das Resümee der Analyse der TK. Nach Aussage der Studienautoren sind Leiharbeiter mit durchschnittlich 17,8 Fehltagen im Jahr deutlich häufiger krank als Beschäftigte im konventionellen Arbeitsmarkt mit 13,3 Tagen. "In allen relevanten Diagnosekapiteln verzeichnen wir für 2012 bei Leiharbeitern höhere Fehlzeiten“, berichtet Gudrun Ahlers, verantwortlich für die Gesundheitsberichterstattung der Kasse.

Oft Verletzt, vergiftet oder Schmerzen im Rücken
Bei näherer Betrachtung der Daten fällt auf, dass Zeitarbeitsnehmer insbesondere an Kreuz- oder Rückenschmerzen bzw. Erkrankungen des Muskel-Skelett-Bereichs leiden. Hier existiert ein Unterschied von 47 Prozent. Aber auch Atemwegserkrankungen (+25 Prozent), Verletzungen/Vergiftungen (+ 62 Prozent) und psychische Erkrankungen wie Depressionen oder Burnout (+ 22 Prozent) sind bei Versicherten, die in einer Zeitarbeitsfirma beschäftigt sind, deutlich häufiger zu beobachten, als in anderen Branchen.

„Wir wissen aus Umfragen, dass vor allem die Arbeitsplatzunsicherheit, die Einkommenssituation sowie die Diskrepanz zwischen der Tätigkeit in der Leiharbeit und der eigentlichen Qualifikation belasten“, sagt Ahlers. Dieser Unterschied sei nach Ansicht der Expertin auch im Kontext der Krankschreibungen zu betrachten. Viele Leiharbeiter müssten in ihrem Job körperlich anstrengende Arbeiten verrichten, mehr als die Festangestellten.

Leiharbeiter arbeiten in der Regel härter als Festangestellte
Angesichts der Daten und Fakten sollten nach Meinung der TK „Beschäftigte, die befristet im Unternehmen arbeiten, in Maßnahmen zum Betrieblichen Gesundheitsmanagement einbezogen werden“. Zudem sollte es „selbstverständlich sein, dass die entleihenden Betriebe für alle Beschäftigten ein gesundes Arbeitsumfeld schaffen. Wichtig ist aber auch, dass die Zeitarbeitsfirmen ihre Mitarbeiter in Beschäftigungspausen weiter qualifizieren und ihre Gesundheit fördern", erklärt Ahlers.

Die Auswertungen wurden im Rahmen des Gesundheitsreports der Techniker Krankenkasse durchgeführt. Dabei werden alle Krankschreibungen und Arzneimitteldaten der rund 3,9 Millionen bei der TK versicherten Personen erfasst, die einer Erwerbstätigkeit nachgehen. Dazu zählen auch sozialversicherungspflichtig Beschäftigte und Empfänger von Arbeitslosengeld I. Nicht mit einbezogen sind Bezieher von Hartz IV Leistungen, Schüler und Familienmitversicherte. Seit 2013 folgen die Gesundheitsberichte der Krankenkassen einer neuen Standardisierung. Aufgrund dessen ist es nicht möglich, die aktuellen Daten mit den Zahlen der Berichtsjahre vor 2011 zu vergleichen. (sb)

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