Lungenkrebs-Sterberate deutschlandweit bei Frauen wieder gestiegen

Alfred Domke
Krebs-Sterberate in der EU sinkt – Mehr Frauen in Deutschland sterben an Lungenkrebs
Die Lebenserwartung mit Krebs ist in den vergangenen Jahren europaweit gestiegen. Außerdem können Millionen Todesfälle durch Früherkennung und bessere Therapien verhindert werden. Doch obwohl die Sterberate insgesamt sinkt, sind Experten wegen einzelner Krebsarten alarmiert: Sorgen bereiten vor allem die Lungenkrebs-Fälle bei Frauen.

Mehr Krebs-Neudiagnosen in Deutschland
Laut einem Ende vergangenen Jahres veröffentlichten Bericht hat sich die Anzahl der Krebs-Neudiagnosen in Deutschland seit 1970 fast verdoppelt. Gleichzeitig ist aber auch die Lebenserwartung mit Krebs gestiegen und die Sterberate gesunken. Das trifft jedoch nicht auf alle Krebsarten gleichermaßen zu. Die Lungenkrebs-Todesfälle bei Frauen nehmen dramatisch zu. Das zeigt auch eine aktuelle Studie eines internationalen Wissenschaftlerteams.

Laut einer neuen Studie sinkt die Sterberate für Krebs in der Europäischen Union (EU) insgesamt; bei Frauen aber weniger stark als bei Männern. Die Lungenkrebs-Sterberate bei deutschen Frauen nimmt jedoch zu. (Bild: Nonwarit /fotolia.com)

Früherkennung sollte optimiert werden
Wie aus einer Studie von Forschern aus Italien, der Schweiz und den USA hervorgeht, sinkt die Sterberate für Krebs in der Europäischen Union (EU) insgesamt, bei Frauen jedoch weniger stark als bei Männern, berichtet die Nachrichtenagentur dpa.

In der EU werden demnach 2017 schätzungsweise mehr als 1,3 Millionen Menschen an der Krankheit sterben. Allerdings seien die Krebs-Sterberaten in den EU-Ländern sehr unterschiedlich, berichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift „Annals of Oncology“.

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Laut den Autoren sollten die Entscheidungsträger in der Politik neben der Kontrolle des Tabakkonsums auch die Früherkennung europaweit optimieren.

Sterberate bei Frauen nimmt nicht so stark ab
Studienleiter Carlo La Vecchia von der Universität Mailand erklärte laut einer Mitteilung der Zeitschrift: „Insgesamt werden weniger Frauen als Männer an Krebs sterben.“

Doch während die Krebs-Sterberate bei Männern in diesem Jahr voraussichtlich um acht Prozent niedriger liegt als 2012, nimmt sie bei Frauen in dem Zeitraum mit einem Minus von vier Prozent deutlich weniger stark ab.

Von den Forschern wird dies damit erklärt, dass Rauchen bei beiden Geschlechtern in verschiedenen Generationen unterschiedlich verbreitet war und Lungenkrebs bei Frauen zunehme.

Dass insbesondere die Spätfolgen des Rauchens die Ursache dafür sind, dass die Zahl der Todesfälle bei Frauen künftig steigen wird, wurde bereits in früheren Untersuchungen aufgezeigt.

Lungenkrebs-Sterberate bei deutschen Frauen steigt
Laut der aktuellen Prognose steigt die Lungenkrebs-Sterberate bei Frauen in Deutschland 2017 um knapp neun Prozent im Vergleich zu 2012, während sie bei Männern in ähnlichem Maße sinkt.

Zwar sei in der EU derzeit noch Brustkrebs die häufigste onkologische Todesursache bei Frauen, er werde aber wahrscheinlich noch in diesem Jahr an zweite Stelle hinter Lungenkrebs rücken.

„Die prognostizierte anhaltende Zunahme der Sterberate bei Frauen mit Lungen- und Bauchspeicheldrüsenkrebs unterstreicht die Notwendigkeit für effiziente Tabakkontrolle für Frauen in Europa“, sagte Ko-Autor Fabio Levi von der Universität Lausanne.

Den Angaben zufolge erwarten die Wissenschaftler, dass in diesem Jahr insgesamt 275.700 Menschen in der EU an Lungenkrebs sterben werden. Dies entspreche einem Anteil von 20 Prozent aller erwarteten Krebstoten.

Vier Millionen Krebs-Todesfälle vermieden
Allerdings sehen die Experten auch ermutigende Zeichen. So werden etwa die Sterberaten bei Gebärmutterhals-, Prostata-, Brust-, Magen- und Darmkrebs sowie Leukämie abnehmen.

Dass der Trend nicht nur bei Lungenkrebs, sondern auch bei der Erkrankung der Bauchspeicheldrüse ein anderer ist, hänge damit zusammen, dass es wenig Fortschritte bei der Erkennung, Behandlung und Vorbeugung von Bauchspeicheldrüsenkrebs gebe.

Laut einem Bericht von „MedcialXpress“ hob Professor Carlo La Vecchia die positive Entwicklung der letzten Jahrzehnte hervor. Er sagte: „Die Tatsache, dass wir es geschafft haben, in den vergangenen dreißig Jahren über vier Millionen Krebs-Todesfälle zu vermeiden, zeigt die Wirksamkeit von Strategien, um Krebs zu verhindern und zu erkennen und zu behandeln, wenn er entsteht.“

Erkrankungen oft vermeidbar
Rund ein Drittel aller Krebserkrankungen gelten weltweit als vermeidbar. Das Krebsrisiko kann deutlich reduziert werden. Wenn es um Maßnahmen zur Krebsvorbeugung geht, wird vor allem der Kampf gegen das Rauchen genannt.

„Derzeit sind in Deutschland mehr als 72.000 Krebsfälle jährlich auf das Rauchen zurückzuführen. Nicht nur für Lungenkrebs ist Tabakkonsum ein Risikofaktor, ebenso können sich Tumoren in Rachen und Kehlkopf, Speiseröhre, Darm oder in den unteren Harnwegen entwickeln“, berichtete das Zentrum für Krebsregisterdaten (ZfKD) am Robert Koch-Institut (RKI) im vergangenen Jahr auf seiner Webseite. „Auch Magen, Niere oder Bauchspeicheldrüse können betroffen sein“, heißt es dort weiter.

Weitere Möglichkeiten zur Reduzierung des persönlichen Krebsrisikos sind, sich regelmäßig zu bewegen, auf gesunde Ernährung zu achten, Übergewicht zu vermeiden und den Alkoholkonsum einzuschränken. (ad)