Makuladegeneration: Altersbedingte Blindheit zukünftig durch Stammzellen heilbar

Fabian Peters
Klinik in Großbritannien erzielt Durchbruch bei nasser AMD
Einem britischen Ärzteteam ist es gelungen, eine Operation durchzuführen, die vielleicht altersbedingte Blindheit heilen könnte. Am Montag dem 28. September führte das Moorfields Eye Hospital in London eine neue Art der Behandlung zur Bekämpfung der „nassen“ altersbedingten Makuladegeneration (AMD) durch. Mit Hilfe von Stammzellen operierten die Mediziner einen Patienten. Diese erste Operation ist ein wichtiger Meilenstein in der Heilung von altersbedingter Blindheit, so die Forscher.

Das Londoner Projekt wurde vor zehn Jahren ins Leben gerufen, mit dem Ziel Patienten mit feuchter AMD zu heilen und einen Verlust der Sehkraft zu verhindern. Die Studie ist das Ergebnis einer Zusammenarbeit zwischen dem Krankenhaus, dem UCL Institute of Ophthalmology und dem National Institute for Health Research (NIHR). Zusätzlich trat Pfizer Inc. der Partnerschaft im Jahr 2009 bei. Aus der ursprünglichen Idee sollte eine zuverlässige Therapie entwickelt werden.

Altersbedingte Makuladegenration könnte in Zukunft heilbar sein. (Bild: bilderzwerg/fotolia.com)
Altersbedingte Makuladegenration könnte in Zukunft heilbar sein. (Bild: bilderzwerg/fotolia.com)

Zu diesem Zweck durchgeführte Studien untersuchten die Sicherheit und Wirksamkeit der Transplantation von Augenzellen (retinale Pigmentepithel), die aus menschlichen Stammzellen abgeleitet wurden. Die Zellen ersetzen von AMD betroffene Zellen im Auge. Ein hierzu nötige Operation dauert bis zu zwei Stunden. Letzten Monat wurde eine erste erfolgreiche Operation durchgeführt. Bis zum heutigen Tag sind bei dem Patienten keine Komplikationen aufgetreten. Der Betroffene wünscht, anonym zu bleiben. Das Team hofft im Dezember 2015 erste Ergebnisse bei der Wiederherstellung der Sehkraft feststellen zu können.

Studie mit zehn Probanden über ein Jahr
Netzhautchirurg Professor Lyndon Da Cruz sagte dazu, dass gute Chancen bestehen, Menschen mit feuchter altersbedingter Makula-Degeneration durch eine Transplantation von Zellen zu heilen. Die Studie soll an zehn Patienten durchgeführt werden. Jeder dieser Patienten wird für die Dauer von einem Jahr begleitet und beobachtet. Hierbei soll die Sicherheit und Stabilität der Zellen bewertet werden. Weiter wird die Wiederherstellung der Sehkraft überwacht. Professor Pete Coffey vom UCL Institute of Ophthalmology zeigte sich sehr erfreut, dass mit dieser Stufe die Forschung einen therapeutischen Ansatz erreicht habe. Auch wenn sich die Studie auf eine kleine Gruppe von AMD-Patienten beziehe, bei denen plötzlich starke visuelle Verlust eingetreten sind, hoffe sei zu hoffen, dass viele Betroffene in Zukunft von der Entwicklung profitieren.

Bessere,schnellere Ergebnisse durch Zusammenarbeit
Die Studie hat die Stärken der Zusammenarbeit zwischen der Universität, dem Moorfields Eye Hospital, dem NHS Foundation Trust und Pfizer gezeigt, erklärte Professor Philip J. Luthert, Direktor des UCL Institute of Ophthalmology. Hierdurch sein ein neuer Behandlungsansatz für die AMD entstanden. Dr. Phillips Berkeley, UK Medical Director bei Pfizer Ltd., fügte hinzu, dass Pfizer glaube, große wissenschaftliche Durchbrüche seien nur durch Zusammenarbeit möglich. Niemand habe das Wissen, alle Fragen zu beantworten. Aber durch Kooperation gelinge es, schneller bessere Ergebnisse zu erzielen. Vor einigen Jahren war die Stammzellentherapie nur eine Theorie. Heutzutage Teil eines Projektes zu sein, dass den neusten wissenschaftlichen Durchbruch in Richtung Wiederherstellung der Sehkraft erzielt hat, sei mehr als zufriedenstellend, so Berkeley weiter.

Formen der Makula Degeneration
Fast 50 Prozent der Sehbehinderungen in der entwickelten Welt, werden durch Makula Degeneration ausgelöst. Meist sind Personen im Alter über 50 Jahren betroffen, deswegen ist die Krankheit auch als altersbedingte Makuladegeneration (AMD) bekannt. Den Experten zufolge sind rund 25 Prozent der über 60-Jährigen in Großbritannien erkrankt. Diese Zahl werde sich in den nächsten Jahren weiter erhöhen. Bei Menschen mit AMD, ist die zentrale Sicht (Lesen) beeinträchtigt. Das umliegende Sichtfeld bleibt normal.

Es gibt zwei Arten der AMD, nass und trocken. Feuchte AMD wird allgemein durch abnormale Blutgefäße ausgelöst. Diese lassen Flüssigkeit oder Blut in den Bereich der Makula, der Mitte unserer Netzhaut, austreten. Die trockene AMD ist die deutlich häufigere Form der Makuladegeneration. In trockener Form erfolgt ein Defekt oder eine Ausdünnung der Schicht des retinalen Pigmentepithel (RPE) in der Makula. Solche RPE-Zellen unterstützen die lichtempfindlichen Sehzellen, die wiederum so wichtig für unser Sehen sind. Derzeit gibt es noch keine Behandlung für eine trockene AMD. (as)