Malaria: Resistente Erreger beunruhigen die WHO

Fabian Peters

Welt-Malaria-Tag: WHO warnt vor Ausbreitung resistenter Malaria-Erreger

26.04.2013

Am gestrigen Welt-Malaria-Tag haben die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sowie zahlreiche nationale Gesundheitsbehörden und Hilfsorganisationen vor Ort auf die künftigen Herausforderungen in der Malaria-Bekämpfung hingewiesen und angesichts des vermehrten Auftretens resistenter Erreger davor gewarnt, die Mittelbereitstellung im Kampf gegen Malaria zu kürzen.

Nachdem im Jahr 2000 die Bekämpfung von Malaria als eines der Millenniumsentwicklungsziele der Vereinten Nationen (UN) benannt wurde, konnten dank der zunehmenden Mittelbereitstellung – zum Teil auch von privaten Geldgebern, wie dem Microsoft-Gründer Bill Gates – weltweit deutliche Erfolge im Kampf gegen Malaria erzielt werden. Obwohl bedeutende Fortschritte bei der Malaria-Prävention und -behandlung auch in den stark belasteten afrikanischen Länder südlich der Sahara erreicht werden konnten, sehen die Experten diese positive Entwicklung nun jedoch in Gefahr. Denn in Südostasien seien vermehrt Resistenzen der Malaria-Erreger gegen die verfügbaren Medikamente zu verzeichnen, so die Mitteilung der WHO.

660.000 Malaria-Todesfälle pro Jahr
„In den letzten Jahren haben wir große Fortschritte bei der Verringerung der Neuerkrankungen und Todesfälle durch Malaria gemacht, aber die Fortschritte könnten nun in Gefahr sein“, betonte der WHO-Experte für HIV, Tuberkulose, Malaria und seltene Tropenkrankheiten, Dr. Hiroki Nakatani. „ Wir sind zunehmend besorgt angesichts der Zeichen aus der Region Südostasien, dass die Malaria-Parasiten resistent gegen einige der Medikamente geworden sind, die dazu beigetragen haben, dass überhaupt solche Fortschritte erzielt werden konnten“, erläuterte Dr. Nakatani. Zuletzt wurden Übertragungen von Malaria laut WHO aus 99 Staaten gemeldet, wobei in diesen rund 3,3 Milliarden Menschen Leben sollen. Die Experten der Weltgesundheitsorganisation gehen davon aus, dass sich im Jahr 2010 schätzungsweise 219 Millionen Menschen weltweit infiziert haben und 660 000 Menschen an Malaria verstarben. Besonders häufig seien Kinder im Alter unter fünf Jahren betroffen.

Risiko einer Resistenz gegen die Malaria-Medikamente
Diese Zahlen der Malaria-Infektionen und Todesfälle erscheinen zwar immer noch erschreckend hoch, stellen jedoch eine deutlich Reduktion gegenüber dem Jahr 2000 dar. Hier spielt nicht zuletzt die verbesserte Verfügbarkeit der sogenannten Artemisinin-basierten Kombinationstherapien eine entscheidende Rolle. Mit Hilfe des Wirkstoffs Artemisinin konnten hunderttausende Menschenleben gerettet werden. Allerdings haben sich die Malaria-Erreger (sogenannte Plasmodien) offenbar allmählich auf die Artemisinin-haltigen Arzneien eingestellt. Eine vergleichbare Entwicklung fand laut WHO bereits einmal in den 1960er Jahren statt, als die Erreger gegen das damals gängige Malaria-Mittel Chloroquin resistent wurden. Die Folge sei ein deutlicher Anstieg der Malaria-Todesfälle gewesen. Auch damals traten die resistenten Erreger zunächst in Südostasien auf und breiteten sich anschließend bis nach Afrika aus.

Ausbreitung resistenter Malaria-Erreger befürchtet
Sollten die nun in Kambodscha, Myanmar, Thailand und Vietnam identifiziert resistenten Malaria-Erreger sich bis nach Afrika ausbreiten, wäre diese ein herber Rückschlag in der Malaria-Bekämpfung, so die übereinstimmende Einschätzung sämtlicher Experten. „Die Folgen einer Ausbreitung der Artemisinin-Resistenz wären katastrophal“, betonte der Direktor des WHO Malaria-Programms, Dr. Robert Newman. „Wir müssen jetzt handeln, um Südostasien heute zu schützen und das Afrika südlich der Sahara morgen“, so Newman weiter. Auch der Generalsekretär der Vereinten Nationen (UN), Ban Ki-moon, hat in einer Pressemitteilung zum Welt-Malaria-Tag auf die Herausforderungen der zunehmenden Resistenzen bei Malaria-Erregern hingewiesen und vor den Folgen einer Ausbreitung der Erreger in den afrikanischen Staaten südlich der Sahara gewarnt. Bis heute sterbe in Afrika jede Minute ein Kind an Malaria.

Notfall-Plan gegen resistente Malaria-Erreger
Der Direktor des Globalen Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria, Dr. Mark Dybul, erklärte: „Wir müssen mehr investieren, um Resistenzen zu bekämpfen.“ Die WHO hat indes mittlerweile einen Notfall-Plan zur Eindämmung der resistenten Malaria-Erreger in Angriff genommen. Dieser sieht zum Beispiel den vollständigen Verzicht auf Anti-Malaria-Medikamente von schlechter Qualität und auf die orale Artemisinin-basierte Monotherapie vor, da sowohl die Wirksamkeit der Behandlung beeinträchtigt werde und als auch das Risiko der Entwicklung von Resistenzen steige. „Wir sind an einem Wendepunkt. Was wie eine lokale Bedrohung erscheint, könnte leicht außer Kontrolle geraten und schwerwiegende Folgen für die globale Gesundheit haben“, warnte Dr. Newman.

Mangelnde finanzielle Mittel zur Malaria-Bekämpfung
Die Weltgesundheitsorganisation sieht auch in der finanziellen Ausstattung der Malaria-Bekämpfung ein erhebliches Problem. Bis zu 350 Millionen US-Dollar zusätzliche Mittel seien hier für den Zeitraum 2013 bis 2015 erforderlich, um die resistenten Erreger erfolgreich einzudämmen und vollständig zu eliminieren. Um bis zum Jahr 2020 allen Menschen weltweit den „universellen Zugang zu Malaria-Prävention, Diagnostik und Behandlung“ zu ermöglichen, seien jährlich 5,1 Milliarden US-Dollar erforderlich.. Doch heute liegen die bereitgestellten Mittel lediglich bei rund 2,3 Milliarden US-Dollar. Damit könne keine adäquate medizinische Versorgung sämtlicher Infizierten gewährleistete werden und zudem leide die Malaria-Prävention, da beispielsweise das Geld für die Anschaffung von Moskitonetzen fehle. Hier wird deutlich, dass die ambitionierte Bestimmung von Entwicklungszielen nicht weiterhilft, wenn im Anschluss die erforderlichen finanziellen Mittel nicht aufgebracht werden. (fp)